Xenia Ryschowa (l.) und Julia Guschtschina küssten sich bei der Siegerehrung der WM in Moskau © getty

Nach dem WM-Schmatzer empört sich Xenia Ryschowa. Der Kuss sei Zufall und kein Protest am Anti-Homosexuellen-Gesetz gewesen.

Moskau - Nach ihrem Kuss bei der WM haben zwei russische Läuferinnen empört Berichte zurückgewiesen, sie hätten mit der Aktion gegen das umstrittene Anti-Homosexuellen-Gesetz in ihrem Land protestiert.

"Am Montag wurde ich von 20 Publikationen angerufen. Statt mir zur Goldmedaille zu gratulieren, wurde ich durch Fragen beleidigt", reagierte die laut Nachrichtenagentur "ITAR-TASS" vor Wut schäumende Ryschowa.

Der Schmatzer auf dem Siegerpodest sei der großen Aufregung nach dem unerwarteten Erfolg geschuldet gewesen. ( 762731 DIASHOW: Die Tops und Flops der WM )

Kuss mit Sprengkraft

Die 26-Jährige hatte am Samstag im Moskauer Luschniki-Stadion ihre Kollegin Julia Guschtschina deutlich sichtbar auf den Mund geküsst. Beide hatten ihre 4x400-m-Staffel zum Sieg über die USA geführt, was Russland letztlich Platz eins im Medaillenspiegel der WM einbrachte

Ein von Kremlchef Wladimir Putin unterzeichnetes Gesetz verbietet unter Geldstrafe, sich in Russland vor Minderjährigen positiv über Homo-, Bi- oder Transsexualität zu äußern.

Viele Medien hatten die Szene auf dem Siegespodest als Protest gegen das neue Gesetz interpretiet.

Kein politischer Protest

"Julia und ich sind verheiratet und haben keine intime Beziehung. Wir trainieren seit acht Jahren zusammen. Sie können sich nicht vorstellen, was es für uns bedeutet, nach acht Jahren zu gewinnen", meinte Ryschowa.

Sie ergänzte: "Es war eine totale Gefühlsanwallung, und falls sich unsere Lippen in dem Moment berührt haben, dann weiß ich nicht, wessen Vorstellung eine solche Idee (eines politischen Protests) entsprungen sein könnte." (SERVICE: Der WM-Medaillenspiegel)

Balachnitschjow fordert Ruhe

Der Chef des russischen Leichtathletik-Verbandes, Valentin Balachnitschjow, forderte ein Ende der Debatte um das Verbot von "Homo-Propaganda".

Einige westliche Politiker und Aktivisten haben wegen des umstrittenen Gesetzes einen Boykott der Olympischen Winterspiele 2014 im russischen Sotschi ins Gespräch gebracht.

Sportler kritisieren

Öffentlich kritisiert hatte US-Mittelstreckenläufer Nick Symmonds die Diskriminierung von Homosexuellen in Russland. Er widmete seine 800-m-Silbermedaille seinen schwulen und lesbischen Freunden.

Einige Sportlerinnen lackierten ihre Fingernägel in den Farben des Regenbogens, Symbol der homosexuellen Bewegung.

So die schwedische Hochspringerin Emma Green Tregaro, die dafür später vom Weltverband IAAF gerügt wurde.

Issinbajewa befürwortet und rudert zurück

Stabhochsprung-Weltmeisterin Jelena Issinbajewa hatte das Gesetz öffentlich befürwortet und dafür harsche Kritik einstecken müssen.

Danach hatte sie in einem verbalen salto rückwärts erklärt, sie sei falsch verstanden worden und "gegen jede Diskriminierung von Homosexuellen."

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