Christina Obergföll gewann zweimal Silber bei Welt.- und Europameisterschaften und bei Olympia 2012 © getty

Nach Jahren als Ewige Zweite landet Christina Obergföll den großen Wurf. Dabei dachte sie bereits über das Karriere-Ende nach.

Moskau - Die Sonne ging langsam unter über dem Andamanischen Meer. Christina Obergföll und Boris Henry genossen im Phuket-Urlaub ihr Abendessen, die Aussicht - aber vor allem ihre Zweisamkeit.

"Candlelight Dinner, sehr romantisch", erzählte Boris Henry jetzt.

Dann kniete er im Sand vor Obergföll nieder und stellte die Frage aller Fragen: "Da konnte sie ja nicht mehr 'Nein' sagen."

Weiblicher Michael Ballack der Leichtathletik

Bei der Hochzeit am 21. September in der Nähe von Offenburg wird Henry eine Wette des Speerwurf-Pärchens einlösen und ihren Namen annehmen.

"Ja, so wird es gemacht. Der Name Obergföll ist ja auch schon Kult. Ich bin sehr stolz auf sie."

Und das völlig zurecht. Seine Verlobte galt lange als "Ewige Zweite", als die Unvollendete des Speerwurfs, als der weibliche Michael Ballack der Leichtathletik ? in Anlehnung an dessen vier Vize-Titel in der Saison 2002 (SERVICE: Der WM-Medaillenspiegel).

Talentiert, auch erfolgreich, aber für den ganz großen Titel hat es am Ende dann halt immer nicht gereicht.

Erster Titel nach 5 Mal Silber

Doch das Gerede ist jetzt vorbei nach ihrem Gold-Coup bei der Leichtathletik-WM in Moskau.

Obergföll schmiss ihren Speer im Luschniki-Stadion 69,05 m weit und holte mit 31 Jahren ihren ersten großen internationalen Titel - nachdem es zuvor sechs Mal bei einer großen Meisterschaft "nur" zu Silber (5) und Bronze (1) gereicht hatte (SERVICE: Der Zeitplan der WM).

"Mega, Gänsehaut. Es ist ein Riesenballast von mir abgefallen - endlich, endlich, endlich. Das ist einfach nur sensationell, wie im Märchen", sagte die neue Speerwurf-Queen kurz vor ihrem 32. Geburtstag am Donnerstag - und nach dem Triumph über Kimberly Mickle aus Australien (66,60) und Russlands geschlagene Titelverteidigerin Maria Abakumowa (65,09).

Viel Zureden von Henry

Doch bevor das Märchen wahr werden konnte, spielte sich über Jahre ein Drama ab. 2005 stürmte Obergföll überraschend in die Weltspitze, holte mit Europarekord (70,03 m) Silber.

Doch statt Gold folgten dann oft Enttäuschungen. Nach ihrem bitteren vierten WM-Rang von Daegu vor zwei Jahren war sie drauf und dran, alles hinzuschmeißen.

"Danach war sie wirklich fertig und es hat lange gedauert, bis sie sich wieder motivieren konnte", sagte Boris Henry.

Hilfe vom Sportpsychologen

Der ehemalige Weltklasse-Speerwerfer und Herren-Bundestrainer, der seit knapp einem Jahr auch das Techniktraining seiner künftigen Frau übernommen hat, und der Sportpsychologe Hans Eberspächer haben Obergföll aus diesem Tal geholt ( 758987 DIASHOW: Die Bilder der Leichtathletik-WM ):

"Er hat mir Ängste genommen und wir haben daran gearbeitet, dass ich mich auf mich fokussiere und nicht so sehr schaue, was die anderen Mädels machen."

Was sie jetzt machen will, weiß Obergföll selber noch nicht so richtig. Nach der Heirat wird das Ehepaar Obergföll erst einmal das neu gebaute Haus bei Offenburg beziehen, eine Hochzeitsreise ist noch nicht geplant.

Baby-Pause geplant

Aber dafür die Sache mit dem Nachwuchs.

Obergföll will nach Gold auch endlich ein Baby haben. "Wann ich eine Baby-Pause mache, weiß ich noch nicht. Aber das Thema gehen wir an. Das kann man ja nicht trainieren", sagte die Olympiazweite lachend.

"Es wäre klasse wenn es noch vor Olympia in Rio klappt. Aber wenn nicht? Auch gut. Dann bin ich 35 und das geht ja auch noch."

Baby-Tipps bei der Konkurrentin

Baby-Tipps holt sich Obergföll von ihrer Freundin und Olympiasiegerin Barbora Spotakova. Die Tschechin hatte im Mai einen Sohn zur Welt gebracht und fehlte in Moskau.

"Das ist wohl schon eine Umstellung. Ihr Kleiner schreit sehr viel und treibt sie wohl manchmal in den Wahnsinn", sagte sie, "aber das ist ja auch etwas Wunderschönes, ein Kind aufwachsen zu sehen. Sie ist sehr glücklich."

Obergföll auch.

Weiterlesen