Bei der WM in Moskau gewinnt Bolt drei Goldmedaillen © getty

Der Superstar verzichtet nach seinem historischen WM-Gold (Bericht) auf eine Sause. Trotz seiner erst 26 Jahre deutet er ein Karriere-Ende an. Russland missfällt ihm - trotz hübscher Frauen.

Moskau - Die Party fand diesmal am anderen Ende der Welt statt.

In Kingston tummelten sich die Fans auf der West Parade, tanzten und schwenkten die gelb-grün-schwarzen Jamaika-Fahnen.

In Moskau - 10.000 Kilometer entfernt - schleppte sich dagegen der schnellste Mann dieses Planeten vor die Weltöffentlichkeit. ( 758987 DIASHOW: Die Bilder der Leichtathletik-WM )

"Klar, ich sollte jetzt feiern gehen", sagte Usain Bolt, der sich gerade zum erfolgreichsten Leichtathleten der WM-Geschichte gekrönt hatte, "mal sehen, vielleicht bin ich auch zu müde".

Bolt spürt das Alter

Mit 26 Jahren hat Bolt US-Legende Carl Lewis an der Spitze der Bestenlisten abgelöst.

Mit erst 26 Jahren könnte man sagen, doch Bolt spürt das Alter.

Er spürt die jahrelange Trainingsarbeit und den Druck, dominieren zu müssen.

"Es wird härter, je älter du wirst und je mehr du rennst", sagte er, nachdem er die jamaikanische 4x100m-Staffel zum Sieg geführt und selbst das dritte Gold in Moskau eingeheimst hatte.

Fernziel Rio 2016

Bolt ist nun mit acht WM-Titel und zwei Silbermedaillen dekoriert, sein Karrieende ist jedoch erstmals absehbar.

Zwei große Rennen habe er noch, sagte Bolt.

Sein Fernziel ist Rio 2016 - dort will er erneut das Triple holen und mit Carl Lewis gleichziehen, der neun olympische Goldmedaillen besitzt.

Auf dem Weg dorthin liegt 2015 die WM in Peking, dort gilt es für Bolt, das Feuer neu zu entfachen, das in Moskau erloschen war.

"Usain ist sauber"

Überall auf der Welt lieben ihn die Zuschauer, er verkörpert die Leichtigkeit der Leichtathletik, vertreibt mit einer Geste den Dopingschatten, der sich über den Sprint gelegt hat.

Die hohen Herren um Weltverbands-Präsident Lamine Diack legen liebend gerne die Hand für ihren Mega-Star und Heilsbringer ins Feuer.

"Usain ist sauber", sagte Diack allwissend vor der WM.

Bolt kritisiert WM

Das Publikum hatte jedoch ein wenig das Interesse an der Bolt-Show verloren, beim 100-m-Finale war das monumentale Luschniki-Stadion nur halbvoll gewesen. (Ergebnisse der Leichtathletik-WM)

"Ich bin es gewohnt, dass das Stadion aus allen Nähten platzt, wenn ich einlaufe", sagte Bolt einigermaßen erstaunt.

Mit den Russen habe er sich überhaupt schwer getan: "Sie lachen hier nicht so viel."

Auch über das Essen und die Startblöcke beschwerte sich Bolt und kam schließlich zum Schluss: "Das war nicht die beste WM der Geschichte. Ich bin einfach mal ehrlich und vergebe sieben von zehn Punkten."

Sunnyboy schwärmt von den Frauen

Das saß.

Solche Worte aus dem Mund des stets gut gelaunten Sunnyboys aus der Karibik klangen nicht nur nach vernichtender Kritik, sie waren Ausdruck seines verletzten Stolzes.

Zwar hatte Bolt zum Abschluss den Kasatschok auf der blauen Bahn getanzt, eine Liebesbeziehung wird er mit Moskau allerdings nicht mehr eingehen.

Auch wenn es hier viele Frauen gebe. "Viele hübsche Frauen", wie Bolt anmerkte.

Er werde seinen Jungs zu Hause davon erzählen.

Hängematte statt Highlife

Nach der Heimat Jamaika sehnt sich Bolt nach dem langen europäischen Sprint-Sommer immer mehr.

"Ich mache noch die Meetings in Zürich und Brüssel, dann geht es in den Urlaub. Chillen", sagte Bolt.

Hört sich eher nach Hängematte statt Highlife an.

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