Raphael Holzdeppe (r.) gewinnt in Moskau Gold im Stabhochsprung © getty

Der DLV ist mit dem Auftritt seiner Athleten in Moskau zufrieden. Harting, Storl und Co. glänzen - doch es gibt auch Schatten.

Moskau - Die starken Werfer um Robert Harting, David Storl und Christina Obergföll glänzten, Raphael Holzdeppe schwang sich zum neuen Überflieger auf - doch es gab neben dem Goldglanz auch Pleiten und Negativpunkte.

Dies nicht nur beim Scheitern von Hammerwurf-Weltrekordlerin Betty Heidler in der Qualifikation.

In 15 von 47 Disziplinen waren deutsche Athleten wegen Chancenlosigkeit nicht einmal am Start. Die angetretenen Läufer waren mit ganz wenigen Ausnahmen gemessen am Weltniveau zu schwach ( 758987 DIASHOW: Die Bilder der Leichtathletik-WM ).

Von 41 Athleten, die in Vorkämpfen antraten, scheiterten 19 in Runde eins.

Talente sollen Lernen

Allerdings hatte der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) etlichen Talenten durch die Nominierung eine Chance zum Lernen gegeben.

"Wir haben erneut eine hervorragende Visitenkarte der Leistungsfähigkeit abgegeben", sagte Sportdirektor Thomas Kurschilgen in seiner Bilanz: "Die Neuformierung der Nationalmannschaft ist erfolgreich eingeleitet, junge Athleten haben wichtige Erfahrungen sammeln können. Das ist eine gute Ausgangslage auf dem Weg zu den Olympischen Spielen in Rio 2016."

Nicht auf den Medaillenspiegel fokussiert

Mit Gold von Robert Harting (Diskus), David Storl (Kugelstoßen), Christina Obergföll (Speer) und Raphael Holzdeppe (Stabhochsprung), Silber von Michael Schrader (Zehnkampf) und Christina Schwanitz (Kugelstoßen) sowie Bronze von Björn Otto (Stabhochsprung) übertraf der DLV kurz die vergangenen Großereignisse. (SERVICE: Der WM-Medaillenspiegel)

Bei der WM 2011 in Daegu hatte es sieben Medaillen (3-3-1) gegeben, bei Olympia 2012 in London sogar acht (1-4-3).

Zudem erinnerte Kurschilgen an die Pechvögel Martin Wierig (Diskus), Claudia Rath (Siebenkampf) und Silke Spiegelburg (Stabhochsprung), die am Dienstag mit Platz vier nur ganz knapp an einer Medaille vorbeigeschrammt waren.

Doch der DLV sei ohnehin nicht auf den Medaillenspiegel "fokussiert" gewesen, meinte Kurschilgen. Vielmehr stünden "individuelle Bewertungen und Entwicklungen" im Vordergrund.

Läufer ohne Chance

Besonders in den Laufdisziplinen gibt es im DLV eklatante Schwächen, auch im Hochsprung der Männer und Dreisprung (Männer und Frauen).

Enttäuscht haben auch die Sprinter um Julian Reus und Martin Keller, die kurz vor der WM noch dicht an den deutschen Rekord von Frank Emmelmann (10,06) gelaufen waren, nur um kurz danach im Vorlauf sang- und klanglos unterzugehen.

Die beiden 4x100-Meter-Staffeln kamen mit ihren vierten Plätzen jedoch dicht an die Weltspitze heran.

Behrenbruch und Heidler enttäuschen

Als die Verlierer von Russland gelten auch Zehnkampf-Europameister Pascal Behrenbruch und Heidler.

Behrenbruch war als Weltjahresbester angereist und nicht über Platz elf hinausgekommen, Heidler sogar in der Quali gescheitert.

"Einige Athleten konnten ihr Niveau nicht abrufen. Aber das ist in einem großen Team ganz normal", sagte Kurschilgen, kündigte aber Gespräche an: "Wir müssen die richtigen Rückschlüsse ziehen und neue Ziele angehen."

Integration von jungen Athleten

Eines der zentralen Ziele für Moskau sei es gewesen, in der Vorbereitung auf Rio junge Athleten in das Team zu integrieren.

Deren Erfahrungen seien bei der WM-Premiere nicht mit Medaillen aufzuwiegen.

Aber: "Davon werden wir in den nächsten drei, vier Jahren erheblich profitieren", sagte Cheftrainer Idriss Gonschinska.

Harting will Fördermodell vorstellen

Diskus-Riese Harting geht das alles nicht schnell genug.

Nach seinem dritten WM-Gold hatte der Berliner bekräftigt, zeitnah ein neues Fördermodell für Spitzensportler vorstellen zu wollen.

"Wir brauchen eine neue Strategie", sagte er. Am Konzept werde noch gefeilt.

"Da sind auch Dax-Unternehmen mit beteiligt, aber es müssen noch politische Hindernisse überwunden werden", sagte Harting.

Er will Strukturen verändern - damit neben ihm auch noch andere glänzen können.

Weiterlesen