Bei Olympia gewann die russische 4x400 -m-Staffel der Frauen die Silbermedaille © getty

Erst holt die 4x400-m-Staffel, dann eine Hochspringerin Gold für die Gastgeber - mit Folgen. Rollins gelingt die Wachablösung.

Moskau - Der vorletzte Tag der Weltmeisterschaft führte zu Jubelstürmen im Luschniki-Stadion. Innerhalb einer Minute gewann Russland zwei Goldmedaillen und verdrängt damit sogar die USA von der Spitze des Medaillenspiegels. (SERVICE: Der WM-Medaillenspiegel)

Zunächst glänzte die russische Frauenstaffel, die über 4x400 m den Erzrivalen USA niederrang, dann triumphierte Swetlana Schkolina mit im Hochsprung (2,03).

Das mit Spannung erwartete Duell über 100 m Hürden gewann US-Shootingstar Brianna Rollins in 12,44 Sekunden vor Olympiasiegerin und Weltmeisterin Sally Pearson (Australien/12,50). (SERVICE: Der Zeitplan der WM)

Nachfolger des verletzten Matthias de Zordo als Speerwurf-Weltmeister wurde der tschechische Favorit Vitezslav Vesely (87,17). Über 5000 m war Meseret Defar aus Äthiopien nicht zu schlagen. Im Marathon wiederholte sich indes das olympische Märchen von Stephen Kiprotich aus Uganda, der erneut die Favoriten düpierte.

Gold zum Geburtstag

Hürdensprinterin Rollins beschenkte sich einen Tag nach ihrem 22. Geburtstag mit ihrem ersten großen Titel selbst. Die Newcomerin, die bei den US-Trials mit sensationellen 12,26 Sekunden für einen Paukenschlag gesorgt hatte, fing ihre Konkurrentin Pearson nach schwachem Start noch ab.

Dritte wurde die Britin Tiffany Porter (12,55), die deutsche Meisterin Nadine Hildebrand (Sindelfingen) war im Halbfinale gescheitert.

Zwei russische Siege in einer Minute

Die Olympiadritte Schkolina übersprang die Siegeshöhe im ersten Versuch und verwies mit neuer Bestleistung die Weltjahresbeste Brigetta Barrett (USA/2,00) auf Platz zwei. Bronze ging an Olympiasiegerin Anna Tschitscherowa und die höhengleiche Europameisterin Ruth Beitia aus Spanien mit jeweils 1,97.

Dabei war Marie-Laurence Jungfleisch (Tübingen) als einzige deutsche Finalistin des Tages chancenlos, sie scheiterte schon an der Einstiegshöhe.

USA entthront

Nur eine Minute vor Schkolinas Goldsprung hatte die russische Staffel den einstigen "Klassenkampf" gegen die US-Girls für sich entschieden. ( 758987 DIASHOW: Die Bilder der Leichtathletik-WM )

In einem packenden Rennen entthronten Julia Guschina, Tatjana Firowa, Xenija Ryschowa und Antonina Kriwoschapka nach 3:20,19 Minuten den Titelverteidiger USA (3:20,41) und holten die sechste Goldmedaille für die Gastgeber.

Weltmeisterin Christine Ohuruogu führte Großbritannien auf Platz drei (3:22,61).

Zentimer-Entscheidung

In einem hochklassigen Speerwerfen hielt Europameister Vesely den finnischen Ex-Weltmeister Tero Pitkämäki (87,07) mit zehn Zentimetern Vorsprung in Schach.

Der Russe Dimitri Tarabin (86,23) verhinderte im letzten Versuch eine sensationelle Bronzemedaille des Kenianers Julius Yego (85,40).

Defar triumphiert

Olympiasiegerin Defar holte sich sechs Jahre nach ihrem Sieg in Osaka zum zweiten Mal den WM-Titel über 5000 m und das dritte Gold in Moskau für die ostafrikanische Läufer-Hochburg.

Die 29-Jährige gewann nach 14:50,19 Minuten vor Mercy Cherono aus Kenia (14:51,22) und Almaz Ayana (Äthiopien/14:51,33). Titelverteidigerin Vivian Cheruiyot aus Kenia macht eine Babypause.

Kiprotich schockt Läufer-Nationen

Zuvor hatte der Ugander Kiprotich wie schon bei Olympia in London die Läufer der großen Marathon-Nationen Äthiopien und Kenia düpiert. Nach einem taktisch geprägten Rennen siegte der 24-Jährige in 2:09:51 Stunden vor den Äthiopiern Lelisa Desisa (+21 Sekunden) und Tadese Tola (+32).

"Ich bin so glücklich, dass ich eine weitere Medaille für mein Land gewonnen habe", sagte Kiprotich, der nach dem Äthiopier Gezahegne Abera (2000 in Sydney und 2001 in Edmonton) als zweiter Marathonläufer nacheinander olympisches Gold und den WM-Titel gewonnen hat.

Weiterlesen