Das Foto von Kai Pfaffenbach (u.r.) überzeugte die Kampfrichter © imago

Nach dem Drama bei der WM erklärt Kai Oliver Pfaffenbach bei SPORT1, wie seine Aufnahme den Kugelstoß-Wettbewerb entschied.

Von Martin Hoffmann

München/Moskau - Kai Oliver Pfaffenbach hat in Kriegs- und Katastrophengebieten fotografiert, der renommierte Bildjournalist hat folglich schon einiges an Trubel erlebt.

So viel Trubel um sich selbst allerdings noch nicht: Es war das Foto des "Thomson-Reuters"-Manns, das bei der Leichtathletik-WM in Moskau das Drama um die Gold-Frage im Kugelstoß-Wettbewerb auflöste (Aktuelle Ergebnisse der Leichtathletik-WM).

Es belegte, dass David Storls entscheidender vierter Versuch, der zunächst für ungültig erklärt wurde, doch regulär war (BERICHT: Fotograf rettet Storls Gold).

Bei SPORT1 schildert Pfaffenbach, warum gerade er die entscheidende Aufnahme hatte - und warum er keine Belohnung dafür will ( 758987 DIASHOW: Die Bilder der Leichtathletik-WM ).

SPORT1: Herr Pfaffenbach, wie kam es, dass gerade Sie das Foto geknipst haben, das David Storls Goldmedaille gesichert habe?

Kai Oliver Pfaffenbach: Ich habe es aus der richtigen Position im Liegen heraus gemacht - und als Ganzkörperbild. Neben mir saß noch ein Kollege, der hat sich aber glaube ich dafür entschieden nur den Oberkörper zu fotografieren, mit dem Stadion im Hintergrund. Dass ich ein Ganzkörperbild gemacht habe, war in dem Fall echt Glück. Es gibt fünf Bilder davon, eine Sequenz, und man sieht es einfach ganz genau, dass er nicht auf dem Balken gestanden hat. Zu keinem Moment. Weil man sieht, wie die Füße in der Luft sind und dann wieder auf der Erde - das passt.

SPORT1: David Storl hat schon erklärt, dass er Ihnen wohl ein Bier ausgeben muss.

Pfaffenbach: Naja, die Kollegen haben da ja reichlich Zeug gequatscht - so nach dem Motto: Ob er mir denn nicht einen Fuffy abgeben will von seinem Preisgeld? Weil die Fotografen ja kein Geld verdienen würden. Das war schon großer Unfug. Und darum geht es auch gar nicht.

SPORT1: Sondern?

Pfaffenbach: Ich hätte das auch für einen anderen Sportler gemacht. Die Jungs trainieren dafür, dass sie da ihre Leistung bringen. Und wenn du dann eine Topleistung bringst und wirklich durch eine Fehlentscheidung eine Goldmedaille oder eine andere Medaille verlierst, das ist ja eine bittere Sache. Dass die Amerikaner nicht so happy waren und Protest eingelegt haben, kann ich durchaus nachvollziehen. Aber die haben dann auch anhand der Fernsehbilder und anhand der Slomo ganz klar gesehen, dass das ein gültiger Versuch war. Und deshalb ist er auch verdient Weltmeister geworden.

SPORT1: Eine schöne Geschichte ist es aber trotzdem, oder?

Pfaffenbach: Natürlich, es ist eine gute Anekdote, da will ich mich auch gar nicht drüber beschweren. Aber da darf ich mich jetzt selbst auch nicht wichtiger nehmen als die Tatsache, dass er den weitesten Versuch hatte. Mich deswegen zu belohnen, ist Quatsch. Er ist da gestern Weltmeister geworden, weil er die Kugel am weitesten gestoßen hat und nicht weil ich da als Fotograf die Bilder gemacht habe.

SPORT1: Sie haben Fotos bei vielen großen Sportereignissen, in Kriegsgebieten und bei Katastrophen gemacht. Standen Sie selbst schon mal so im Mittelpunkt?

Pfaffenbach: Es gab mal eine so ähnliche Situation bei der Leichtathletik-WM in Berlin 2009. Da ist Usain Bolt nach seinem Finalsieg und Weltrekord durchgestartet, hat quasi erst aufgehört zu feiern als er schon fast wieder am 200-Meter-Start war. Und ich war der erste und einzige Fotograf, der ihn quasi am Kurvenausgang erwischt hat, überholt hat und ihn dabei fotografiert hat. Ich bin in meinem Leben noch nie so schnell gerannt. Das hat auch Medieninteresse hervorgerufen, aber nicht so in der Dimension, wie ich es jetzt erlebt habe.

SPORT1: Von was für einer Dimension reden wir denn?

Pfaffenbach: Hunderte E-Mails, SMS - zahllose Interview-Anfragen per Telefon, via Facebook. Ich versuche alles, so gut es geht zu beantworten. Aber mir ist der Hype schon ein bisschen zu arg. Im Mittelpunkt sollte David stehen mit seinem Kugelstoßen und nicht der Fotograf.

SPORT1: Dann reden wir doch noch etwas über David Storl...

Pfaffenbach: In zwei Jahren holt der zwei Mal Gold, gewinnt Silber bei Olympia - mit 23 Jahren, das ist echt spitze. Vor allem aber ist David ein sympathischer Kerl. Nicht so der Lautsprecher wie andere, ein eher ruhiger, zurückhaltender. Er hat trotzdem ein großes Ansehen bei seinen Sportlerkollegen, die halten richtig viel von ihm. Zu Recht.

[kaltura id="0_ih67u0u8" class="full_size" title="Storls Gold Wurf im Video"]

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