Christian Reif (Weitsprung, 29 Jahre, LC Rehlingen). In der Halle springt der Europameister von 2010 im vergangenen Jahr zu Bronze ? und ist im laufenden Jahr mit 8,49 Metern zweitbester Mann auf dem Kontinent. Der studierte Sportwissenschaftler legt bei den deutschen Meisterschaften 2014 mit sechs Sprüngen über acht Meter die beste Serie seiner bisherigen Laufbahn hin
Christian Reif springt hauchdünn am Podest vorbei © getty

Der 28-Jährige verpasst den Sprung aufs Podest um Haaresbreite. Bayer scheitert früh. Alexander Menkow schafft Historisches.

Moskau - Christian Reif zuckte mit den Schultern und blickte enttäuscht durch das Moskauer Luschniki-Stadion.

Das Feuer, das während des Finals in seinen Augen loderte, war erloschen. Zur ersten WM-Medaille eines deutschen Weitspringers fehlten Reif fünf Zentimeter, eine Winzigkeit. Im Feld der Ausnahmespringer bedeutete der nicht einmal handbreite Rückstand allerdings nur Platz sechs.

Reifs 8,22 m waren bei der Flugshow des neuen Weltmeister Alexander Menkow nur noch eine Randerscheinung.

Erster Weltmeister aus Europa

Der Russe gewann mit Jahresweltbestleistung von 8,56 m als erster Europäer den WM-Titel - mit deutlichen Abstand vor dem Niederländer Ignisious Gaisah (8,29) und dem Mexikaner Luis Rivera (8,27).

Zuvor hatten bei 13 WM-Auflagen nur die Amerikaner Carl Lewis, Mike Powell und Dwight Philipps, der Kubaner Ivan Pedroso und Irving Saladino aus Panama triumphiert.

Erinnerungen an Olympia

Fünf Zentimeter fehlten dem Rehlinger Reif also nur zu Bronze und einer historischen Leistung. Der Wettkampf erinnerte ein wenig an das Olympia-Drama von London, als Sebastian Bayer (Hamburg) mit zwei Zentimetern Rückstand auf Platz drei Fünfter geworden war.

In Moskau blieb der Europameister deutlich hinter seinen Möglichkeiten zurück. Mit 7,98 m reichte es nur zu Platz neun. Der deutsche Meister Alyn Camara (Leverkusen) war wie der angeschlagene Olympiasieger Greg Rutherford (Großbritannien) bereits im Vorkampf ausgeschieden.

Reif mit starkem Einstand

Reif war selbstbewusst ins Finale der besten zwölf Springer gegangen, immerhin hatte er die Qualifikation mit dem ersten Sprung auf 8,09 m gemeistert und später analysiert: "Da sind noch ein paar Zentimeter Luft nach oben - oder eher nach vorne."

Mit seinem ersten Satz auf 8,18 m setzte der 28-Jährige auch die erste Duftmarke im Finale, ging in Führung und zeigte den Zuschauern die Faust. Reif wirkte hochmotiviert, geradezu verbissen.

Kein Lächeln kam dem Europameister von 2010 während des Wettkampfes über die Lippen.

Medaille klar in Reichweite

Im ausgeglichenen Feld der Weltklassespringer hatte sich Reif eine Menge ausgerechnet, schon mit seiner Saisonbestleistung (8,27) hätte es tatsächlich zu einer Medaille reichen können.

Letztlich fehlten ihm aber die entscheidenden Zentimeter und die letzte Kraft, um 33 Jahre nach Olympia-Gold von Lutz Dombrowski bei den Boykott-Spielen von Moskau erneut eine deutsche Weitsprung-Medaille im Luschniki-Stadion zu gewinnen.

(SERVICE: Der Zeitplan der WM)

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