Im September wird geheiratet: Christina Obergföll und Boris Henry © imago

In Moskau möchte die Speerwerferin endlich "ganz oben stehen". Klappt das nicht, gibt es dennoch bald Grund zu feiern.

Moskau - Silber, Silber, Bronze, Blech, Silber, Blech, Silber, Silber: Die Liste der Erfolge von Speerwerferin Christina Obergföll ist lang und beeindruckend.

Doch eines blieb der 31-Jährigen stets verwehrt - Gold bei einer großen Meisterschaft.

Kein Wunder, dass die Offenburgerin vor der Leichtathletik-WM in Moskau sagt, einmal möchte sie "international ganz oben stehen."

Ehepaar träumt von Doppelschlag

Doch als Top-Favoritin gilt Obergföll in Russland trotz einer starken Saison und der Abwesenheit von Tschechiens Olympiasiegerin Barbora Spotakova (Babyjahr) trotzdem nicht (SERVICE: Der Zeitplan der WM).

Diese Rolle kommt Lokalmatadorin und Titelverteidigerin Maria Abakumowa zu. Russlands Weltjahresbeste (69,34 m) ist ohnehin auf einer Mission: Mit ihrem Ehemann Dimitri Tarabin will sie in der Heimat Doppelgold holen.

Der 21-Jährige führt die Weltjahresbestenliste der Männer mit 88,84 m an. "Das ist eine coole Geschichte", sagte Obergföll dem Fachmagazin "Leichtathletik", "bedeutet für die beiden aber auch viel Druck. Vor allem für Abakumowa, von ihr wird der Sieg erwartet."

Souveräne Qualifikation

Wenn die Russin wirklich schwächeln sollte, will Obergföll da sein und endlich ihr erstes Gold holen, nachdem es seit ihrem Aufstieg in die Weltklasse bei der WM 2005 in Helsinki bestenfalls zu zweiten Plätzen gereicht hatte.

In der Qualifikation am frühen Freitagmorgen glänzte Abakumowa aber im Luschniki-Stadion mit im ersten Versuch erzielten 69,09 m, damit blieb sie nur 25 Zentimeter unter ihrer Jahresweltbestleistung.

Obergföll, künftige Ehefrau von Ex-Speerwerfer und Männer-Bundestrainer Boris Henry, übertraf in der Qualifikation im ersten Versuch mit 62,36 m die geforderte Weite für den Endkampf der besten Zwölf (61,50).

Die Olympiadritte Linda Stahl hinterließ mit 64,51 m einen starken Eindruck vor dem Kampf um die Medaillen. Dagegen verpasste Katharina Molitor (ebenfalls Leverkusen) nach 60,32 m das Finale.

"Nicht besonders gut"

"Das war nicht besonders gut, aber auch nicht besonders schlecht", sagte Obergföll (31) zu ihrer Vorstellung und meinte mit Blick auf das Finale: "Ich will alles geben und zeigen, was ich kann."

Stahl (27) gab sich selbstbewusst.

"Ich weiß, was ich kann, und ich weiß, was ich will: Am Sonntag unter die ersten Drei kommen." Sie ergänzte: "Wenn ich mit einem katastrophalen Wurf 64 Meter werfe, kann ich theoretisch mit einem perfekten auch 69 werfen."

"Andere können auch werfen"

Der Erwartungsdruck, im fortgeschrittenen Alter endlich den ersten Titel gewinnen zu müssen, belastet Obergföll. "Alle sagen: Du hast alles gewonnen, Spotakova ist nicht dabei, dieses Jahr muss es ja klappen mit dem Titel", hatte Obergföll vor der Abreise nach Russland festgestellt.

Die Weltranglisten-Zweite (67,70), deren Bestmarke seit sechs Jahren bei 70,20 m steht, mag dieses Gerede nicht und ärgert sich entsprechend:

"Das beschäftigt mich, ich kann das nicht wirklich abschütteln. Seid ihr denn alle blind? Wir haben eine WM in Moskau mit einer Russin, die unberechenbar ist und mit ein paar anderen Damen, die auch weit werfen können."

Im September vor den Altar

Ob es nun mit Gold klappt oder nicht: Im September führt Henry seine Christina vor den Traualtar.

Ob sie dann wie Spotakova, die im Mai Söhnchen Janek zur Welt gebracht hat, eine Baby-Pause einlege?

"Das lasse ich offen", sagte sie. Vor dem ersten Baby soll das erste Gold her.

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