Silke Spiegelburg wurde schon bei den Olympischen Spielen in London Vierte © getty

Silke Spiegelburg verpasst nach Olympia, Hallen-WM und EM erneut eine Medaille. Issinbajewa beendet ihre Karriere als Champion.

Moskau - Während Jelena Issinbajewa den russischen Staatsauftrag mit Bravour erfüllte, verließ Silke Spiegelburg enttäuscht den Innenraum des Luschniki-Stadions.

Zum vierten Mal in Folge war Deutschlands beste Stabhochspringerin bei einer großen Meisterschaft nur auf Platz vier gelandet. ( 758987 DIASHOW: Die Bilder der Leichtathletik-WM )

Das Drama von London mit den bitteren Tränen wollte sie bei der WM in Moskau endgültig vergessen machen, stattdessen setzte sich ihre tragische Serie fort.

Einen Tag nach dem historischen Sieg von Raphael Holzdeppe endete das Märchen der deutschen Stab-Artisten mit "Blech". Spiegelburg konnte nach dem erneuten Nackenschlag die Tränen nicht zurückhalten.

Issinbajewa sorgt für Höhepunkt

Dafür sorgte Volksheldin Issinbajewa für den stimmungsvollen Höhepunkt der Weltmeisterschaften. (SERVICE: Der Zeitplan der WM)

Die 31-Jährige, die seit Olympia 2008 keine große Freiluft-Meisterschaft mehr gewonnen hatte, gewann nach 2005 und 2007 ihren dritten WM-Titel und betonte danach, ihre Karriere im nächsten Jahr nur unterbrechen und nicht beenden zu wollen.

Kein Rücktritt - nur Babypause

"Ich werde noch nicht zurücktreten", erklärte die 31 Jahre alte Russin am Dienstagabend, nachdem sie im Luschniki-Stadion zum dritten Mal Weltmeisterin geworden war.

"Ich werde eine Pause machen, ein Baby kriegen und dann versuchen, zu den Olympischen Spielen 2016 zurückzukehren." Das sei eine "einfache Rechnung", sagte die Weltrekordhalterin.

"Neun Monate ein Baby im Bauch, dann noch mal neun Monate stillen - das macht 18 Monate. Also kann ich in Rio dabei sein."

Ein endgültiger Rücktritt sei für sie nur ein Thema, wenn sie nach ihrer Schwangerschaft Probleme haben sollte, ihr altes sportliches Niveau wiederzufinden.

"Wichtigster Erfolg meiner Karriere"

Issinbajewa hatte im Vorfeld der Leichtathletik-WM immer wieder Spekulationen über einen definitiven Abschied vom Leistungssport genährt.

Ihren WM-Titel in Moskau bezeichnete sie am Abend trotz zwei Olympiasiegen und insgesamt 30 Weltrekordsprüngen als "wichtigsten Erfolg meiner Karriere. Das war mein Heim-Stadion, meine Heim-WM. Jeder stand hier heute hinter mir, das habe ich gespürt. Das gab mir viel Energie", sagte Issinbajewa.

Spiegelburg und der Treppchen-Fluch

Silber ging an Olympiasiegerin Jennifer Suhr (4,82), Bronze hatte zuvor die Kubanerin Yarisley Silva mit ihrem letzten Versuch über 4,82 m Spiegelburg (4,75) entrissen.

Im vergangenen Jahr in London hatte Spiegelburg mit verquollenen Augen vor sich hingestammelt "wieder Vierte, ich werde immer Vierte", nun kamen ihr erneut die Tränen.

Allerdings sah die 27-Jährige ein: "Ich kann mir nichts vorwerfen, das einzige ist: Ich hätte ruhiger bei 4,82 Metern sein müssen. Da war ich vielleicht ein bisschen hibbelig."

Der Tragik des erneuten Scheiterns nach Platz vier bei der Hallen-WM, Olympia und der EM im vergangenen Jahr, war ihr allerdings bewusst: "Ich muss jetzt abschalten und einfach nur raus hier."

Einbruch trotz Tabu

Vor den Weltmeisterschaften hatte Spiegelburg gar nicht mehr über ihre "Blech"-Dramen reden wollen, "das letzte Jahr ist ein Tabu-Thema", hatte sie gesagt.

Doch die Erinnerungen kehrten zurück, als noch vier Springerinnen übrig geblieben waren.

Spiegelburg hatte bis dato einen blitzsauberen Wettkampf gezeigt und keinen ihrer Versuche gerissen. An ihrem eigenen deutschen Rekord von 4,82 m scheiterte sie jedoch deutlich.

Die weiteren deutschen im Finale, Lisa Ryzih (4, 55) und Kristina Gadschiew (4,45) landeten auf den Plätzen acht und zehn. Caroline Hingst war in der Qualifikation ausgeschieden.

Issinbajewa wie zu Glanzzeiten

Den gewaltigen Druck, den eine ganze Nation ausgeübt hatte, bewältigte dagegen Jelena Issinbajewa wie zu ihren besten Zeiten. Selbstbewusst war sie als Letzte bei 4,65 m in den Wettbewerb eingestiegen.

Es ist noch gar nicht lange her, da schmunzelte das Glamour Girl der Leichtathletik, das insgesamt 30 Weltrekorde aufgestellt hat, über solch eine Höhe, diesmal riss sie im ersten Versuch.

Die Zuschauer hielten den Atem. Im zweiten Anlauf meisterte sie ihre Einstiegshöhe - und endlich reagierte das Publikum, wie es sich Issinbajewa gewünscht hatte.

Putin-Bitte zeigt Wirkung

"Unterstützen Sie mich. Schreien Sie. Springen Sie von den Sitzen auf. Drücken Sie mir die Daumen", hatte sie gefordert und versprochen: "Den Rest mache ich."

Dabei hatte die zweimalige Welt- und Olympiasiegerin zu einem Start bei ihrer Heim-WM überredet werden müssen, wie es heißt sogar von höchster Stelle.

Staatschef Wladimir Putin, schon immer glühender Verehrer der ehemaligen Kunstturnerin, brachte Issinbajewa angeblich dazu, ihren Baby-Wunsch zu verschieben.

Die Kuss-Hände fliegen

"Ich will heiraten und Kinder haben", hatte sie gesagt, relativierte ihre Aussage aber jetzt: "Ich bin ein Mensch, der seine Meinung sehr oft ändert, ein richtiger Zwilling."

Im Auftrag Putins schuftete Issinbajewa im Training, knüpfte an ihre goldenen Zeiten an und warf ihre berühmten Kuss-Hände ins Publikum.

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