Raphael Holzdeppe gewann in London 2012 die Bronzemedaille © getty

Bei SPORT1 spricht der Stabhochsprung-Weltmeister über seine lange Partynacht und den Vorteil gegenüber Dominator Lavillenie

Von Martina Farmbauer

München - Raphael Holzdeppe galt schon als Überflieger, als er mit 18 Junioren-Weltmeister und Achter bei den Olympischen Spielen wurde.

Doch dann ging es doch nicht so schnell weiter mit den Erfolgen, wie die Öffentlichkeit erwartet und Holzdeppe sich das vielleicht gewünscht hätte. Er brauchte Zeit, um sich an die plötzliche Aufmerksamkeit zu gewöhnen.

Diesmal, sagt er im SPORT1-Interview, sei er vorbereitet auf all das, was nach dem bisher größten Erfolg seiner Karriere, der Goldmedaille bei den Weltmeisterschaften in Moskau, auf ihn einstürzt. ( 758987 DIASHOW: Die Bilder der Leichtathletik-WM )

SPORT1: Herr Holzdeppe, Gratulation zum WM-Titel! Sind sie nach ihrem Triumph schon wieder fit? Sie haben doch sicher kräftig gefeiert...

Raphael Holzdeppe: Es geht. Wir haben ganz gut gefeiert heute Nacht. Die Nacht war dann auch relativ kurz.

SPORT1: Und heute haben Sie einen Medienmarathon hinter sich.

Holzdeppe: Ja, der Tag war von A bis Z verplant. Zum Abschluss noch die Siegerehrung - das war natürlich das Highlight, die Medaille zu bekommen. (SERVICE: Der Zeitplan der WM)

SPORT1: Sie haben Renaud Lavillenie im Juni zum ersten Mal geschlagen. Haben Sie auch gedacht, dass Sie ihn bei der Weltmeisterschaft würden schlagen können?

Holzdeppe: Ich wusste, dass es schwer werden würde. Aber für unmöglich habe ich es nicht gehalten. In dem Moment habe ich nur versucht, mein Bestes zu geben und mich nur auf mich selbst konzentriert. Ich glaube, dass war es, was am Ende den Ausschlag gegeben hat.

SPORT1: Lavillenie ist ja dafür bekannt, dass er doch immer noch einen raushauen kann. Sie konnten sich bis zum Schluss nicht sicher sein, ob es reichen würde.

Holzdeppe: Genau. Er ist ja drei- oder viermal 5,95 Meter gesprungen. Dementsprechend war die Wahrscheinlichkeit da, dass er im dritten Versuch über 5,96 Meter doch noch drüberspringt. Aber ich habe es wirklich gut geschafft, ihn unter Druck zu setzen. Man hat es an seinem Gesichtsausdruck und an seiner Gestik auch gemerkt. Deshalb war es perfekt für mich, dass ich genau vor ihm in der Liste gestanden habe und immer vorlegen konnte.

SPORT1: Was ist dann in Ihnen vorgegangen, als Ihr Sieg festastand?

Holzdeppe: Das war natürlich super. In dem Moment bin ich einfach losgerannt. Nachdem er gerissen hat, wusste ich, ich habe gewonnen. Davor war es: Entweder ich gewinne das Ding oder ich krieg' jetzt Silber. Und als es Gold wurde, habe ich mich natürlich nur noch gefreut.

SPORT1: Die französischen Medien haben Lavillenie schon vor dem Wettkampf als Sieger gefeiert. Wie war Ihre Vorbereitung?

Holzdeppe: Ich war viel unterwegs dieses Jahr, habe viele Wettkämpfe gemacht und war froh, nochmal zweieinhalb Wochen zu Hause in München zu sein. Und wir haben ganz normales, nicht speziell auf die WM ausgerichtetes Training gemacht. Training, wie wir immer trainieren. Aber einfach mal konstant durchziehen zu können, hat nochmal extrem geholfen. Ich habe mich komplett regeneriert, auch weil der ganze Reisestress irgendwann an den Kräften zehrt.

SPORT1: Sie sind ja im Winter von Ihrem langjährigen Trainer Andrei Tivontchik in Zweibrücken nach München zur Chauncey Johnson gewechselt. Welche Rolle hat das gespielt?

Holzdeppe: Es war natürlich nicht abzusehen, dass dieses Jahr so erfolgreich wird. Wir haben gesagt, wir versuchen unser Bestes, damit wir es zur Sommersaison hinbekommen. Man muss sich verstehen lernen mit einem Trainer, muss lernen, wie tickt der, und er muss lernen wie ich ticke. Und dementsprechend haben wir gesagt, es kann in diesem Jahr schon gut werden. Aber wir wollen für die Zukunft planen. Dass es dieses Jahr so überragend gut läuft, zeigt mir, dass es der richtige Weg gewesen ist, nach München zu gehen.

SPORT1: Also ist die Zukunft etwas früher gekommen, als Sie gedacht haben.

Holzdeppe: Wir wussten, es kann eine gute Saison werden, wenn ich mich nicht verletze. Aber es ist immer schwierig, sich auf eine andere Person einzustellen. Das hat in der Hallensaison noch nicht funktioniert, da waren wir in der Findungsphase. Danach wussten wir: So müssen wir die Sachen anstellen. In der Sommersaison ist es dann super gelaufen. Und das ist quasi das Ergebnis.

SPORT1: Nicht nur der Trainer ist neu, sondern auch die Trainingsgruppe mit Malte Mohr und Fabian Schulze. Es heißt, Sie würden nicht immer zusammen trainieren, denn anders als die Zehnkämpfer beispielsweise sind die Hochspringer keine Kumpels. Welches Verhältnis haben haben Sie zueinander?

Holzdeppe: Wir verstehen uns alle, ich muss nur nicht mit jedem Athleten, mit jedem anderen Stabhochspringer bester Freund sein. Wir sitzen, wenn wir bei einem Wettkampf sind, abends zusammen am Tisch, wir verreisen auch viel miteinander. Da lernt man sich auch noch besser kennen. Es gibt kaum jemanden, bei dem ich sagen würde, mit dem komme ich gar nicht zurecht. Aber man muss unterscheiden zwischen: Man versteht sich oder man ist wirklich befreundet.

SPORT1: Sie haben gesagt, Stabhochspringen hat sich für Sie von einem Hobby zum Beruf entwickelt.

Holzdeppe: Das war, als ich Abitur gemacht habe, denn mit Stabhochsprung verdiene ich jetzt mein Geld. Und das war auch eine Umstellung vom Kopf her, ob man eine Sportart als Hobby betreibt, so nebenbei, oder ob man sein ganzes Leben auf diese Sportart ausrichtet. Das hat eine Weile gedauert, bis sich das bei mir festgesetzt hat. Das ist mein Beruf, das ist ein geiler Beruf und es war immer mein Traum, mein Hobby zum Beruf machen kann.

SPORT1: Diesen Traum haben Sie sich erfüllt. Experten trauen Ihnen sogar den Sieg bei den Olympischen Spielen zu. Ist das auch Ihr nächstes Ziel?

Holzdeppe: Mein nächstes Ziel ist erst einmal die Europameisterschaft nächstes Jahr und dann die Weltmeisterschaft 2015 in Peking. Ich plane immer von Jahr zu Jahr. Aber klar, im vergangenen Jahr bin ich bei Olympia Dritter geworden, jetzt Weltmeister, da schaut man natürlich voraus auf Rio und hofft dann auch, dort vorne landen zu können.

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