Jelena Issinbajewa ist die erste Frau, die eine Höhe von fünf Metern übersprang © getty

Bei der Heim-WM will sich Stabhochsprung-Superstar Issinbajewa mit dem dritten WM-Titel erneut die Krone aufsetzen.

Moskau - Jelena Issinbajewa steht im Mittelpunkt, und es gefällt ihr.

Sie genießt die Aufmerksamkeit. Wo immer der Stabhochsprung-Star in diesen Tagen auftritt, sind sofort Fans, Reporter, Sponsoren und Funktionäre zur Stelle.

Und immer knipst Russlands Volksheldin dann ihr strahlendstes Lächeln an.

Hohe Erwartungshaltung

Danny Ecker, deutscher Hallen-Rekordhalter mit übersprungenen 6,00 m und dreimaliger Olympia-Teilnehmer, sagt im Gespräch mit SPORT1: "Es ist eine Ehre, wenn ein ganzer Staat Interesse daran hat, dass man bei den Weltmeisterschaften startet."

Und der enorme Druck, den sie aushalten muss, scheint sie nicht zu belasten. Das ganze Land schaut auf sein Glamour-Girl und erwartet bei der Heim-WM der Leichtathleten den Titel von ihr. (SERVICE: Der Zeitplan der WM)

Doch die Konkurrenz ist groß. Auch die Deutsche Silke Spiegelburg will unbedingt eine Medaille.

Issinbajewa hofft auf Unterstützung

"Ich hoffe, dass mich die Fans unterstützen und pushen werden. Allerdings können sie nur für mich jubeln", sagte die mittlerweile 31 Jahre alte Issinbajewa vor dem Finale (Dienstag, 17.35 Uhr): "Aber alles andere muss ich erledigen."

Das Finale von Moskau soll der emotionale Höhepunkt ihrer ohnehin glanzvollen Karriere werden.

Mit ihrem dritten WM-Gold würde sich Issinbajewa erneut die Krone aufsetzen.

Keine Favoritin auf den Titel

Doch trotz ihrer 28 aufgestellten Weltrekorde geht die zweimalige Olympiasiegerin nicht als Favoritin ins Finale.

Schon seit fünf Jahren - ihrem Olympia-Gold von Peking - konnte die Grande Dame des Stabhochsprungs keinen großen Freiluft-Titel mehr gewinnen.

Ecker glaubt zwar, dass es schwer für sie ist, sagt aber bei SPORT1 auch: "Ich glaube nicht, dass sie in einer schlechten Verfassung aufkreuzt."

Weltmeisterin Fabiana Murer aus Brasilien, die kubanische Weltjahresbeste Yarisley Silva (4,90 m) und Olympiasiegerin Jennifer Suhr aus den USA werden höher gehandelt als die Hoffnung des 140-Millionen-Einwohner-Landes.

Zudem schielt auch Spiegelburg nach ihrem vierten Platz von London und jeder Menge Tränen nach Edelmetall: "Aber ich will mich nicht zu sehr unter Druck setzen."

Bubka drückt die Daumen

Für Stabhochsprung-Legende Sergej Bubka zählt alles was war nicht mehr im Finale. Der Ukrainer und Vizepräsident des Weltverbandes IAAF gilt als Issinbajewas Mentor und hofft auf ihren Triumph.

Natürlich auch, damit von der WM ein ergreifendes Rührstück erzählt werden kann.

"Das könnte der Höhepunkt ihrer Karriere werden", sagt der 49-Jährige, "vor den heimischen Fans bei einer WM zu springen, ist wunderbar. Das gibt zusätzlichen Mut. Ich glaube, sie ist positiv, glücklich und bereit."

Karriereende verschoben

Eigentlich sollte Moskau der Beginn von Issinbajewas Abschiedstournee werden.

Sie ist im Herbst ihrer Karriere angekommen und sehnt sich nach Ruhe, wollte nach der Saison ihre Laufbahn eigentlich beenden.

"Ich will heiraten und Kinder haben", hatte sie gesagt, relativierte ihre Aussage aber jetzt: "Ich bin ein Mensch, der seine Meinung sehr oft ändert, ein richtiger Zwilling."

Sponsor macht sie reich

Wegen des Geldes springt Issinbajewa, die als bisher einzige Frau im Freien die magische Fünf-Meter-Marke knackte, aber inzwischen den Hallen-Weltrekord an Jennifer Stuhr (5,02 m) verlor, jedenfalls schon lange nicht mehr.

Sie ist längst in der Welt der Schönen und Reichen angekommen, lebte lange im Steuerparadies Monte Carlo.

Der Chinese Li Ning machte Issinbajewa zum Millionen-Dollar-Baby, überwies ihr als Sponsor in den vergangen fünf Jahren rund sieben Millionen Dollar - plus Prämien.

Das bekommt nicht einmal Super-Sprinter Usain Bolt von seinem Ausrüster.

Issinbajewa gibt zurück

Doch Issinbajewa hat trotz ihres Auftiegs aus ärmlichen Verhältnissen die Sorgen der Menschen in ihrer Heimat nicht vergessen.

Vor vier Jahren gründete sie eine Stiftung für Waisenkinder.

"Ich will eine gute Fee sein", sagt sie, "wie mit einem Zauberstab" wolle sie deren Wünsche erfüllen.

Am Dienstag hofft Russland, dass sich Issinbajewas Wunsch erfüllt - Gold in Moskau.

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