Christina Schwanitz (Kugelstoßen, 29 Jahre, LV 90 Erzgebirge). In Deutschland ist die Dresdnerin sowieso konkurrenzlos ? international ist bei der WM 2013 in Moskau nur die Neuseeländerin Valeria Adams besser.  Der Hallen-EM-Titel gehört Schwanitz in diesem Jahr bereits. 2014 ist sie bisher die einzige Europäerin, der ein Stoß über die 20-Meter-Marke gelingt
Christina Schwanitz schnappte sich im letzten Versuch noch WM-Silber © getty

Christina Schwanitz stößt bei der WM in Moskau im Finale persönliche Bestmarke und schiebt sich direkt hinter die Dominatorin.

Moskau - Kugelstoßerin Christina Schwanitz wähnte sich im Moment des höchsten Glücks wie im Himmel. "Ich hatte das Gefühl, man fliegt durch das Stadion", sagte die 103 Kilogramm schwere Leichtathletin des LV 90 Erzgebirge nach dem Gewinn von WM-Silber in Moskau.

Mit einem unglaublichen Kraftakt im letzten Versuch hatte sie die Chinesin Gong Lijiao (19,95 Meter) noch mit 20,41 Meter vom zweiten Platz gestoßen.

Schwanitz lag vor dem letzten Versuch nur auf Platz fünf. "Alles oder Nichts. Ich wusste, dass noch mehr geht. Das Training hat es gezeigt", sagte die 27-Jährige.

Adams triumphiert und übertrumpft Kumbernuss

Nach 2007, 2009 und 2011 gewann die Neuseeländerin Valerie Adams mit 20,88 Metern unangefochten ihren vierten WM-Titel. Damit übertrumpfte die Olympiasiegerin die Deutsche Astrid Kumbernuss, die von 1995 bis 1999 dreimal Weltmeisterin geworden war.

Schwanitz grämt das nicht, sie weiß: "Valerie ist für das Kugelstoßen geboren." Die letzte deutsche WM-Medaille hatte 2009 in Berlin Nadine Kleinert als Zweite gewonnen. (SERVICE: Der Zeitplan der WM)

"Fünf Millionen Steine"

"Unglaublich, dass mir das im letzten Versuch noch gelungen ist", meinte die fast freudentrunkene Hallen-Europameisterin Schwanitz nach der Steigerung ihrer Bestleistung um 21 Zentimeter.

"Ich habe mich so wohl beim letzten Stoß gefühlt, das war ein hammer Gefühl", sagte Schwanitz: "Da sind mir fünf Millionen Kilo Steine vom Herzen gefallen."

Zweimal übertraf sie in diesem Jahr die 20-Meter-Marke und kämpfte sich mit 20,20 Meter an die dritte Stelle der Weltbestenliste. Und nun der kraftvolle Stoß in Moskau, der noch mal 21 Zentimeter weiter ging.

Schwanitz nervenstark

"Ich habe in der Vergangenheit oft noch im letzten Versuch Wettkämpfe gedreht und nun gezeigt, dass ich es immer noch kann", sagte Schwanitz, die nach dem Aufleuchten der Weite von 20,44 Meter einen Freudentanz vollführte.

Ganz ausgelassen feiern kann sie nun am 21. September ihre Hochzeit mit Freund Torsten. "Da werden die Glocken silberner klingen", meinte sie. Ein Grund für ihr auch in solchen Extremsituationen stabiles Nervenkostüm ist die Zusammenarbeit mit der Psychologin Grit Reimann.

Diese betrieb nach den Blackouts bei der WM 2011 in Daegu/Südkorea und 2012 bei der Hallen-WM Ursachenforschung. "Ich war bei großen Wettkämpfen so aufgeregt und blockiert", berichtete die gebürtige Dresdnerin. "Jetzt macht mir der Leistungssport großen Spaß und er ist nicht länger eine Pflichtveranstaltung für mich."

Harting brennt auf Einsatz

Durch Robert Harting liegt am Dienstag weiteres deutsches Edelmetall in der Luft, nachdem zuvor schon Zehnkämpfer Michael Schrader Silber gewonnen hatte.

"Ich kann kaum erwarten, dass es richtig losgeht", meinte der Diskus-Olympiasieger, der auf den dritten WM-Titel in Serie hofft. Eine Außenseiterchance hat Martin Wierig, der Harting dieses Jahr erstmals hatte schlagen konnte.

"Endlich eine Medaille" will Stabhochspringerin Silke Spiegelburg nach vier vierten Plätzen im Kampf um Medaillen, zuletzt 2012 bei Olympia. Kein Edelmetall ist durch die Siebenkämpferinnen zu erwarten. Julia Mächtig war 22. bei Halbzeit (3531 Punkte), Claudia Rath Achte (3733).

Ohuruogu siegt im Foto-Finish

Im 400-m-Lauf der Frauen rang die britische Olympiasiegerin Christina Ohuruogu (Großbriannien) bei Zeitgleichheit in 49,41 Ex-Weltmeisterin Amante Montsho (Botswana) nieder.

Über 110 m Hürden triumpierte David Oliver in Jahres-Weltbestzeit von 13,00 Sekunden beim US-Doppelsieg vor Ryan Wilson.

Hammerwurf-Gold holte überraschend der Pole Pawel Fajdek mit Jahres-Weltbestleistung von 81,97 m.

Uliczka und Harting raus

Auf der Strecke geblieben sind in Runde eins bisher zehn der 29 gestarteten Deutschen.

Am Montag traf es Steffen Uliczka als Siebten über 3000 m Hindernis und den im Diskuswurf um einen Platz am Finalvorstoß gescheiterte Christoph Harting, jüngerer Bruder des Olympiasiegers.

Zudem musste Silvio Schirrmeister, deutscher Meister über 400 m Hürden, wegen Verdachts auf Muskelfaserriss vor dem Vorlauf passen.

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