Michael Schrader überbot erstmals 2008 mit 8194 Punkten die 8000-Punkte-Marke © getty

Nach seinem WM-Coup sieht sich der Zehnkämpfer mit einem kuriosen Problem konfrontiert. Busemann adelt, ein WG-Kumpel hilft.

Moskau - Michael Schrader hat Großes geleistet, doch nach seinem historischen Silber-Coup von Moskau (Bericht) fiel die geplante Fete mit WG-Kumpel Rico Freimuth aus:

"Wir wollten eine schöne Flasche Wodka trinken. Doch als wir aus dem Stadion raus waren, wurde in den Läden kein Alkohol mehr verkauft", berichtete Schrader von den gebremsten Feierlichkeiten.

Nur "ein Bierchen" habe er getrunken. Das wird sich wohl nächste Woche ändern. Dann fahren die beiden gemeinsam in den Türkei-Urlaub, um es in Kemer richtig krachen zu lassen.

Das hat sich der 26-Jährige auch mehr als verdient. ( 758987 DIASHOW: Die Bilder der WM )

Vier Seuchenjahren zum Trotz

Wie aus dem Nichts ließ es Schrader bei der WM in Moskau krachen, holte sich nach einem überragenden Wettkampf und der Steigerung auf 8670 Punkte Silber hinter Ashton Eaton.

Der Olympiasieger aus den USA war mit 8809 Punkten nicht zu schlagen. Dritter wurde Damian Warner aus Kanada (8512).

Dabei galt Schrader nach vier Seuchenjahren mit ständigen Verletzungen eigentlich schon als gescheitert. (SERVICE: Der Zeitplan der WM)

Busemann zieht den Hut

"Er trainierte, um sich zu verletzen. Es war zum Verrücktwerden", schrieb Frank Busemann, der bis zum Comeback Schraders als bisher letzter Deutscher mit Bronze 1997 eine WM-Medaille im Zehnkampf gewonnen hatte, in seiner Kolumne bei "sportschau.de": "Wer hält das aus? Ein Irrer? Ein Fanatiker? Schrader."

Busemann zeigte sich tief beeindruckt von dessen Vorstellung:

"Disziplin für Disziplin hat er Qualitäten präsentiert, die Siegertypen mitbringen: Unter Druck funktionieren. Wenn es eng wird, kontern. Wenn es wehtut, Zähne zusammenbeißen. Wenn die Gegner aufdrehen, den Turbo zünden. Das macht die anderen fertig."

Sebrle sieht glänzende Zukunft

Auch Ex-Weltrekordler Roman Sebrle bescheinigt Schrader eine glänzende Zukunft.

"Er ist fantastisch und hat noch Luft nach oben. Wenn Michael verletzungsfrei bleibt, kann er ein ernster Herausforderer von Eaton werden", sagte der Tscheche, der 2001 als erster Zehnkämpfer die magische 9000-Punkte-Marke knackte.

Das nächste Ziel müsse ein Titel sein.

Platz sechs in der Bestenliste

Und der Hochgelobte ist nach all den Jahren, in denen er nicht zeigen konnte, was er drauf hat, in denen er zum Zuschauen verdammt war, hungrig auf mehr.

"Ich bleibe gierig und will weiter nach oben. Jeder will der Beste sein", sagte der Sportsoldat.

Mit seiner Leistung von Moskau hat sich Schrader auf Platz sechs der ewigen deutschen Bestenliste vorgearbeitet.

Immer wieder Verletzungen

Schrader galt schon immer als großes Talent - aber eben auch als verletzungsanfällig.

2009 sorgte er im Alter von nur 21 Jahren mit 8522 Punkten bei seinem Sieg in Götzis für Aufsehen, wurde danach durch langwierige Fußverletzungen aber immer wieder zurückgeworfen. Vier Jahre brachte er keinen Zehnkampf zu Ende. Eine dunkle Zeit für den Modellathleten.

"Aber ich liebe den Zehnkampf, Aufgeben kam nie infrage", sagte Schrader, "meine Freunde und Familie haben mich in dieser Zeit am Leben gehalten."

WG mit Kumpel Freimuth

Die Wende kam mit einem Umzug. Seit Dezember trainiert Schrader mit Freimuth in Halle/Saale, gemeinsam wohnen sie in einer WG.

Seitdem trainiert er auch nicht mehr bei Ex-Weltmeister Torsten Voss, dem "ich aber alles zu verdanken habe", so Schrader. Sein Kumpel Freimuth richtete ihn immer wieder auf, spendete Trost, motivierte ihn in schwierigen Zeiten.

"Ich liebe ihn, er ist wie ein Bruder für mich", sagte Freimuth, der in Moskau Siebter wurde: "Es gibt keinen, der es mehr verdient hätte."

Freundin Carola bleibt daheim

Für den Erfolg hat Schrader sogar seine Freundin Carola in seiner Heimatstadt Duisburg zurückgelassen.

"Natürlich hat ihr das nicht gefallen, aber da muss sie durch", sagte er. Die Fußprobleme ließ er bei Bayerns Münchens Vereinsarzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt erfolgreich behandeln.

Endlich konnte Schrader in Moskau zeigen, was er drauf hat. Und sein Märchen soll noch lange nicht zu Ende sein.

Rio 2016 im Visier

"Olympia in Rio 2016 habe ich fest im Blick", sagte er.

Dann gibt es eben statt Wodka einen Caipirinha an der Copacabana.

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