Usain Bolt hält mit 9,58 Sekunden den Weltrekord über 100 Meter © getty

Trotz seines 100-m-Triumphs steht der Sprint-Star mehr denn je unter Druck. Nicht bloß der Doping-Generalverdacht belastet.

Moskau - Da saß er nun, der schnellste Mann der Welt, und wollte wieder lustig sein. Natürlich könne er sich noch immer eine Fußball-Karriere vorstellen, sagte Usain Bolt, am liebsten bei Manchester United.

Seinen WM-Sieg über 100 m (Bericht) widme er dem englischen Rekordmeister aber nicht, "die widmen ihre Siege ja auch nicht mir".

Ach ja, Silbermedaillengewinner Justin Gatlin sollte auf gar keinen Fall Fußball spielen. Das war es dann schon mit der ersten Auflage der Bolt-Show.

Der Superstar aus Jamaikaner war schon lockerer gewesen - und auch schneller. (SERVICE: Der Zeitplan der WM)

Schwächste Zeit im Regen

Mit 9,77 Sekunden - seiner schwächsten Zeit in 100-m-Finals bei Großereignissen - gewann Bolt im strömenden Regen von Moskau zwar seinen Titel im Sprint-Klassiker zurück.

Die Zweifel nach den jüngsten Dopingfällen an der einst schillerndsten Disziplin der Leichtathletik besiegte er nicht.

Das Gewitter über Moskau, die halbleeren Ränge im Luschniki-Stadion und ein Weltrekordler, der den Sieg für seine Verhältnisse zurückhaltend, fast schüchtern feierte: Der großen Gala der Leichtathletik fehlte gewohnter Glanz.

Kein Event der Superlative

Dabei hatten alle so sehr darauf gehofft, dass Bolts Goldlauf die dunklen Wolken nach den Dopingskandalen der Super-Sprinter Tyson Gay (USA), Asafa Powell, Veronica Campbell-Brown und Sherone Simpson (alle Jamaika) vertreiben würde.

Weltverbands-Präsident Lamine Diack hatte ein "wahres Highlight vor 80.000 Zuschauern" angekündigt - und sich gewaltig geirrt.

Die Sponsoren, die mit den 100 m und ihrer Show der aufgepumpten Stars stets das meiste Geld gemacht hatten, plakatierten sich aggressiv durch den Moskauer Großraum.

Doping: Generalverdacht belastet

Auch sie werden enttäuscht sein bei den Bildern, die das Finale schließlich lieferte.

Immerhin bekamen die Fans den "richtigen" Sieger zu sehen, auch wenn Bolt nicht in Hochform war.

Der Erwartungsdruck und der Generalverdacht unter dem er selbst mitsamt seiner Sportart leidet, setzt ihm sichtlich zu.

Druck beträchtlich gestiegen

"Das lädt mir noch mehr Druck auf. Ich weiß, dass ich mich selbst stark pushen muss", sagte er.

Bolt ist zwar erst 26 Jahre alt, aber schon seit fünf Jahren der Heilsbringer der Leichtathletik.

2008 löschte er in Peking das Feuer, das die amerikanischen Betrüger Marion Jones und Tim Montgomery mit ihrem Dopingskandal gelegt hatten, immer wieder erstickten seine Rekorde und Triumphe auflodernde Diskussionen im Keim.

Eisbäder gegen Müdigkeit

Bolt weiß um diese Verantwortung für seinen Sport - und er stellt sich.

Nachdem er den Amerikaner Justin Gatlin (9,85) und seinen Landsmann Nesta Carter (9,95) bezwungen hatte, gestand er sich und der Welt ein, wie ausgelaugt er mittlerweile ist.

"Ich bin müde, ich brauche ein paar Tage Ruhe", sagte Bolt. Vielleicht ein paar Eisbäder, Massagen - mehr Entspannung darf er sich nicht gönnen, denn seine Mission in Moskau ist noch nicht vorüber.

Nun noch 200 m und Staffel

"Ich werde weiter daran arbeiten, mein Ziel zu erreichen: Durch weitere Goldmedaillen und den Titel 'Leichtathlet des Jahres' zu einer Legende zu werden", erklärte Bolt.

Bereits an der Moskwa kann er zum erfolgreichsten Medaillenhamster in der 30-jährigen Geschichte der globalen Titelkämpfe aufsteigen.

Am Samstag steht der Endlauf über 200 m an, am Sonntag greift Bolt mit der 4x100m-Staffel erneut nach Gold.

Carl Lewis' Rekord wackelt

Läuft alles nach Plan, stockt er sein Konto auf insgesamt zehn WM-Medaillen auf (8 Gold, 2 Silber) auf. Damit hätte er den großen US-Star Carl Lewis überholt.

Zum Maßstab setzt sich Bolt jedoch ganz andere Legenden. "Wenn ich aufhöre, will ich zu den Größten gehören. Jungs wie Michael Jordan, Pele, Muhammad Ali - zu ihnen will ich aufschließen."

In Moskau kann er ihren Dunstkreis erreichen, bei den Sommerspielen 2016 in Rio will er sein Werk mit dem dritten olympischen Triple in Serie vollenden.

"So viel chillen wie möglich"

Dafür muss er nach der WM Kraft tanken, Bolt will "so viel chillen wie möglich", um an der Copacabana nicht nur noch immer schnell, sondern auch wieder lustig zu sein.

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