MATTHIAS GINTER (ab 90.): Kommt für seinen verletzten Dortmunder Teamkollegen noch zu einem Kurzeinsatz. Ohne Bewertung
Robert Harting wurde in London 2012 Olympiasieger © getty

Deutschlands Top-Diskuswerfer sucht bei der WM die richtige Einstellung für das Finale. Platz zwei wäre eine Enttäuschung.

Moskau - Robert Harting sah müde aus. Der Wecker hatte ihn um 6.30 Uhr aufgeweckt - viel zu früh für den Diskus-Olympiasieger.

Umso zufriedener war Harting, dass er sich in der Qualifikation für das Finale am Dienstag (SERVICE: Der Zeitplan der WM) keine Blöße gab und mit nur einem Wurf den Anspruch auf sein drittes WM-Gold untermauerte.

Nach einer schnellen Drehung, einem kräftigen Abwurf und einer Weite von 66,62 Meter war der erste Auftritt des Diskus-Riesen bei der Leichtathletik-WM in Moskau schon beendet.

"Ich kann es kaum erwarten, dass es endlich richtig losgeht und ich arbeiten kann", sagte Harting, der mit seiner Vorstellung zufrieden war: "Für die Uhrzeit war nicht mehr drin. Im Finale muss ich dann noch frischer werden."

Frische fehlt

Seinen härtesten Rivalen von den Olympischen Spielen in London 2012 verlor er kampflos: Ehsan Hadadi aus Iran fehlte, er soll sich mit seinem Verband überworfen haben.

Den ersten Schlagabtausch am frühen Morgen gegen seinen Dauerrivalen Piotr Malachowski hatte Harting da schon einmal gewonnen. ( 758987 DIASHOW: Die Bilder der WM )

Der Weltjahresbeste aus Polen (71,84 Meter) kam nur auf 66 Meter.

Hartings Bruder scheidet aus

Auch Martin Wierig aus Magdeburg, der Harting 2013 bereits einmal schlagen konnte, steht nach seinen 64,06 Meterim Finale und darf sich leise Hoffnungen auf eine Medaille machen.

Hartings jüngerer Bruder Christoph scheiterte dagegen mit 62,28 Meter um 17 Zentimeter.

"Big Harting" dagegen verabschiedete sich schnell aus dem Luschniki-Stadion. "Jetzt geht es ab ins Hotel, kurz duschen und dann werden die Beine hochgelegt", kündigte der Titelverteidiger an - Kräfte sparen für das Finale.

Gleich wieder Kraft tanken

"Ich muss die richtige Mischung finden: Auf der einen Seite muss man Spannung aufbauen, aber man darf auch nicht überpacen, sagte der 28-Jährige. "Aber ich weiß ja, wie ich mich verhalten muss. Es ist ja nicht meine erste WM."

Bei den vergangenen beiden Titelkämpfen dominierte er die Konkurrenz. Und auch in Moskau will Harting unbedingt wieder Gold holen.

"Ich habe alle Titel: Olympiasieg. EM. WM. Die will ich behalten", sagte er: "An Platz zwei kann ich nicht denken. Da tut sich sofort ein schwarzes Loch auf."

"Kassette neu bespielen"

Doch ausgerechnet nach seinem Olympiasieg haben sich in seiner Technik kleine Fehler eingeschlichen. Einen Wurf über 70 Meter traut sich der "King im Ring" in Moskau nicht zu.

"Man muss sich das so vorstellen: Man hat eine Kassette mit einem Lied drauf. Und das Lied bekommt Qualitätsverlust, weil es schon 10.000 mal gespielt wurde. Also muss man schauen, dass man die Kassette neu bespielt, damit das Band wieder frisch ist", sagte Harting kürzlich im SPORT1-Interview (EXKLUSIV: Robert Harting im Interview).

Er hatte sich zuletzt in Kienbaum den Feinschliff geholt und war erst erst am Sonntag nach Russland gereist.

Ewiger Konkurrent Malachowski

"Wenn ich mich schon langweile, dann lieber zu Hause", sagte er und hofft, möglichst dicht an seine Jahresbestleistung von 69,91 Meter heranzukommen.

Als härtesten Konkurrenten für das Finale hat Harting seinen ewigen Rivalen Malachowski ausgemacht.

Der Pole schaffte als bisher Letzter das Kunststück, Harting bei einer großen Meisterschaft zu schlagen (EM 2010) und bezwang ihn auch 2013 mit Jahres-Weltbestleistung.

Auge auch auf Kanter

"Der ist richtig heiß", meinte Harting.

Aber auch Gerd Kanter aus Estland, Olympiasieger von Sydney 2000, hat der 2,01-Meter-Koloss auf der Rechnung.

Dann schnallte sich er seinen Rucksack auf den Rücken und machte sich auf den Weg zum Hotel - wach und frisch werden für das große Finale.

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