Michael Schrader überbot erstmals 2008 mit 8194 Punkten die 8000-Punkte-Marke © getty

Der deutsche Zehnkämpfer holt bei der WM in Moskau Silber. Dabei muss sich der 26-Jährige nur dem Olympiasieger geschlagen geben.

Moskau - Michael Schrader hat ein zweitägiges Leichtathletik-Märchen geschrieben und mit Silber in Moskau für die erste WM-Medaille eines deutschen Zehnkämpfers seit 16 Jahren gesorgt.

Der 26 Jahre alte Leverkusener steigerte seine Bestleistung nach einer ganz starken Vorstellung auf 8670 Punkte und musste sich nur Olympiasieger und Weltrekordler Ashton Eaton geschlagen geben. ( 758987 DIASHOW: Die Bilder der WM )

Der US-Amerikaner sicherte sich mit 8809 Punkten souverän sein erstes WM-Gold und krönte sich zum "König der Athleten" von Moskau.

Erste DLV-Medaille

Dritter wurde Damian Warner aus Kanada (8512). Zudem sorgte Schrader für die erste DLV-Medaille in Moskau.

Sein WG-Kumpel Rico Freimuth (Halle/Saale) sammelte 8382 Punkte und kam auf Rang sieben. Europameister Pascal Behrenbruch fand nie zu seiner Leistung und enttäuschte mit 8316 Punkten und Platz elf.

1997 hatte Frank Busemann zuletzt Bronze gewonnen, zehn Jahre zuvor holte Siegfried Wentz zuletzt Silber hinter DDR-Athlet Torsten Voss. (SERVICE: Der Zeitplan der WM)

Nach vielen Rückschlägen in den vergangenen Jahren schob sich Schrader durch seine Leistungsexplosion auf Rang sechs der ewigen deutschen Bestenliste. Seit 17 Jahren hat ein deutscher Mehrkämpfer nicht mehr eine solche Punktzahl erzielt.

Fünf Bestleistungen

Schrader stellte in Moskau sein großes Potenzial unter Beweis, ließ sich auch nach kleineren Rückschlägen nicht unterkriegen und lieferte unterm Strich einen überragenden Zehnkampf mit fünf neuen oder eingestellten persönlichen Bestleistungen ab. Doch Eaton war für ihn einfach nicht zu knacken.

Der 25-Jährige legte den drittbesten Wettkampf seiner Karriere hin und schaffte sogar in vier Disziplinen bessere Ergebnisse als bei seinem Weltrekord. Es war bereits der achte WM-Titel für die USA im Zehnkampf.

Behrenbruch enttäuscht

Behrenbruch enttäuschte nach Platz zehn bei Olympia in London erneut. Als Weltjahresbester war der Frankfurter mit hohen Erwartungen nach Russland gereist und lag nach dem ersten Tag auch auf Bronze-Kurs.

Doch die vollmundig angekündigte Aufholjagd, am zweiten Tag das Feld von hinten aufrollen zu wollen, ließ er keine Taten folgen. Da half auch die Unterstützung von Freundin Sina nichts.

Ende des Leidens

Für Schrader ging dagegen mit seinem Coup von Moskau eine fast vierjährige Leidenszeit zu Ende. Schon lange galt er als Supertalent. 2009 sorgte der Sportsoldat im Alter von nur 21 Jahren mit 8522 Punkten bei seinem Sieg in Götzis für Aufsehen, wurde danach durch langwierige Fußverletzungen aber immer wieder zurückgeworfen.

Jetzt löste er sein Versprechen von damals endlich ein. Ex-Weltrekordler Roman Sebrle bescheinigt ihm eine glänzende Zukunft. "Er ist fantastisch und hat noch Luft nach oben. Wenn Michael verletzungsfrei bleibt, kann er ein ernster Herausforderer von Eaton werden", sagte der Tscheche, der 2001 als erster Zehnkämpfer die magische 9000-Punkte-Marke knackte.

Schrader bewies in Moskau seine Kämpferqualitäten, rufte sein Niveau souverän ab und beeindruckte auch Busemann: "Er ist nervenstark, funktioniert unter Druck und hat einfach Lust auf Zehnkampf." Moskau lief für ihn wie im Märchen.

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