Usain Bolt hält den 100-Meter-Weltrekord mit 9,58 Sekunden © getty

Der Olympiasieger läuft im 100-Meter-Finale der WM Saisonbestzeit und nähert sich der historischen Marke Carl Lewis' an.

Moskau - Im strömenden Regen von Moskau fand Usain Bolt seine Leichtigkeit wieder.

Rhythmen von Jamaikas Reggae-Legende Bob Marley schallten aus den Boxen, und der König der Sprinter zeigte endlich seine weltbekannte Jubelgeste.

Nach einer Ehrenrunde durch das nur halbvolle Luschniki-Stadion verharrte Bolt auf der Ziellinie und schmiss sich in die "Blitz"-Pose, zum ersten Mal bei dieser Leichtathletik-WM brauste ohrenbetäubender Jubel auf - Bolt hatte sich seinen Weltmeistertitel über 100 m zurückerobert und für das erste Highlight der Titelkämpfe gesorgt.

Zwei Jahre nach seinem Fehlstart-Fiasko in Daegu ist der 26-Jährige zurück auf seinem Thron und auf dem besten Weg, sich noch in Moskau zum erfolgreichsten Leichtathleten der Geschichte zu krönen.

Widersacher Gatlin abgewehrt

Mit 9,77 Sekunden wehrte Bolt zuerst den Angriff seines schärfsten Widersachers Justin Gatlin aus den USA (9,85) ab und verwies Landsmann Nesta Carter (9,95) auf der nassen Bahn auf den Bronzerang.

Gänzlich zufrieden war der Meister indes nicht: "Ich bin schon glücklich, aber ich wollte es besser machen", sagte Bolt: "Meine Beine waren schwer nach dem Halbfinale. Der Weltrekord war heute nicht drin, deshalb ging es mir nur um den Sieg."

Die Bestmarke des Superstars steht seit der WM 2009 in Berlin bei 9,58.

Zwei Goldmedaillen bis zum Lewis-Rekord

Dem sechsmaligen Weltmeister fehlen nun nur noch zwei Titel, um Carl Lewis als fleißigsten Medaillensammler der WM-Geschichte abzulösen (SERVICE: Der Zeitplan der WM).

Beide Goldmedaillen sollen noch an der Moskwa folgen: Am kommenden Wochenenden startet Bolt als Top-Favorit über 200 m und mit der 4x100m-Staffel.

Nachdem Bolts ärgster Kontrahent Tyson Gay (USA) und der gar nicht erst nicht qualifierte Asafa Powell (Jamaika) im Vorfeld der WM positiv getestet worden waren und Titelverteidiger Yohan Blake (Jamaika) verletzt abgesagt hatte, geriet der Triumphzug auf der blauen Bahn des Olympiastadions von 1980 zu einer Pflichtübung.

Bolt hatte das Feld der übriggebliebenen Super-Sprinter im Griff.

Doping-Frage bleibt bestehen

Den Schatten, den die jüngsten Dopingfälle über seine Disziplin geworfen hatten, vermag jedoch auch er nicht zu vertreiben. Nachdem mittlerweile acht der schnellsten zehn Läufer der Leichtathletik-Geschichte des Dopings überführt worden sind, stellt sich bei jedem seiner blitzartigen Auftritte die Frage, warum ausgerechnet Weltrekordhalter Bolt sauber sein soll.

Der Publikumsliebling selbst hat sich trotz aller Diskussionen im Vorfeld der Titelkämpfe nicht beirren lassen, auch wenn ihn die Zweifel nachdenklich stimmten.

In Moskau verzichtete Bolt bei seinen Auftritten vor dem Endlauf weitestgehend auf die üblichen Faxen für die Fans, schwieg auf seinen Pressekonferenzen und fand erst in den Minuten vor dem Finale seinen Humor wieder.

Bolt scherzt vor dem Start

Als es anfing zu schütten, deutete Bolt noch im Startblock an, dass er gerne einen Regenschirm hätte. Da war er wieder, der Hoffnungsträger einer arg gebeutelten Disziplin, der Publikumsliebling, den Weltverbands-Präsident Lamine Diack nur zu gerne hofiert.

Bolt selbst hat allerdings ganz anderes im Sinn, denkt deutlich egoistischer als die hohen Herren der IAAF. "Wenn ich aufhöre, will ich zu den Größten gehören", sagte er: "Jungs wie Michael Jordan, Pele, Muhammad Ali - zu ihnen will ich aufschließen."

Dass er mit seinem Karriereende kokettiert, heißt allerdings nicht, dass Bolt in absehbarer Zeit die große Bühne frei machen wird.

Rio 2016 fest im Blick

Alle Hinterherläufer, zu denen auch die deutschen Julian Reus und Martin Keller zählen, die in den Vorläufen von Moskau bitter enttäuscht hatten, sollten sich keine Hoffnungen machen. Mindestens ein Schritt fehlt Bolt noch zur Unsterblichkeit.

Bei den Sommerspielen in Rio will er sein drittes olympisches Triple in Serie perfekt machen. Schon der Goldregen in Peking und London war einzigartig in der Sprint-Geschichte der Leichtathleten, doch Bolt hat seit je her die Grenzen des machbaren gesprengt.

Bis 2016 soll auch noch der ein oder andere Weltrekord fallen.

"Mein Fenster, um diese aufzustellen, wird kleiner. Aber das ist definitiv etwas, das ich im Hinterkopf habe", sagte Bolt. Über 100 m hat es noch nicht gereicht, die nächsten Chancen könnten am kommenden Wochenende über 200 m und mit der Staffel kommen.

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