Renaud Lavillenie übersprang 6,03 Meter
Renaud Lavillenie führt die Bestenliste vor dem deutschen Stabhochsprung-Trio an © getty

Kein "Krieg Deutschland gegen Frankreich", und doch ist Lavillenie der größte Konkurrent von Mohr, Holzdeppe und Otto.

Moskau - In diese Falle tappte Björn Otto nicht, dafür ist der Überflieger der deutschen Leichtathletik zu erfahren.

"Die französische Presse will für das Finale einen richtigen Krieg 'Deutschland gegen Frankreich' aufbauen. Aber im Endeffekt sind wir doch alles Einzelkämpfer", sagte Otto.

Im Finale um die Stabhochsprung-Medaillen bei der WM in Moskau heißt es am Montag (17 Uhr) für Otto nicht Deutschland gegen Renaud Lavillenie.

Seine Konkurrenten um Gold, Silber und Bronze heißen ebenso Raphael Holzdeppe und Malte Mohr und kommen aus dem eigenen Lager. ( 758987 DIASHOW: Die Bilder der Leichtathletik-WM )

Trio souverän ins Finale

Otto ist selbstbewusst genug, um sich auf die eigenen Stärken zu besinnen.

Der Olympiazweite von London ist in Top-Form nach Moskau gekommen und meisterte die Qualifikation im Luschniki-Stadion wie seine Kollegen Holzdeppe (Zweibrücken) und Mohr (Wattenscheid) problemlos.

"Hier ist keiner unschlagbar"

Außerdem hat er Lavillenie in diesem Jahr bereits geschlagen. Beim Meeting in Des Moines (USA) beendete Otto seine Niederlagen-Serie gegen den Olympiasieger aus Frankreich.

"Renaud ist keine Maschine. Dass er zu schlagen ist, haben wir schon bewiesen. Wenn wir ihn früh unter Druck setzen, ist er zu knacken", sagte Otto und Teamkollege Holzdeppe, in London mit Bronze dekoriert, ließ eine Kampfansage folgen: "Mein Minimalziel ist Platz drei und danach will ich vorne angreifen. Hier ist keiner unschlagbar."

Lavillenie schwer zu knacken

Bei den vergangenen Großereignissen war Lavillenie allerdings nicht zu bezwingen.

Da konnte Otto noch so hoch fliegen, der 1,76 m kleine Springfloh aus der Gemeinde Barbezieux-Saint-Hilaire hatte stets die bessere Antwort.

Bei der Hallen-WM in Istanbul, der EM in Helsinki und im Olympiastadion von London nahm Lavillenie Gold mit nach Hause - Otto blieb stets "nur" Silber.

In dieser Saison führt "Air France" die Bestenliste vor dem deutschen Trio an, die sechs höchsten Sprünge gehen allesamt auf sein Konto.

Franzose hat hohe Ansprüche

Auch für Stab-Legende Sergej Bubka ist der einzige Sechs-Meter-Springer dieses Jahres der Top-Favorit auf den Titel in Moskau.

"Lavillenie ist im Moment ein großartiger Anführer im Stabhochsprung. Er ist in dieser Saison bereits über 6,02 m gesprungen und hat sich an meinen Weltrekord getraut", erklärte Bubka.

Zwar scheiterte der 26-Jährige beim Diamond-League-Meeting in London an den 6,16 m, der Versuch allein zeigt jedoch seinen Anspruch.

"Ich habe ja bereits eine ganz nette Medaillen-Kollektion, die ich aber auf jeden Fall komplettieren möchte. Mein Ziel ist ganz klar Gold", sagte Lavillenie, der in Berlin und Daegu jeweils WM-Bronze gewonnen hatte.

"Nicht so schön wie sonst"

Seine Ausnahmestellung unterstrich er in der Qualifikation zum Finale.

Zwei Stunden wartete Lavillenie auf den ersten Sprung und stieg als letzter Athlet bei 5,65 m in den Wettkampf ein. Im zweiten Versuch meisterte er die Höhe, doch Otto ließ sich nicht beeindrucken.

"Seine Sprünge sahen nicht so schön aus wie sonst", sagte der Hobby-Pilot aus Köln, fügte allerdings sofort an: "Das muss bei ihm aber gar nichts heißen."

Und Lavillenie selbst sagt: "Vielleicht überrascht auch einer, mit dem niemand rechnet."

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