Usain Bolt gewann bei Olympia 2012 in London drei Goldmedaillen © getty

Sprint-Superstar Usain Bolt zieht mit angezogener Handbremse ins WM-Halbfinale ein - und verzichtet auf seine übliche Show.

Moskau - Reggae-Musik von Bob Marley dröhnte aus den Lautsprechern, die jamaikanischen Fans feierten auf der Tribüne ihren Helden - doch Usain Bolt spielte nicht mit.

Er verzichtete bei seinem mit Spannung erwarteten ersten Auftritt bei der Weltmeisterschaft in Moskau auf seine üblichen Faxen.

Der Sprint-Superstar aus der Karibik wirkte vor den Augen seiner Eltern Wellesly und Jennifer Bolt, die in kompletter Team-Montur auf der Tribüne des Luschniki-Stadions saßen und ihren Sohn anfeuerten, zurückhaltend und fast ernst.

Keine große Show

Nachdem der 26-Jährige in 10,07 Sekunden locker das Halbfinale am Sonntag (17.05 Uhr) erreicht hatte, zwinkerte er den Fans nur kurz zu und zeigte das Victory-Zeichen (SERVICE: Der Zeitplan der WM).

"Ich bin bereit", sollte das wohl heißen.

Die ganz große Show hob sich der Olympiasieger aber für das Finale auf. Deshalb wurde es im riesigen Luschniki-Stadion, das nicht annähernd ausverkauft war, auch trotz des Erscheinen des Sprint-Messias nicht richtig laut.

"Ich bin zufrieden mit dem Lauf und freue mich auf alles, was bei dieser WM noch passiert", sagte Bolt.

Keller und Reus enttäuschen

Ausgeschieden sind derweil die beiden deutschen Hoffnungsträger Martin Keller (Leipzig) und Julian Reus (Wattenscheid), die beim Vorbereitungs-Meeting in Weinheim mit Top-Zeiten den deutschen Rekord von Frank Emmelmann (10,08) in Gefahr gebracht hatten.

Keller enttäuschte in 10,32 Sekunden, Reus kam auf 10,27 Sekunden.

Bolts Rivale Justin Gatlin (USA) erreichte mit 9,99 Sekunden die Vorschlussrunde.

Kaum Konkurrenten für Bolt

Bei aller Faszination für den schnellsten Mann der Welt, der im Finale für das Highlight dieser Titelkämpfe sorgen soll:

Über den 100 Metern liegt ein Doping-Schatten, nachdem zuletzt Ex-Weltmeister Tyson Gay (USA) und Ex-Weltrekordler Asafa Powell (Jamaika) positiv getestet wurden.

Beide fehlen in Russland.

Bolt muss in Moskau praktisch keinen Gegner fürchten, weil auch sein Trainingspartner und Titelverteidiger Yohan Blake verletzungsbedingt nicht am Start ist.

Gatlin lästig für Bolt

Einzig Gatlin, dem überführten Doper und Olympiasieger von 2004, wird noch zugetraut, Bolt im Finale (Sonntag 19.50 Uhr) ein bisschen ärgern zu können.

Immerhin hat Gatlin Bolts Aufmerksamkeit: Der Superstar bezeichnete seinen Rivalen im Vorfeld der WM als "lästig".

Das ist aus dem Mund des Sprintkönigs fast schon ein verbaler Ritterschlag. Aber eigentlich kann er sich nur selber schlagen - wie 2011 beim Fehlstart-Drama.

"Den Fehlstart hatte ich im Kopf, er hat mich aber nicht beeinflusst. Ich habe diesen Fehler in Daegu gemacht, bin aber jetzt konzentriert", sagte Bolt.

Jordan, Pele, Ali - und Bolt?

Der Titel über 100 m in Moskau soll für Bolt erst der Anfang sein.

Er will immer mehr, plant sein viertes Gold-Triple nach Olympia 2008 und 2012 sowie der WM 2009 in Berlin auf den beiden Sprintstrecken und mit der 4x100m-Staffel.

Mit drei weiteren Goldmedaillen würde Bolt den legendären Carl Lewis (USA) als erfolgreichsten Medaillenhamster bei Weltmeisterschaften ablösen.

Lewis, während seiner Karriere übrigens positiv getestet aber nie gesperrt, hat insgesamt zehnmal WM-Edelmetall gewonnen (achtmal Gold, je einmal Silber und Bronze).

Bolt hat bisher sieben Medaillen im Tresor liegen (fünf aus Gold, zwei silberne).

"Wenn ich aufhöre, will ich zu den Größten gehören", sagte er unter der Woche: "Jungs wie Michael Jordan, Pele, Muhammad Ali - zu ihnen will ich aufschließen."

Das war auch ganz ernst gemeint.

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