Sosthene Moguenara (Weitsprung, 24 Jahre, TV Wattenscheid 01). Im Tschad geboren, tritt die frühere Sprinterin mittlerweile für Deutschland an. 2013 gelingt ihr mit 7,04 Metern einer der weltweit besten Sprünge in den vergangenen fünf Jahren ? was fehlt, ist die Konstanz. Bei der EM 2012 in Helsinki verpasst sie als Vierte eine Medaille nur äußerst knapp
Moguenara kam mit neun Jahren aus dem Tschad nach Essen © getty

Die DLV-Athletin flüchtet vor dem Bürgerkrieg aus dem Tschad. Seit 15 Jahren ist die Weitspringerin von ihren Eltern getrennt.

Moskau - Mit einem Sieben-Meter-Satz landete sie in der Weltspitze, gerade rechtzeitig zur Leichtathletik-WM in Moskau.

Dort verfolgt Weitspringerin Sosthene Moguenara, die im Samstagabend die Qualifikation im ersten Versuch mit 6,63 m meisterte, ein weiteres großes Ziel.

"Mein Traum ist es, dass mich meine Eltern im Fernsehen sehen, wie ich auf dem Treppchen stehe und eine Medaille bekomme. Meine Eltern wissen gar nicht, wie ich momentan aussehe", sagte die im Tschad geborene Wattenscheiderin der "Bild".

Mit neun Jahren nach Essen

Mit neun Jahren kam Moguenara zu ihrer Tante nach Essen und blieb dort, weil in der Heimat der Bürgerkrieg ausgebrochen war.

Seit fast 15 Jahren hat Moguenara ihre Eltern nicht mehr gesehen.

"Wir haben zwar Kontakt. Aber mein Vater möchte nicht, dass ich ihn besuche, weil es zu gefährlich ist", sagte die 23-Jährige, die seit dem Meeting in Weinheim zu den Medaillenkandidatinnen des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) zählt.

Platz zwei der Weltjahresbestenliste

7,04 m sprang Moguenara beim Vorbereitungswettkampf auf den Saisonhöhepunkt und damit auf Platz zwei der Weltjahresbestenliste.

"Das war einfach ein ganz unglaubliches Gefühl - so als würde ich tatsächlich fliegen und nicht mehr runterkommen. Das war einfach der viel zitierte perfekte Sprung", sagte Moguenara der Fachzeitschrift "Leichtathletik".

Weiter als Moguenara ist in diesem Jahr bislang nur die Amerikanerin Brittney Reese (7,25) gesprungen.

"Keinen unnötigen Druck"

"Das gibt mir natürlich eine Menge Selbstvertrauen. Aber ich muss diese Leistung erst einmal bestätigen. Darum mache ich mir jetzt auch keinen unnötigen Druck", sagte sie: "Ich versuche, locker zu bleiben, und konzentriere mich darauf, ins Finale zu kommen. An dieser Zielsetzung hat auch mein erster Sieben-Meter-Sprung nichts geändert."

Neben Moguenara, der ersten deutschen Sieben-Meter-Springerin nach der zweimaligen Olympiasiegerin Heike Drechsler, gehen U20-Europameisterin Malaika Mihambo (Kurpfalz) und U23-Europameisterin Lena Markus (Münster) im Luschniki-Stadion an den Start. Das Finale findet am Sonntag statt.

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