Ashton Eaton (l., mit Pascal Behrenbruch) gewann bei der Hallen-WM 2012 Gold © imago

Die Zehnkämpfer Behrenbruch, Freimuth und Schrader sind vor dem WM in Topform. Doch der Olympiasieger scheint unbesiegbar.

Moskau - Ziegelsteine, Bretter und dicke Eisscheiben waren im vergangenen Jahr die härtesten Gegner für Ashton Eaton.

Der Träger des schwarzen Gürtels im Taekwondo dominierte die Zehnkampf-Welt nach Belieben, stellte einen Weltrekord (9039 Punkte) auf und gewann souverän Olympia-Gold.

Die Extra-Schichten im Kampfsport-Gym waren da eine willkommene Abwechslung.

Doch vor dem Showdown der Könige der Athleten bei den Weltmeisterschaften in Moskau am Samstag und Sonntag ist alles anders. Eaton muss vor allem einen Mann fürchten: Europameister Pascal Behrenbruch.

"Er ist sehr talentiert. Aber bei einer großen Meisterschaft kommt es vor allem auf den Kopf an", sagt der Amerikaner über seinen Herausforderer: "Wenn er während des Wettkampfes Spaß hat und sich nicht zu sehr unter Druck setzt, kann er bei dieser WM viel erreichen."

"Eaton fast unschlagbar"

Viel erreichen, das bedeutet für Behrenbruch, der mit seinen 8514 Punkten von Ratingen weltweit bester Zehnkämpfer in diesem Jahr ist, vor allem eins.

"Eine WM-Medaille war immer mein Traum, aber als Nummer eins träume ich jetzt natürlich noch ein bisschen mehr", sagt der Frankfurter: "Als Europameister habe ich im vergangenen Jahr erlebt, wie es ist, ganz oben zu stehen auf dem Treppchen und seine Nationalhymne zu hören. Natürlich wäre es fantastisch, Weltmeister zu werden. Aber Eaton ist immer noch sehr stark, fast unschlagbar."

Deutscher Dreikampf um Bronze

Ähnlich sehen es auch Rico Freimuth (Halle/Saale) und Michael Schrader (Leverkusen), hinter Behrenbruch Nummer zwei und drei der Welt.

Die beiden WG-Kumpel schielen ebenfalls auf eine Medaille, mehr als Bronze sei aber nicht zu holen. Eaton und Titelverteidiger Trey Hardee machen den Titel unter sich aus, glauben sie.

"Dahinter kann jeder von uns Dritter werden", sagt Freimuth, "wir wollen uns ganz sicher nicht unter Wert verkaufen."

Für die deutschen Zehnkämpfer wäre es die erste WM-Medaille seit Frank Busemanns Bronze 1997. Und Behrenbruch meint: "Wir sind superstark. Ich bin mir sicher, dass ein Deutscher eine Medaille holt."

Behrenbruch sucht Abgeschiedenheit

Während Freimuth für seinen Mitbewohner Schrader in Halle/Saale zur Vorbereitung ordentlich "Milch-Nudeln mit ein bisschen Zucker" in der Küche zauberte, zog Behrenbruch wie im Vorjahr die Abgeschiedenheit Estlands für den WM-Feinschliff vor.

"Da lenkt mich einfach nichts ab, und ich kann mich voll auf die Sache konzentrieren", sagte Behrenbruch, "ich bin richtig gut drauf und will jetzt eine Schippe drauflegen."

Eaton sucht Freundschaft

Das ist auch nötig, wenn er Eaton bis zuletzt kitzeln und herausfordern will.

Schließlich konnte sich Behrenbruch persönlich vom Formanstieg des Weltrekordlers überzeugen. Beide haben sich in Tallinn vorbereitet.

"Er hat wieder richtig Dampf", lautet Behrenbruchs Fazit: "Ich habe ihn beim Training gesehen. Für mich war das zwiespältig. Er ist ja sehr nett, hat gefragt, ob wir nicht mal essen gehen wollen und ich ihm die Altstadt von Tallinn zeigen könnte. Mit dem Olympiasieger mal essen zu gehen, wäre schon nicht schlecht, habe ich gedacht."

Doch dann hat sich Behrenbruch nicht mehr gemeldet: "Er ist ja einer meiner Gegner, von dem ich mich doch lieber fernhalte, um mich nicht ablenken zu lassen."

Doping? Freimuth ohne Angst

Die Medaille soll unbedingt her - doch nicht mit allen Mitteln.

Das Thema Doping überlagert die WM, doch für die deutschen Spitzen-Mehrkämpfer sind verbotene Spritzen, Cremes und Tabletten keine Option.

"Ich kann nur sagen: Hebt alle Proben zehn Jahre auf. Dann wird man sehen, wer sauber war", sagte Freimuth stellvertretend für das Trio: "Ich habe keine Angst."

Angst hat Taekwondo-Kämpfer Eaton vor Behrenbruch bestimmt auch nicht - aber jede Menge Respekt.

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