2011 wurde Bolt bei der WM in Daegu wegen eines Fehlstarts disqualifiziert © getty

Der Ausnahmesprinter paukt vor der WM in Moskau fleißig Russisch und will mit Ali und Jordan in einem Atemzug genannt werden.

Moskau - Natürlich hat Usain Bolt in den vergangenen Tagen richtig geschuftet. Nicht nur auf der Bahn und im Kraftraum.

Der Supersprinter paukt Russisch und beherrscht die Sprache schon ganz ordentlich.

Sätze wie "Mein Name ist Usain" oder "Meine Lieblingsfarbe ist Gold" sowie die provokante Aufforderung "Können Sie mal meine Medaillen halten" gehen dem Jamaikaner flüssig über die Lippen.

Er kann sich solche Sprüche leisten, und die Fans - nicht nur in Russland - lieben ihn dafür. Bolt weiß, wie man sich beliebt macht.

Aber wer soll ihn bei der Leistungsschau der Leichtathleten in Moskau auch schlagen? Ihn, die absolute Autorität des Sprints, den sechsmaligen Olympiasieger, den Weltrekordhalter, den Retter der Leichtathletik.

Rivalen gesperrt oder verletzt

Der Amerikaner Tyson Gay galt lange als ernsthafter Herausforderer, hat sich als Dopingbetrüger aber selbst disqualifiziert. Titelverteidiger Yohan Blake fehlt verletzt.

Einzig Justin Gatlin, dem überführten Doper und Olympiasieger von 2004, wird noch zugetraut, Bolt im Finale ein bisschen ärgern zu können.

Immerhin hat Gatlin Bolts Aufmerksamkeit: Der 26-Jährige bezeichnete seinen Rivalen im Vorfeld der WM als "lästig". Das ist aus dem Mund des Sprintkönigs fast schon ein verbaler Ritterschlag.

Mit Jordan und Ali in einem Atemzug

Doch aufhalten lassen von Gatlin? Das kommt für Bolt nicht infrage.

"Wenn ich aufhöre, will ich zu den Größten gehören", sagte der 26-Jährige unter der Woche: "Jungs wie Michael Jordan, Pele, Muhammad Ali - zu ihnen will ich aufschließen."

Showdown am Sonntagabend

Trotz der krassen Dopingfälle in der Sprintszene wie bei Gay, dem Ex-Weltrekordler Asafa Powell oder Veronica Campbell-Brown freut sich Lamine Diack auf den Showdown am Sonntagabend.

Jeder überführte Doper sei gut für den Sport, es liege kein Schatten über der WM, und das Finale über 100 m der Männer werde ein "abolutes Highlight".

Der Präsident des Weltverbandes IAAF kann es kaum erwarten, dass sich die Sprintmaschine Bolt vor knapp 80.000 Zuschauern im Luschniki-Stadion in seinen Startblock zwängt und über die Tartanbahn Richtung Ziellinie jagt - mit der Kraft von dreieinhalb Pferden, wie Physiker zuletzt herausgefunden haben.

Seine Show soll das alles überragende Spektakel in Moskau werden.

Viertes Gold-Triple im Visier

Der Titel über 100 m soll für Bolt aber erst der Anfang sein. Er will immer mehr, plant sein viertes Gold-Triple nach Olympia 2008 und 2012 sowie der WM 2009 in Berlin auf den beiden Sprintstrecken und mit die 4x100m-Staffel.

Doch bei aller lockeren Arroganz, die Bolt gerne zur Schau stellt - der Kasper kann auch anders.

Ausgerechnet der vielleicht größte Entertainer des Sports, der sich vor Rennen gerne in nachgebauten Formel-1-Wagen, auf Raketen oder mit Krone auf dem Kopf und im Samtmantel durch die Arenen führen lässt, verzichtete beim Medientag und öffentlichen Training des Teams Jamaika auf seine berühmten Showeinlagen und sagte vor allem - kein einziges Wort.

Thema Doping ist tabu

Keines zum 100-Meter-Finale und erst recht keines zum großen, die WM überlagernden Thema Doping.

"Er möchte sich komplett auf die Rennen hier konzentrieren. Und er ist in einer sehr guten Form", diktierte sein Manager Ricky Simms den Reportern in die Blöcke. Die Schmach von 2011, als Bolt wegen eines Fehlstarts disqualifiziert worden war, wolle er vergessen machen.

Wie gut, dass Bolt bei Facebook ein bisschen auskunftsfreudiger ist. Dort teilte er seinen Anhängern und seinen Herausforderern mit: "Ich bin bereit!" Natürlich auf Russisch.

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