Pascal Behrenbruch wird 2012 in Helsinki Zehnkampf-Europameister © getty

Der DLV setzt zum WM-Auftakt auf Behrenbruch und hofft auf eine Ausbeute wie in London. Bolt will Weltrekorde verbessern.

Moskau - Nicht nur Usain Bolt ist startklar für das Welt-Sportereignis 2013.

Fast 2000 Athleten stehen vor der am Samstag in Moskau beginnenden Leichtathletik-WM (10. bis 18. August) in den Startlöchern.

33 Jahre nach den boykottgeschädigten Sommerspielen von 1980 erlebt Russlands Hauptstadt ihr wichtigstes Sport-Event.

Athleten aus 206 Ländern am Start

Starteten damals nach dem politisch motivierten Startverzicht vieler westlicher Nationen, darunter auch die Bundesrepublik Deutschland, nur Athleten von 80 der 148 im Internationalen Olympischen Komitee (IOC) organisierten Länder, so steht diesmal eine Rekord-WM bevor.

Laut Leichtathletik-Weltverband IAAF sind 206 Länder (Rekord bisher: 202) und 1974 Athleten (1895) für das samt Infrastrukturmaßnahmen rund 100 Millionen Euro teure Ereignis gemeldet.

Björn Otto erster Deutscher in Moskau

Ein Drittel des 67-köpfigen deutschen Teams war am Mittwoch bereits am Schauplatz Moskau eingetroffen.

Als erster landete der in der Ausbildung zum Berufspiloten stehende Stabhochsprung-Olympiazweite Björn Otto. Bis Mittwochabend erwartete man auch die deutschen Medaillenhoffnungen im Zehnkampf.

Ihr Wettbewerb wird neben dem 100-m-Spektakel mit Weltstar Usain Bolt am Auftakt-Wochenende im Blickpunkt stehen.

Prokop träumt zum Auftakt von Medaille

"Eine Medaille zum Auftakt wäre ein toller Einstieg", sagt Clemens Prokop, Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV), mit Blick auf den Zehnkampf, in dem das DLV-Trio um Europameister Pascal Behrenbruch vor der Konfrontation mit Weltrekordler Ashton Eaton (USA/9039 Punkte) die Weltrangliste 2013 anführt.

Größter deutscher Trumpf ist jedoch Diskus-Olympiasieger Robert Harting, der auf das dritte WM-Gold in Serie hofft.

Zwölf deutsche Medaillenhoffnungen

Im DLV-Team stehen rund zwölf Kandidaten für Edelmetall.

"Wir wollen versuchen, an das Niveau von Olympia 2012 anzuknüpfen", sagt Prokop.

In London hatten die deutschen Leichtathleten im vergangenen Jahr acht Medaillen gewonnen.

Bluttests bei allen WM-Startern

Schon bald nach der Ankunft dürfen sich alle rund 2000 WM-Teilnehmer auf Bluttests einstellen.

Diese nutzt der Weltverband IAAF nach den vielen Dopingskandalen der letzten Zeit zur Anlegung von Blutprofilen.

Durch diese kann die Zufuhr verbotener Substanzen auch ohne positiven Test über eine Langzeit-Studie nachgewiesen werden.

Doping-Razzia bei Team Jamaika

Schon am Montag hatte die IAAF Usain Bolt und alle 44 Athleten der jamaikanischen Mannschaft im Trainingslager in der russischen Hauptstadt kontrolliert.

Auch hier ging es vor allem um Daten für Blutbilder.

Jamaikas Athleten stehen nach den Dopingfällen um den früheren 100-m-Weltrekordler Asafa Powell, Weltklassesprinterin Sherone Simpson und zuvor Olympiasiegerin Veronica Campbell-Brown verstärkt im Fokus der Dopingfahnder.

Bolt will Weltrekorde verbessern

Allen Verdächtigungen zum Trotz will Usain Bolt auch Star dieser WM werden, seinen sechs Olympiasiegen über 100 m, 200 m und 4x100 m die WM-Triumphe Nummer sechs bis acht hinzufügen.

Und nicht nur das. Bolt, der seinen Hauptrivalen Tyson Gay (USA) wegen Dopings verlor, jagt auch seine Rekorde von 9,58 bzw. 19,19 Sekunden:

"Mein Fenster, um diese aufzustellen, wird kleiner. Aber das ist definitiv etwas, das ich im Hinterkopf habe", sagte der 26-Jährige der Zeitung "Jamaica Gleaner".

7,194 Millionen Dollar Preisgeld

Für einen Weltrekord gibt es in Moskau 100.000 Dollar, für die Siege in 43 Einzeldisziplinen 60.000 und für Staffel-Gold 80.000.

Insgesamt schüttet der Leichtathletik-Weltverband IAAF 7,194 Millionen Dollar, umgerechnet 5,411 Mio. Euro, an die Medaillengewinner und Finalisten (Platz 1 bis 8) aus.

WM-Tickets zu 80 Prozent vergriffen

Das meiste Gold wird voraussichtlich erneut auf Konto des USA-Teams gehen, das bisher fast bei allen Weltmeisterschafen dominiert hat.

Dahinter will Gastgeber Russland gewachsene Stärke demonstrieren.

Denn die WM ist ein Prestigeobjekt. Entsprechend groß scheint auch das Zuschauer-Interesse, die Leichtathletik scheint trotz der Doping-Enthüllungen zumindest bei großen Events zu boomen.

Die WM-Tickets sind zu 80 Prozent ausverkauft, für das Final-Wochenende sind bereits keine Karten mehr zu bekommen.

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