Lavillenie (r.) sicherte sich vor dem DLV-Duo Gold in London 2012 © getty

Otto und Holzdeppe sitzen dem Stabhochsprung-Ass im Nacken. Danny Ecker schätzt bei SPORT1 die Chancen der Deutschen ein.

Von Christian Geisler und Florian Pertsch

München - Er ist der König der Stabhochspringer - unangefochten sitzt er auf seinem Thron: Renaud Lavillenie.

Aber halt, Ende April wagte es DLV-Athlet Björn Otto in Des Moines am Thron des Franzosen zu rütteln. Was bis dahin quasi undenkbar war, trat ein. Lavillenie verlor einen Wettbewerb gegen einen deutschen Stabhochspringer.

Noch ein Jahr zuvor dominierte Lavillenie die Konkurrenz nach Belieben. Bei den Olympischen Spielen in London 2012 scheiterten die deutschen Stabhochspringer Björn Otto und Raphael Holzedeppe gleich im Doppelpack am nervenstarken Franzosen.

Lavillenie sicherte sich olympisches Gold, für Otto und Holzdeppe blieben "nur" Silber und Bronze. Doch bei der WM in Moskau wollen sie den französischen Ausnahmespringer vom Stabi-Thron stoßen.

Ecker glaubt an DLV-Triumph

Danny Ecker, deutscher Hallen-Rekordhalter mit übersprungenen 6,00 m und dreimaliger Olympia-Teilnehmer, hält einen DLV-Triumph in der russischen Hauptstadt für möglich.

Im Gespräch mit SPORT1 schätzt Ecker die deutschen Chancen ein.

"Der Wind, die Ständerabstände - das muss alles zusammenpassen. Dass Lavillenie das immer so auf den Punkt bringt, ist quasi ein Wunder", erklärt Ecker und hofft: "Eigentlich ist es dieses Mal an der Zeit, dass er einen schlechten Tag erwischt. Und dann stehen die Deutschen an erster Stelle."

Im internen Wettkampf Otto/Holzdeppe sieht der Ex-DLV-Springer Otto leicht im Vorteil.

Otto mit mehr Konstanz und Erfahrung

"Björn ist schon am stärksten einzuschätzen, da er die meiste Erfahrung hat und die größte Konstanz vorweist", analysiert Ecker und sieht Holzdeppe in der Verfolger-Position: "Raphael hat das Potential genau so hoch zu springen. Aber noch nicht in der Regelmäßigkeit von Björn. Deswegen würde ich ganz klar sagen, dass Björn nach wie vor der Stärkere ist."

Ein Problem sieht Ecker bei Routinier Otto aber trotz aller Erfahrung doch: "In den letzten Wettkämpfen ist er nicht mehr ganz so hoch gesprungen. Ich bin nicht sicher, was der Grund dafür war."

Ein Leistungsabfall, der bei Frankreichs Stabhochsprung Held Lavillenie fast schon undenkbar ist. 2012 holte er Gold in London, gewann die WM in Helsinki und triumphierte ebenso bei der Hallen-WM in Istanbul.

Laufbahn mit Fragezeichen

2013 ging die Erfolgsserie nahtlos weiter und bescherte dem nur 1,76-Meter-großen Stabhochsprung-Floh in Göteborg den Titel bei der Halleneuropameisterschaft.

Eine Laufbahn, die für Ecker zunächst undenkbar schien: "Als wir ihn am Anfang springen sahen, haben wir nicht damit gerechnet, dass er eine lange Karriere hat. Man hat da schon mit Unfällen gerechnet. Aber das hat sich so nicht ergeben."

Ein Grund für den Erfolg Lavillenies ist der eher ungewöhnliche Trainingsansatz der Franzosen.

"Sie haben eine andere Herangehensweise zum Stabhochspringen als wir. Die springen in den Technikeinheiten durchaus zwei bis drei Stunden am Stück. Die machen 50 Sprünge, wo wir wenn überhaupt 15 schaffen", erklärt Ecker bei SPORT1.

Lavillenies Akku wird einfach nicht leer

Das hat direkte Auswirkungen auf die Wettkämpfe: "Dadurch gewinnt man Sicherheit. In einem Wettkampf ist dann irgendwann der Akku bei acht Sprüngen leer. Lavillenie kann dann einfach mal zwölf, 15 Sprünge hinlegen. Er hat eine unglaubliche Nervenstärke und greift, obwohl er ja so klein ist, höher als alle anderen in der Welt an."

Das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten geht sogar so weit, dass Lavillenie ohne Probleme mit fremden Stäben springt und auch noch gewinnt. In Ostrau lieh sich der Franzose von Konkurrent Otto einen Stab, was der freundschaftlichen Beziehung der beiden aber keinen Abbruch tat.

Bei den deutschen Frauen drückt Ecker der Stabi-Pechmarie Silke Spiegelburg die Daumen.

"Sie ist jetzt so oft Vierte geworden. Ich würde ihr eine Medaille gönnen", so Ecker.

Issinbajewa wird im Fokus stehen

In Moskau wird aber ziemlich sicher eine andere Stabhochspringerin im Fokus stehen: Jelena Issinbajewa.

Die Russin wird nach einer Pause in Moskau definitiv zu ihrem Abschiedswettkampf antreten und kann sich der Unterstützung einer ganzen Nation sicher sein.

"Es ist eine Ehre, wenn ein ganzer Staat Interesse daran hat, dass man an den Weltmeisterschaften startet", erklärt Ecker und glaubt nicht, dass Issinbajewa chancenlos in den Wettkampf geht:

"Ich glaube es ist schwer für sie, aber ich glaube nicht dass sie in einer schlechten Verfassung aufkreuzt."

Auch wenn die Erfolge der Stabhochsprung-Ikone mehr als beeindruckend sind, ein ausgesprochener Issinbajewa-Fan ist Ecker nicht: "Sie ist mir jetzt nicht so ans Herz gewachsen. Aber ich respektiere sie - sie war eine unglaubliche Athletin."

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