Russland (r., Andrej Jepischin) belegte 2011 in Daegu platz zwei im Medaillenspiegel © getty

Es ist Russlands größter Sportevent seit dem Kalten Krieg. Die Dopingaffären werfen einen Schatten auf die Titelkämpfe.

Köln - Russland ist bereit für sein größtes Sportereignis seit Olympia 1980.

Im Kontrast zu den Boykott-Spielen, an denen vor 33 Jahren nur 80 der damals 148 im Internationalen Olympischen Komitee (IOC) organisierten Länder teilnahmen, erlebt Russlands Hauptstadt vom 10. bis 18. August im Schatten der Dopingaffäre um mehrere Sprintstars eine Leichtathletik-WM der Rekorde.

Gemeldet sind 205 Länder (Rekord bisher: 202) und 2516 Athleten (1895) für das samt Infrastrukturmaßnahmen rund 100 Millionen Euro teure Weltsport-Ereignis 2013.

Diskuswerfer Harting einziger deutscher Favorit

Deutschland ist mit 67 Athleten am Start, einziger Favorit ist Diskus-Olympiasieger Robert Harting (Berlin), der den dritten WM-Titel in Folge anvisiert.

"Wir wollen versuchen, an das Niveau von Olympia 2012 anzuknüpfen", sagt Clemens Prokop. Der Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) spielt damit an auf die acht Medaillen von London.

Die Moskauer WM ist Teil der russischen Sport-Event-Offensive, hinter der maßgeblich Staatspräsident Wladimir Putin steckt.

Russland vor einer Reihe sportlicher Großevents

"Er hat in erster Linie dafür gesorgt, dass der Etat durch die Regierung gesichert ist", sagt Helmut Digel zum Beitrag des Kremlchefs.

Der sportaffine 60-Jährige, der sich gern als Eishockeyspieler, Skifahrer oder Judoka ablichten lässt, ist auch der starke Mann hinter Winter-Olympia 2014 in Sotschi.

In der Schwarzmeerstadt ließ Putin auch einen Formel-1-Kurs ausbauen (Auftakt wohl im Oktober 2014), setzte sich stark für die Austragung der Fußball-WM 2018 in Russland sowie weitere Highlights wie die Schwimm-WM 2015 in Kasan ein.

Gay fehlt wegen Dopingdelikt

Überschattet wird die 14. Weltmeisterschaft seit der Ouvertüre 1983 in Helsinki von Dopingaffären um drei der weltbesten Sprinter.

Der 100-m-Weltranglisten-Erste Tyson Gay (USA), Ex-Weltrekordler Asafa Powell und Sherone Simpson (beide Jamaika) zählen zu den aktuell 287 Athleten, die der Weltverband IAAF zum 31. Juli 2013 wegen Dopingdelikten aus dem Verkehr gezogen hat.

Darunter nicht weniger als 43 Russen, rund ein Dutzend Medaillengewinner von Olympia und WM - oder anders gesagt: Ihre Kopfzahl macht mehr als ein Drittel des russischen WM-Teams (119 Athleten) aus.

Großes Zuschauerinteresse

Ob man den hohen Zuschaueransturm beim Diamond League-Meeting vor einer Woche in London oder das Interesse an den WM-Tickets in Moskau zum Maßstab macht: Trotz der Doping-Enthüllungen boomt die Leichtathletik bei großen Events.

Die WM-Tickets sind zu 80 Prozent ausverkauft, für das Final-Wochenende bereits total. "Wir sind zuversichtlich, dass wir für die Abendsessions noch alle Tickets verkaufen werden", sagte IAAF-Generalsekretär Essar Gabriel.

Die IAAF, deren Präsident Lamine Diack die jüngsten Dopingfälle als "Katastrophe" für seine Sportart bezeichnete, lädt zum Auftakt des IAAF-Kongresses am 7. August zu einem Forum.

Bei diesem soll es um die Zukunft der Leichtathletik gehen - und auch um einen Strategieplan für die Jahre 2013 bis 2016. Diack selbst will, wie der 80-Jährige aktuell versicherte, 2015 als IAAF-Chef abtreten.

"Werden herausragende Athleten erleben"

Sein voraussichtlicher Nachfolger Sebastian Coe sagt 33 Jahre nach seinem 1500-m-Olympiasieg in Moskau: "Wir werden bei dieser WM herausragende Athleten erleben."

Und wahrscheinlich die meisten Sieger aus den USA, die Moskau 1980 im Gegensatz zu den Briten, Italienern, Franzosen, Spaniern und vielen kleineren westeuropäischen Ländern ferngeblieben waren.

Vom Zaun gebrochen hatte den letztlich unsinnigen Boykott 1980 US-Präsident Jimmy Carter nach dem Einmarsch sowjetischer Truppen in Afghanistan.

Der damalige Bundeskanzler Helmut Schmidt hatte dem Nationalen Olympischen Komitee, das mit 59:40 Stimmen gegen einen Start votierte, den Boykott empfohlen.

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