Carl Pistorius verfolgte die Kautionsverhand- lungen für seinen Bruder im Gericht © getty

Der ältere Bruder des Paralympics-Stars ist wegen eines Autounfalls angeklagt. Sex-Stimulanzmittel entlasten Oscar Pistorius.

Pretoria - Oscar Pistorius war kaum in Freiheit, da brachen die nächsten Negativschlagzeilen über seine Familie herein.

Erst jetzt kam raus, dass sich auch der Bruder des unter Mordanklage stehenden Paralympics-Stars wegen eines schweren Vergehens vor Gericht verantworten muss.

Carl Pistorius wurde in Südafrika nach einem Autounfall mit Todesfolge angeklagt. Bis zum Wochenende war nicht öffentlich bekannt geworden, dass der ältere Bruder des "Blade Runners" vor fünf Jahren nahe Johannesburg offenbar wegen grob fahrlässigen Verhaltens den Tod einer Motorradfahrerin verursacht hatte.

Aus ungenannten Gründen verschoben

Anwalt Kenny Oldwage, der auch Oscar Pistorius vertritt, bestätigte gegenüber "Eyewitness News" den Vorfall. Die Anklage lautet auf Totschlag.

Während der viertägigen Verhandlungen im "Fall Oscar Pistorius", die in Pretoria mit der Freilassung auf Kaution zu Ende gegangen waren, hatte Carl seinen Bruder im Gerichtssaal unterstützt. (Pistorius für 85.000 Euro frei)

Dabei hätte der 28-Jährige diese Woche eigentlich selbst vor dem Richter stehen sollen. Für Donnerstag war der Prozess-Auftakt angesetzt, wurde aber aus nicht genannten Gründen um einen Monat verschoben.

Prozess gegen Oscar ab 4. Juni

Carl Pistorius hofft, ungestraft davonzukommen. "Es gibt keinen Zweifel daran, dass Carl unschuldig ist. Er bedauert den Unfall zutiefst", hieß es in einer Stellungnahme von Oldwage.

Die Familie Pistorius beschäftigt die Staatsanwaltschaft. Dies wird auch noch einige Monate so bleiben. Mitte März wird es für Carl ernst, ab dem 4. Juni dann für seinen berühmter Bruder.

Bis zum ersten Prozesstag ist der sechsmalige Goldmedaillen-Gewinner bei Paralympics frei, allerdings unter erheblichen Auflagen. Der Polizei musste er seine Waffensammlung sowie alle Pässe übergeben, dazu hat Pistorius Alkoholverbot, darf nicht mit Zeugen sprechen und muss jederzeit telefonisch erreichbar sein.

Fitbleiben nur Nebensache

Einen internationalen Flughafen darf er genauso wenig betreten wie sein Haus, deshalb wurde Pistorius am Freitag mit einem silberfarbenen SUV ins Haus seines Onkels gebracht.

Dort wird er sich vorerst aufhalten und auch darüber nachdenken, wie er sich fithalten kann. Auch wenn in den Sternen steht, ob der beidseitig beinamputierte Athlet seine Karriere jemals fortsetzen wird.

Bei den schweren Vorwürfen gegen den 26-Jährigen, der am 14. Februar seine drei Jahre ältere Freundin Reeva Steenkamp in seinem Haus getötet hatte, ist dieser Aspekt derzeit ohnehin nur Nebensache. Das Wichtigste für die Verwandten ist erst einmal, dass der Olympia-Teilnehmer von London nicht länger in Haft sitzt.

Doch kein Testosteron-Fund

Eine Million Rand (rund 85.000 Euro) kostet die Freiheit. "Wir sind sehr erleichtert, dass Oscar Kaution stellen durfte, aber wir trauern auch um Reeva Steenkamp", hatte Arnold Pistorius, Onkel und Sprecher des Angeklagten erklärt.

Pistorius hatte das ehemalige Model Steenkamp mit vier Schüssen getroffen. Pistorius behauptet, dass es ein Unglück war. Er habe die Person für einen Einbrecher gehalten.

Gute Nachrichten für Pistorius, wenn es solche in diesen Tagen überhaupt geben kann, gab es bezüglich der aufgekommenen Dopingverdächtigungen.

Bei den in Pistorius' Haus gefundenen Substanzen, die der mittlerweile abgesetzte Chefermittler Hilton Botha als Testosteron bezeichnet hatte, soll es sich um ein pflanzliches Sex-Stimulanzmittel handeln. Dies berichtet die Tageszeitung "City Press". (Wende im Fall Pistorius: Chefermittler abgesetzt)

Doping-Vergehen unwahrscheinlich

Als Ursache für die Tat kommt es wohl nicht in Frage. "Es ist kein anaboles Steroid und es ist unwahrscheinlich, dass es zu einer Kurzschlusshandlung führt", sagte Sportmediziner Jon Patricios.

Es war vermutet worden, dass Pistorius unter Einfluss eines Medikaments auf seine Freundin losging. Dies ist nach derzeitigem Stand genauso unwahrscheinlich wie ein Dopingvergehen.

Pistorius war bislang unauffällig, auch bei den Paralympics. In London wurde er zweimal getestet, beide Proben waren negativ.

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