Ein Pistorius-Freund berichtet von einem Telefonat in der Tatnacht. Die Polizei findet offenbar Doping-Substanzen beim Sportler.

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Von Marc Ellerich

München - Hat Leichtathletik-Star Oscar Pistorius die Schüsse auf seine Freundin Reeva Steenkamp noch in der Todesnacht des südafrikanischen Fotomodels zugegeben? (HINTERGRUND: Ende eines Helden-Märchens)

Nach der Mordanklage gegen Olympia-Starter Pistorius spekulieren britische Medien über den Tathergang.

Laut übereinstimmenden Berichten der Boulevard-Blätter "Daily Mirror" und "Daily Mail" soll der Südafrikaner nach dem Drama in seiner Wohnung seinen Freund Justin Divaris angerufen haben.

Im "Mirror" wird Divaris, ein Geschäftsmann, zitiert, Pistorius habe ihn um 3.55 Uhr angerufen und gesagt: "Es ist alles sehr traurig."

"Gott soll mich holen"

Auf die Nachfrage, wovon er spreche, habe der sechsmalige Paralympics-Sieger geantwortet: "Es hat einen schrecklichen Unfall gegeben. Ich habe Reeva erschossen."

Ein Nachbar sei dann am Telefon gewesen und habe den Vorfall bestätigt. Der "Mirror" beruft sich auf einen Exklusiv-Bericht der Zeitung "Sunday People".

Divaris behauptete gegenüber der "Daily Mail", anschließend zu Pistorius' Haus in Pretoria geeilt zu sein.

Dort habe der Sportler ihm wiederholt erklärt: "Mein Baby, ich habe mein Baby umgebracht. Gott soll mich holen."

Berichte über Selbstmordgefährdung

Am Freitag hatte ein Haftrichter Mordanklage gegen den südafrikanischen Spitzensportler erhoben. Pistorius war vor Gericht in Tränen ausgebrochen, hatte anschließend aber in einer Erklärung seines Managements den Mordverdacht "aufs Schärfste" zurückgewiesen. (BERICHT: Mordanklage gegen Pistorius)

Übers Wochenende, welches Pistorius im Gefängnis verbrachte, hatten Medien von einer Selbstmordgefährdung des Athleten berichtet.

Medien: Polizei untersucht Cricketschläger

"Mirror" und "Mail" melden nun unter Berufung auf Ermittler, dass in Pistorius' Apartment in einer bewachten Wohnsiedlung ein blutiger Cricketschläger gefunden worden war. (AKTUELL: Blut am Cricketschläger soll Pistorius belasten)

In den Ermittlungen soll es mehrere Szenarien dazu geben.

Pistorius könne Steenkamp mit dem Schläger ohnmächtig geschlagen und sie anschließend erschossen haben.

Womöglich hat er das Holz aber auch benutzt, um die Tür des Badezimmers einzuschlagen, hinter der sich die versehentlich angeschossene Steenkamp befand.

Drittens, so ein weiterer Ermittlungsansatz, könnte die Frau den Schläger auch zur Selbstverteidigung verwendet haben.

Beschwerden über Lärm

Zunächst hatte es geheißen, Steenkamp habe Pistorius zum Valentinstag überraschen wollen, und der Sportler habe sie versehentlich für eine Einbrecherin gehalten.

In den jüngsten Berichten heißt es, das Foto-Model sei bereits um 19 Uhr bei Pistorius eingetroffen. Lange vor den Schüssen hätten sich Nachbarn bei Wachleuten über den Lärm aus Pistorius' Apartment beschwert, mit der Aufforderung diesen zu beenden.

Es wird berichtet, dass Steenkamp mit einem Nachthemd bekleidet aufgefunden worden sei.

Spekulationen über Mordmotiv

Auch über ein mögliches Mordmotiv wurde in diversen Medienberichten spekuliert.

Eine angebliche Liaison Steenkamps mit dem südafrikanischen Rugby-Spieler Francois Hougaard wies dieser über seinen Agenten umgehend zurück.

Das Boulevard-Blatt "The Sun" berichtet unter Berufung auf anonyme Ermittler-Quellen, es seien anabole Steroide in Pistorius' Wohnung gefunden worden. Das Blatt spekuliert über "Roid Rage", also unkontrollierte Wutanfälle in Folge des Steroid-Gebrauchs.

Auch habe es angeblich Belege für ein Trinkgelage gegeben.

Am Dienstag soll entschieden werden, ob Pistorius gegen Kaution auf freien Fuß kommt.

Spezialisten angeheuert

Der unterschenkelamputierte Athlet, der durch seine Werbeverträge in den letzten Jahren jeweils rund zwei Millionen Dollar verdient haben soll, hat laut der Nachrichtenagentur "AFP" inzwischen hochkarätige Experten für seine Verteidigung angeheuert.

Zum seinen Anwälten gehörten Kenny Oldwage, der den Freispruch des Fahrers erreichte, durch dessen Wagen 2010 die Enkelin von Südafrikas Ex-Präsident Nelson Mandela getötet worden war, sowie der junge Staranwalt Barry Roux.

Als Forensiker holte er Reggie Perumal, der im Fall der 34 im Jahr 2012 durch die Polizei erschossenen Arbeiter der Marikana-Mine und dem mysteriösen Tod vom Simbabwes früherem Armee-General Solomon Mujuru Ansehen erlangte.

Für Öffentlichkeitsarbeit wurde Stuart Higgins (früherer "Sun"-Reporter) verpflichtet, der auch für British Airways, den FC Chelsea und Manchester United tätig ist.

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