Björn Otto gewann bei Olympia 2012 in London die Silbermedaille © imago

Deutschlands bester Stabhochspringer triumphiert vor der Haustür. Ottos Plan: Bei der EM in Göteborg Lavillenie schlagen.

Düsseldorf - Nach seinem Triumph quasi vor der Haustür sprach der Rheinländer aus Björn Otto.

"Ein bisschen doof ist der Termin ja schon", sagte Deutschlands bester Stabhochspringer mit einem breiten Lächeln, nachdem er am Freitagabend beim Hallen-Meeting in Düsseldorf mit 5,90 m einmal mehr absolute Weltklasse nachgewiesen hatte: "So mitten im Karneval..."

Dabei liegt das Augenmerk des Wahl-Kölners, der aus dem auf halbem Weg zwischen den beiden rheinischen Hochburgen liegenden Straberg stammt, derzeit auf weitaus wichtigeren Dingen als dem westdeutschen Brauchtum.

Im Fernduell mit seinem französischen Dauerrivalen, dem Olympiasieger Renaud Lavillenie, zeigte der 35-Jährige erneut Nervenstärke und sandte ein deutliches Signal im Hinblick auf das erwartete Titelduell bei der Hallen-EM in Göteborg (1. bis 3. März). (ÜBERSICHT: Alles zur Leichtathletik)

"Die Form ist definitiv da"

"Darauf läuft die Planung hinaus, die Form ist definitiv da", sagte Otto, der in Düsseldorf nach einem fast dreistündigen Wettkampf darauf verzichte, Lavillenies Jahresweltbestmarke (5,92 m) zu attackieren: "Doch auch so war es ein hartes Stück Arbeit."

Vor 2000 Zuschauern hatte der Chinese Yang Yangshen seinen Landesrekord um erstaunliche 15 Zentimeter auf 5,80 gesteigert und damit den Olympiazweiten dazu gezwungen, seine Jahresbestleistung zu egalisieren.

Dies gelang Otto im zweiten Versuch - mit stoischer Gelassenheit.

"Diese Höhen sind zwar keine Selbstverständlichkeit, durch die vielen Trainings- und Wettkampfsprünge habe ich aber eine unheimliche Sicherheit", sagte Otto, für den es der vierte Sieg im fünften Wettkampf der Saison war. Nur in Karlsruhe hatte er gegen Lavillenie das Nachsehen.

Deutscher Rekord ein Thema

Der Franzose hat unter dem Hallendach 6,03 m als Hausrekord zu Buche stehen - in ähnliche Regionen soll es für Otto auch gehen: "Der deutsche Rekord ist definitiv ein Thema für diesen Winter."

Der liegt seit zwölf Jahren bei 6,00 m durch Danny Ecker. "Für 6,01 muss alles stimmen, das ist kaum planbar", sagte Otto.

Abseits der nur durch Otto und Yang hochklassigen Stab-Konkurrenz - der Olympiadritte Raphael Holzdeppe enttäuschte als Vierter mit 5,50 m - bot das Meeting in Düsseldorf trotz großer Namen viel Mittelmaß.

Stars scheitern im Vorlauf

Frankreichs viermaliger Sprint-Europameister Christophe Lemaitre scheiterte über 60 m ebenso im Vorlauf wie der Olympiazweite Jason Richardson (USA) im Hürdensprint.

Dort sorgte Richardsons Landsmann Kevin Craddock (USA) mit 7,50 Sekunden für eine von zwei Jahres-Weltbestleistungen des Abends, die andere ging auf das Konto von Dreispringerin Olga Saladuha.

Die Olympiadritte aus der Ukraine setzte sich mit 14,52 m deutlich vor der Chemnitzerin Kristin Gierisch (13,91) und Russlands Weltrekordlerin Tatjana Lebedewa (13,89) durch.

Reus in ordentlicher Form

Neben dem überragenden Otto und der überzeugenden Gierisch zeigten die deutschen Athleten wenig Erhellendes.

In ordentlicher Form präsentierten sich Julian Reus als Fünfter über 60 m (6,60) und Homiyu Tesfaye, der über 1500 m in neuer persönlicher Bestzeit (3:39,38) den B-Lauf gewann.

Im A-Rennen wurde Vize-Europameister Karsten Schlangen in 3: 41,91 Minuten chancenlos Letzter.

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