Isaiah Kiplagat ist seit 1999 Mitglied des IAAF-Councils © getty

Verbands-Chef Isaiah Kiplagat spricht erstmals über "kriminelle Machenschaften". Er rechnet noch 2012 mit Verhaftungen.

München - Der kenianische Leichtathletik-Verband AK hat erstmals ein Dopingproblem bestätigt.

Heimische Athleten hätten im Norden der Provinz Rift Valley Injektionen mit verbotenen Dopingsubstanzen erhalten. Dies gab das große afrikanische Internetportal "StarAfrica.com" bekannt.

Wie AK-Chef Isaiah Kiplagat mitteilte, habe der regionale Leichtathletik-Verband die entsprechenden Anschuldigungen aus einem Bericht der "ARD-Sportschau" vom Mai dieses Jahres ernst genommen.

"Wir arbeiten zusammen mit der kenianischen Polizei und der Welt-Anti-Doping-Agentur, um die Schuldigen dieser kriminellen Machenschaften zu verhaften", sagte Kiplagat.

"Blutwerte viel höher"

Der Dopingexperte Hajo Seppelt hatte vor vier Monaten unter anderem über Dopingfälle zweier kenianischer Marathonläuferinnen berichtet.

Der schwedische Sportwissenschaftler und Dopingfahnder Bengt Saltin hatte zu den Vermutungen um Doping in dem ostafrikanischen Läufer-Land erklärt: "Wir haben von 2008 bis 2010 beobachtet, dass die Blutwerte der Kenianer bei Starts in Europa viel höher sind als in den Jahren davor. Es steht für mich daher außer Frage, dass es da irgendeine Form von Blutmanipulation gibt."

Isaiah Kiplagat, der im Mai noch jedwedes Dopingproblem in Kenia energisch abgestritten hatte, erklärte nun, man habe Fortschritte bei den Untersuchungen gemacht.

Angeblich Anteile der Preisgelder für Ärzte

Er rechne noch vor Dezember damit, dass einige Ärzte, die die Injektionen verabreichten, in Haft seien.

Die Mediziner hätten den Athleten verbotene Substanzen verabreicht und im Gegenzug Anteile der Preisgelder erhalten. Dies sei vor allem in den Städten Iten und Kapsabet geschehen.

Kiplagat kündigte an, dass es ab 2013 für jeden Organisator eines Meetings Pflicht sei, an Ort und Stelle Geräte zur Durchführung von Dopingtests zur Verfügung zu stellen.

Bislang keine Blutdopingkontrollen in Kenia

"Kenias Athleten stehen wegen ihrer guten Leistungen besonders im Blickpunkt, daher haben wir sicherzustellen, dass wir vor Ort Dopingstests durchführen, um Zweifel auszuräumen", sagte Kiplagat.

Der Leichtathletik-Weltverband IAAF hatte bei den Recherchen im Mai eingeräumt, dass in Kenia keine Blutdopingkontrollen durchgeführt würden.

"Die notwendigen Voraussetzungen dafür konnten in Kenia bisher nicht geschaffen werden. Für Blutproben, deren Transport und Analyse gibt es strenge Vorgaben. Die sind dort nicht erfüllt", hatte IAAF-Medizinchef Gabriel Dolle erklärt.

Weiterlesen