Siebenkämpferin Lilli Schwarzkopf wurde 1983 in Kirgisistan geboren © getty

Die Siebenkämpferin lässt sich auch nach ihrem Achillessehnenriss nicht unterkriegen. Sie befürchtet aber, dass es länger dauern wird.

Kreta - Lilli Schwarzkopf wird zurzeit auf Händen getragen. Unfreiwillig.

Während Diskus-Riese Robert Harting lässig über die Ferienanlage auf Kreta schlendert und Beachvolleyballer Jonas Reckermann sich beim Bolzen verausgabt, ist Humpeln für die Senkrechtstarterin der deutschen Leichtathletik das maximal Machbare.

Nach ihrem Achillessehnenriss im rechten Fuß steht die Siebenkämpferin, die bei den Olympischen Spielen in London sensationell Silber holte, vor einer ungewissen sportlichen Zukunft. (BERICHT: Schwarzkopf schwer verletzt)

Wann sie wieder eingreifen kann, ist völlig offen. Ihr WM-Start im August 2013 in Moskau ist kaum noch realistisch.

"Wunde heilt zurzeit ganz gut"

"Der eine Arzt sagt, ein halbes Jahr Belastungspause. Der andere sagt, ein Jahr. Das ist schwer zu sagen", sagt Schwarzkopf: "Die Wunde heilt zurzeit ganz gut, aber was die Sehne macht, da kann man nicht reinschauen. Entscheidend ist jetzt, dass ich gut behandelt werde und erstmal in kompetente Hände komme."

Es war ein sonniger Tag in diesem denkwürdigen Londoner Sportsommer, als Schwarzkopf völlig unerwartet ins kollektive deutsche Sport-Gedächtnis lief.

Durch ein Versehen einer Kampfrichterin war die 29-Jährige nach dem Siebenkampf ihres Lebens wegen angeblichen Verlassens der Bahn zunächst disqualifiziert worden, ehe sie am Ende doch noch ihre Medaille bekam.

Dabei hatte sich die gebürtige Kirgisin erst beim abschließenden 800-Meter-Lauf vom fünften auf den zweiten Rang vorgeschoben. (NEWS: Alles zur Leichtathletik)

Schock in Talence

Dem unvergesslichen Abend des 4. August folgte nur wenige Wochen später der Tiefpunkt.

Mit der Verarbeitung der schweren Verletzung, erlitten beim Auftakt eines Mehrkampfes im südfranzösischen Talence, hat die blonde Sportlerin gerade erst begonnen.

"Ich hatte noch gar keine Chance, runterzukühlen und darüber nachzudenken, was in der letzten Zeit alles passiert ist", sagt Schwarzkopf:

"Jetzt mit der OP hat es sich in meinem Kopf natürlich noch mehr gedreht. Jetzt muss ich noch mehr verarbeiten. Das wird alles ein bisschen länger brauchen."

"Ich war echt baff"

Die Tage der Erholung im Robinson-Klub auf der griechischen Insel, wo sie auf Einladung der Deutschen Sporthilfe zusammen mit 87 anderen deutschen Spitzensportlern die Saison ausklingen lässt, kommen da gerade recht.

Bei der Abstimmung zum "Champion des Jahres", in der die rund 3800 unterstützten Sportler ihren Besten wählen, kam sie in die engere Auswahl.

"Ich war echt baff, damit hätte ich nicht gerechnet", sagte Schwarzkopf und ergänzte mit Blick auf die Entscheidung am Freitag: "Eigentlich hat es jeder, der hier ist, verdient, den Titel zu holen."

Nur die Gesundheit zählt

Ob sie am Ende gewinnt und das gesponsorte Auto mit nach Hause nimmt, ist ihr ziemlich egal.

Für Schwarzkopf zählt erst einmal nur die Gesundheit. Ob sie angesichts der unterschiedlichen Prognosen der Ärzte überhaupt noch auf den Trainingsplatz zurückkommt?

"Auf jeden Fall. Ich habe noch nie aufgegeben."

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