Björn Otto gewann bei Olympia 2012 in London die Silbermedaille © imago

Mit seinem 6,01-m-Satz gelingt Stabhochspringer Björn Otto ein später Karriere-Höhepunkt - es soll nicht sein letzter sein.

Aachen/Hamburg - Björn Otto konnte es nicht fassen - immer wieder schlug er sich die Hände vor das Gesicht.

"Geil, einfach geil. Ein Traum wird wahr", stammelte der 34-Jährige, nachdem er Stabhochsprung-Geschichte geschrieben hatte.

Beim Domspringen in Aachen flog der Olympiazweite förmlich über 6,01 m - deutscher Rekord (NEWS: Otto springt deutschen Rekord).

Damit verbesserte der Hobby-Pilot die alte Bestmarke von Tim Lobinger um einen Zentimeter und knackte erst als dritter deutscher Springer nach Lobinger und Danny Ecker (in der Halle) diese magische Marke.

In diesem Jahr ist in der Welt noch kein Springer höher hinausgekommen als Otto.

"Das ist das Größte"

Die Bässe wummerten, die Stimmung kochte, als Otto zur Film-Musik "Eye of the Tiger" des Box-Dramas "Rocky" zu seinem Super-Sprung abhob.

Nachdem er die Latte sicher überquert hatte, riss der Modellathlet noch in der Luft die Arme zum Jubeln in den Nachthimmel - und ließ sich anschließend von den begeisterten 5.000 Fans in der Kaiserstadt feiern.

Trainer Michael Kühnke ging vor seinem Schützling sogar in die Knie.

"Es passte einfach alles, auf diesem wunderschönen Platz, vor dieser einzigartigen Kulisse", sagte Otto, "einfach traumhaft, das ist das Größte."

Bestleistung stark verbessert

Nach einer langen, kräftezehrenden aber vor allem sehr erfolgreichen Saison setzte Otto mit seinem Flug einen weiteren Meilenstein.

"Phänomenal. Das war die Kirsche auf der Sahne des Eisbechers", sagte Kühnke, "Björn war zuletzt ja doch ein bisschen müde. Aber beim Einspringen habe ich ein Funkeln in seinen Augen gesehen und da wusste ich: 'Da geht was'".

Mit dem härtesten Stab, den Otto jemals in der Hand hielt und überhaupt erst einmal vor fünf Jahren gesprungen ist, schraubte er seine bisherige Bestleistung um neun Zentimeter nach oben und seinen Körper sensationell über die 6,01.

Und damit endlich Mitglied in einem elitären Zirkel: Otto ist erst der 18. Springer der Welt, der sechs Meter überquerte.

Otto, das Stehaufmännchen

Schon lange hatte der Altmeister von dieser magischen Marke geträumt.

Nachdem er in Helsinki Vize-Europameister wurde, hatte er lange geredet. Und auch nach seiner Silbermedaille von London die sechs Meter als Ziel ausgegeben.

Dabei ist es überhaupt erstaunlich, dass er noch springen kann. Im Winter 2001 wurde bei ihm Morbus Scheuermann diagnostiziert - eine Erkrankung der Wirbelsäule, bei der die Wirbelkörper aufweichen und brechen können. Die Ärzt rieten zum Karriereende. Doch Otto kämpfte.

"2009 ist mir dann die linke Achillessehne angerissen, 2010 die rechte", sagte der Biologie-Student, "das sind keine Verletzungen, die man mal eben in drei Wochen auskuriert."

Doch Otto kämpfte wieder. Und wurde in diesem Jahr mit zwei Silbermedaillen und seinem ersten Sechs-Meter-Sprung belohnt.

Karriereende vom Tisch

Am Sonntag lässt Otto die Saison in Stettin/Polen ausklingen.

Danach wird er zum Entspannen seiner zweiten Leidenschaft frönen: dem Gleitschirmfliegen.

Um dann im nächsten Jahr wieder anzugreifen - ein Karriere-Ende ist definitiv vom Tisch. Das Springen will er mit einer Pilotenausbildung irgendwie verbinden. Und danach "Step by step" entscheiden, wie es weitergeht.

Otto kann gelassen in die Zukunft schauen - er hat sich einen weiteren Traum erfüllt.

[kaltura id="0_mnpjjecc" class="full_size" title="Bolt gl nzt im Z richer Regen"]

Weiterlesen