Diskuswerfer Robert Harting holte bei Olympia 2012 in London die Goldmedaille © getty

Der Olympiasieger feiert in Berlin einen emotionalen Sieg. Auch Heidler jubelt, Merritt schrammt hauchdünn am Weltrekord vorbei.

Berlin - Robert Harting küsste völlig erleichtert "seinen" Ring, lief freudestrahlend mit der Deutschlandfahne eine Ehrenrunde und wiederholte sogar seine Hürdeneinlage von London:

Als der Diskus-Star und Olympiasieger in seinem "Wohnzimmer" die beeindruckende Siegesserie fortgesetzt hatte, fand das 71. ISTAF im Berliner Olympiastadion seinen emotionalen Höhepunkt.

Während der Lokalmatador ausgelassen den 33. Sieg in Folge feierte, huldigten die mehr als 50.000 Zuschauer dem Publikumsliebling mit frenetischem Applaus.

"Das war geiler als in London. Ich war schon nervös, denn ich stehe natürlich auch unter Druck. Die Leute sind hoffentlich zufrieden", sagte Harting, der zum dritten Mal in Folge in Berlin gewann: "Alle haben versucht mich zu schlagen. Das war anstrengend, aber ich habe immer an mich geglaubt."

Auf den Spuren Aleknas

Und wie im Vorjahr beendete der 27-Jährige ungeschlagen seine Saison. Bis zum "Weltrekord" des Litauers Virgilijus Alekna fehlen dem Berliner nur noch vier Siege.

Beim ISTAF reichten Harting 67,40 m, um vor Alekna (66,63) und dem Polen Piotr Malachowski (66,17) zu gewinnen.

Insgesamt waren neben Harting alle deutschen Medaillengewinner von London und sieben weitere Olympiasieger am Start.

Dabei erlebten die Besucher mit den Siegen von Harting, Hammerwerferin Betty Heidler und Stabhochspringer Björn Otto drei deutsche Meeting-Erfolge.

Merritt sorgt für Höhepunkt

Aber auch wenn Harting die meisten Ovationen bekam, für das sportliche Highlight hatte Olympiasieger Aries Merritt über 110-m-Hürden gesorgt.

In neuem Meetingrekord von 12,97 Sekunden blieb er lediglich ein Zehntel über dem Weltrekord des Kubaners Dayron Robles.

"Ich werde noch härter an mir arbeiten. Ich bin noch ziemlich jung", sagte der US-Amerikaner, der in diesem Jahr zum sechsten Mal unter der Schallmauer von 13 Sekunden geblieben war: "Der Weltrekord wird passieren. Er ist mein Traum."

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Heidler triumphiert

Als erste Deutsche hatte zuvor Lokalmatadorin und Hammerwurf-Weltrekordlerin Betty Heidler nach ihrer erfolgreichen Olympiarevanche mit der deutschen Flagge feiern dürfen.

"Es ist etwas ganz besonderes, hier zu werfen. Ich hatte Gänsehaut", sagte die gebürtige Berlinerin, aber für Frankfurt startende Olympiadritte.

Mit 75,13 m verwies Heidler die russische Olympiasiegerin Tatja Lysenko (72,39) auf den vierten Platz, die Silbermedaillengewinnerin Anita Wlodarczyk (Polen) kam mit 73,80 hinter Heidler nur Platz drei.

Deutsches Duo dominiert

Einen deutschen Doppelsieg gab es sogar im Stabhochsprung.

Mit 5,78 m gewann der Olympiazweite Björn Otto vor Malte Mohr (Wattenscheid), der 5,68 m überquert hatte. Der Olympiadritte Raphael Holzdeppe (Zweibrücken) musste nach einem Fehlversuch über 5,58 m aufgeben.

"Nach 24 Wettkämpfen ist man natürlich ein bisschen müde, aber vor der olympiareifen Kulisse hier, gibt man natürlich nochmal alles", sagte Otto.

Frühes Ende für Storl

Einen Tag zum Vergessen erlebte dagegen Kugelstoß-Weltmeister David Storl.

Trotz einer Wadenverletzung hatte sich der Olympiazweite aus Chemnitz an den Start gequält, doch nach drei ungültigen Versuchen war sein Auftritt in Berlin bereits schnell vorbei.

Als einziger Kugelstoßer musste er bereits vorzeitig das Stadion verlassen. Humpelnd verschwand er nach dem obligatorischen Autogrammeschreiben in den Katakomben. Es war für den Bundespolizisten der letzte Auftritt in dieser Saison.

"Ich war wirklich angeschlagen, das hat mich ganz schön behindert", sagte Storl, dessen Teilnahme im Vorfeld infrage gestanden hatte: "Man ist auch im Kopf angegriffen, weil man weiß, dass man nicht Vollgas geben kann. Das war mein letzter Wettkampf heute."

Obergföll auf Platz drei

Ohne geglückte Revanche für London blieb auch Speerwerferin Christina Obergföll.

Mit einer Weite von 62,57 m kam die 31-Jährige aus Offenburg hinter der WM-Dritten Sunette Viljoen aus Südafrika (67,52) und London-Gewinnerin Barbora Spotakova aus Tschechien (66, 83) auf den dritten Platz.

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