Robert Harting ist der amtierende Weltmeister und Olympiasieger im Diskuswerfen © getty

Der Berliner will bei seinen Saisonausstand die Chance auf einen besonderen Weltrekord wahren. Derweil ist er ein Werbestar.

Berlin - Zuletzt fachsimpelte Olympiasieger Robert Harting noch mit Stefan Raab über die richtige Diskustechnik und forderte den TV-Moderator zu einem Zehnkampf heraus.

Am Sonntag tritt der deutsche Leichtathletik-Star ein letztes Mal in diesem Jahr in den Ring. Er gehört als Lokalmatador beim Berliner ISTAF zu den acht Olympiasiegern und acht deutschen Medaillengewinnern von Olympia.

Im Olympiastadion will er sich beim ältesten und zuschauerstärksten deutschen Meeting von seinen Fans verabschieden und 26 Tage nach dem Olympia-Gold eine nahezu perfekte Saison krönen.

Niederlage zu Hause? "Das geht nicht"

Mit seinem 33. Sieg in Folge seit 2010 bliebe Harting wie 2011 unbezwungen.

"Das muss einfach sein. Da kann ich einfach nicht verlieren. Die Kollegen frotzeln schon, denn zuhause tut eine Niederlage besonders weh. Das geht nicht", sagte der 27-Jährige und ergänzte: "Wenn euer Haus in Gefahr ist, steht ihr doch auch in Boxershorts und Mistgabel davor und verteidigt es."

Aleknas Bestmarke im Blick

Und mit einem Erfolg würde auch das Fernziel "Weltrekord" weiter Bestand haben.

"38 Siege in Serie wären ganz gut, denn bei 37 liegt der aktuelle Rekord von Virgilijus Alekna", sagte Harting mit Blick auf Litauens zweimaligen Olympiasieger, der zwischen dem 19. August 2005 und 28. Juli 2007 ungeschlagen war.

Zumindest in der Zahl der Tage hat Harting ihn längst überholt.

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Merritt verspricht Topzeit

Aus internationaler Sicht wird vor allem der Auftritt von 110-m-Hürden-Olympiasieger Aries Merritt (12,92 Sekunden) mit Spannung erwartet.

Der US-Amerikaner blieb fünfmal in dieser Saison unter der Schallmauer von 13 Sekunden und dürfte neben der notwendigen Form auch genug Motivation haben.

Beim Meeting vergangene Woche in Lausanne schied er mit dem Weltrekord im Hinterkopf (12,87) durch einen Fehlstart aus und brennt auf Wiedergutmachung.

"Ich will wieder unter 13 Sekunden laufen. Das Wort Weltrekord will ich nicht in den Mund nehmen. Dann passiert immer irgendwas. Ich will mich nicht selbst verfluchen", sagte Merritt.

Internationale Stars

In den Blickpunkt rückte am Donnerstag in Zürich (BERICHT: Bolt fliegt über die Bahn) Hallen-Weltmeister Mohammed Aman (Äthiopien), der den mit Weltrekord-Absichten angereisten Olympiasieger David Rudisha (Kenia) über 800 m in 1:42,53 Minuten schlug.

Auch in Berlin will er Leistung zeigen. Über 400 m Hürden trifft Olympiasieger Felix Sanchez (Dominikanische Republik) auf Weltmeister David Green, im Weitsprung Greg Rutherford (beide Großbritannien) auf Europameister Sebastian Bayer (Hamburg).

Storl tritt wohl an

Im Kugelstoßen wird Weltmeister David Storl voraussichtlich trotz einer Wadenverletzung gegen Polens Star Tomasz Majewski antreten. Dieser hatte ihn im Kampf um Gold in London um drei Zentimeter geschlagen.

"Wir gehen davon aus, dass er in Berlin startet", sagte Meeting-Direktor Gerhard Janetzky. Für das traditionsreiche Meeting sind bisher 52.000 Karten verkauft, insgesamt rechnen die Veranstalter mit 55.000 Besuchern.

PR-Agentur hat viel Arbeit

Die Berliner Fans wollen aber vor allem Lokalmatador Harting sehen, der via Mega-Poster den Berliner Wittenbergplatz dominiert und für das ISTAF wirbt. Der Olympiasieg hat das Medieninteresse an den einzigartigen Typen noch verstärkt.

"Robert Harting ist ein Charaktertyp, er wird als der deutsche Star der Spiele angesehen, das wird bei vielen Anfragen an uns deutlich", sagt Marcel Göllnitz, Sportmarketing-Manager der Beratungs- und Betreuungs-Agentur Triceps.

Das zehn hauptberufliche Mitarbeiter zählende Unternehmen betreut neben Harting auch den zurückgetretenen Biathlon-Star Magdalena Neuner.

"Medien reißen sich um Harting"

Göllnitz macht deutlich: "Sponsoren und Medien reißen sich um Robert Harting. Bis zum Jahresende wird es sicherlich noch etliche neue Werbeverträge geben. Und es werden weitere TV-Auftritte folgen."

Robert Harting ist gefragt, auch weil er kein Blatt vor den Mund nimmt. "Er ist schon ein kantiger Typ. Ganz sicher ist es nicht immer leicht mit ihm", räumt auch Werner Goldmann ein, dessen Name Programm zu sein scheint angesichts der bisher vier Siege bei WM, EM und Olympia.

Auch er ist froh, dass die Saison in Berlin endet: "Zuletzt betrieb Robert nur noch Formerhaltungs-Training."

Rio schon im Kopf

Mit einem Blick ins Jahr 2016 hat Robert Harting dieser Tage auch schon versichert: "Da will ich in Rio mein Gold verteidigen! Und mich dann mit der Medaille an den Strand legen."

Doch er weiß auch: "Ab 30 Jahren fängt es an, schwer zu werden. Wenn es gut läuft, geht es so bis 35." Und wie das Beispiel Alekna beweist: Auch mit 40 kann man noch weltklasse sein.

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