Hammerwerferin Betty Heidler hat bei der WM 2007 in Osaka den WM-Titel gewonnen © getty

Nach ihrer Revanche gegen Tatjana Lysenko will Betty Heidler die 80-Meter-Marke knacken. Die EM dient als Olympia-Vorbereitung.

Daegu - Der Katzenjammer war groß beim WM-Finale von Daegu.

"Ich bin zu 99 Prozent enttäuscht. Es wird lange dauern, bis ich mich über dieses Silber freuen kann", sagte Betty Heidler nach der Hammerwurf-Niederlage gegen die Russin Tatjana Lysenko.

Gut acht Monate danach strotzt die Weltrekordlerin (79,41 m) wieder vor Selbstbewusstsein. (Bericht: Heidler schlägt Weltmeisterin).

"Sie möchte den Konkurrentinnen gerne den ersten 80-m-Wurf einer Frau vorsetzen", sagt Trainer Michael Deyhle, "aber ohne sich Stress zu machen".

Heidler hat über einen Meter Vorsprung

Am WM-Schauplatz Daegu gewann die gebürtige Berlinerin am Mittwoch erstmal die WM-Revanche.

Mit 77,24 m behielt die Weltmeisterin von 2007 und zweimalige WM-Zweite die Oberhand gegenüber Lysenko (76,14).

Für Deyhle "ein glänzender Einstieg in die internationale Wettkampfsaison. Mit 77 Metern hatte ich angesichts der strapaziösen Reisen von Südafrika nach Frankfurt und zwei Tage später nach Korea nicht gerechnet."

Coach warnt vor zu viel Lockerheit

Der Sieg war nach Verarbeitung der WM-Pleite Ausdruck neuer Stärke.

"Eins kann ich sagen: es lag im WM-Finale nicht an den Nerven", hatte die 28-Jährige damals nach ihren schwachen 76,06 m erklärt.

Die Psyche war irgendwie mit im Spiel gewesen, das lässt Michael Deyhle kurz erkennen: "Wir haben es letztes Jahr selbst vergeigt, weil wir zu sicher waren und deshalb zu entspannt ins Finale gegangen sind."

Als sich dann unerwartete technische Probleme einstellten und Lysenko stärker als erwartet auftrumpfte (77,13), ging der Schuss nach hinten los.

Trainingscamp in Südafrika

Inzwischen ist das alles abgehakt. Zweimal war Deyhle mit seinen Werferinnen für knapp vier Wochen in Pretoria im Trainingslager: "Wir haben weiter versucht, die Technik zu verbessern. Es lief alles ziemlich optimal, inklusive zweier Wettkämpfe mit 75,13 m und 76,55 m." (Datencenter: Alles zur Leichtathletik).

Südafrika wurde gewählt, "weil wir gegenüber der Heimat keine Zeitverschiebung haben", sagt Deyhle.

Dennoch nimmt Betty Heidler den Jetlag in den beiden nächsten Wochen bei Wettkampfreisen gleich zweimal in Kauf.

Straffer Terminplan

Am Sonntag startet die erste deutsche Weltrekordlerin seit der Vereinigung bei der World Challenge in Rio de Janeiro, am 2. Juni beim Diamond League-Meeting in Eugene/US-Bundesstaat Oregon.

Dazwischen bestreitet sie die Meetings am 25. Mai in Ostrau/Tschechie und am 27./28. Mai beim Hammerwurf-Meeting im hessischen Frankisch-Crumbach.

Eine Woche nach Eugene wirft die Weltrekordlerin in St. Wendel/Saar, dann folgen schon die deutschen Meisterschaften in Bochum-Wattenscheid (16./17. Juni).

EM dient als Olympia-Vorbereitung

Wenig später geht es zu den Europameisterschaften in Helsinki (27. Juni bis 1. Juli).

"Wir haben uns bei der Saisonvorbereitung erstmals für eine Einfach-Periodisierung entschieden und nehmen die EM wie ein großes Meeting innerhalb unserer Olympia-Vorbereitung", sagt Deyhle.

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