SPORT1-Kolumnist Hans-Joachim Wolff kritisiert den engen Terminkalender der Leichtathleten und befürchtet eine EM ohne Stars.

Diamond League, Europameisterschaft, Olympia: 2012 kommen die Fans der Leichtathletik voll auf ihre Kosten.

Ein Highlight jagt das nächste, und genau das ist das Problem: Zu viel "Futter" verdirbt bekanntlich den Appetit.

Warum zum Beispiel ab sofort alle zwei und nicht mehr wie bisher alle vier Jahre Europameisterschaften stattfinden, erschließt sich auch Leichtathletik-Fachleuten nicht wirklich.

Die letzten EM-Entscheidungen in Helsinki fallen am 1. Juli, also gerade mal gut vier Wochen vor Olympia. Welche Olympiakandidaten und insbesondere welche olympischen Medaillenkandidaten werden in der Lage sein, sich bei zwei so dicht aufeinanderfolgenden Großereignissen in Topform zu präsentieren ?

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Ganz sicher nur ganz wenige - am ehesten vielleicht noch die Stars in den technischen Disziplinen. Das wiederum könnte deutsche Leichtathletik-Anhänger freuen, zählen doch hierzulande vor allem Speerwerfer/innen, Kugelstoßer/innen und Diskuswerfer/innen zur Weltklasse.

Aber auch die müssen - bevor sie zur EM oder zu Olympia fahren dürfen - Qualifikationsnormen erfüllen, die in vielen Disziplinen durchaus anspruchsvolle Leistungen verlangen.

Was folgt daraus? Die Besten der Szene werden sich in diesem Jahr darauf konzentrieren, bei Olympia dabei zu sein. Auf dem Weg nach London sind eine frühzeitige Normerfüllung und ein systematischer Trainingsaufbau wichtig.

Eine Europameisterschaft kurz vor dem Saisonhöhepunkt wird deshalb für viele nur eine - eher "störende" - Durchgangsstation sein.

Somit besteht - zumindest in olympischen Jahren - die Gefahr, dass nur noch die "zweite Athletenreihe" um EM-Medaillen kämpfen wird.

Schade eigentlich. Und wieder ein Beispiel dafür, wie man mit der Einführung von immer noch mehr Wettkämpfen und schlechter Terminierung ein attraktives Großereignis wie eine Europameisterschaft systematisch "entwerten" kann.

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