Nick Hein wechselte vom Judo zum Mixed Martial Arts © getty

Ex-Judoka Nick Hein heuert nach einer schlimmen Demütigung beim Mixed Martial Arts an. In Berlin steigt sein großer Auftritt.

Berlin - Den entscheidenden Moment seines Karriereknicks hat Nick Hein noch genau vor Augen. Es war 2007 beim Weltcup in Russland. Im finalen Kampf führte der Judoka aus Köln, doch dann wurde der Blondschopf in letzter Sekunde durch einen Ippon auf den Rücken geworfen.

Der Kampf war verloren, Olympia 2008 futsch und das Ticket für Peking erhielt Kumpel Ole Bischof, der in Chinas Metropole Olympiasieger wurde.

"Ole Bischof war der Mann, der unseren Sport in der Gewichtsklasse bis 81 kg dominiert hat. Er hat mir den ein oder anderen Traum vor der Nase weggeschnappt", sagte Hein.

Profi-Deal bei der UFC

Doch nach dem Weltcup in Russland war der ewige Zweite mit seiner Geduld am Ende. Er quittierte den Dienst und wechselte ins Lager der Mixed-Martial-Arts-Kämpfer.

Neben seinem Job als Bundespolizist schuftete Hein täglich im Trainingsraum und wurde im März 2014 dafür belohnt. Die Ultimate Fighting Championship (UFC), weltweit größter und bekanntester Ausrichter von MMA-Fights, bot ihm einen Profi-Deal über sechs Kämpfe an.

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Den ersten hat er diesen Samstag im Rahmen der großen UFC-Nacht vor 12.000 Besuchern in der Berliner O2-World.

Starke Bilanz für Hein

"Manchmal muss ich mich kneifen, um das alles zu glauben", sagt der Familienvater, der mit seiner japanischen Frau und seinem Sohn in Köln lebt. Die Chefs der UFC wissen nur zu gut, dass sie für den Erfolg auf dem deutschen Markt einen Lokalmatador präsentieren müssen.

"Jede Nation will einen eigenen Athleten haben, der ihre Flagge durch die Arena trägt. Nick Hein ist eine neue Hoffnung für uns", sagt UFC-Marketing-Direktor Garry Cook.

Bislang bestritt Hein zwölf Kämpfe als Profi, gewann davon zehn. Einmal wurde der Kampf nicht gewertet. Seinen Gegner von Samstag kennt er nur aus dem Video. "Er ist zweimaliger Thaibox-Weltmeister und sicher eine harte Nuss", meint Hein über den 25 Jahre alten US-Amerikaner Drew Dobner.

Hein wettert gegen Kritik

Natürlich habe er als gelernter Judoka seine Stärken am Boden, doch darauf solle man sich nicht verlassen, warnte Hein: "Ich lasse mich gerne kategorisieren. Dann rechnet man mit einer Taktik, die ich wiederum durchbreche. Da lasse ich auch mal gerne im Stehen die Fäuste fliegen."

Geradezu wütend macht den Aufsteiger die anhaltende Kritik in den Medien an seinem Sport, der vielen zu brutal ist. "Da haben einige Journalisten ihre Hausaufgaben nicht gemacht", wetterte der Rheinländer. Nach wie vor ist er vom Durchbruch des umstrittenen Mehrkampfes auch in Deutschland überzeugt, auch wenn das Fernsehen bislang nicht mitzieht.

"Ich glaube, dass die Dynamik und Explosivität unserer Sportart auf Dauer nicht zu verstecken ist. Die Leute wissen, dass es eine Kampfsportart gibt, die mehr Action bietet, als alles das, was im Fernsehen angeboten wird."

UFC will härter durchgreifen

Hein findet es richtig, dass sich sein Sport weiter wandelt und entschärft wird. Vor allem durch das so genannte "Ground and Pound", dem Schlagen auf Kopf oder Körper des am Boden liegenden Gegners, stehe MMA am Pranger. Die UFC wolle hier härter durchgreifen. (SHOP: Jetzt Kampfsport-Artikel kaufen)

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"Die Kampfrichter sind angehalten, darauf zu achten, dass sich der Untermann, wenn er geschlagen wird, intelligent verteidigt", erklärt Hein. Der Unterlegene müsse Aktionen zeigen, sonst werde der Kampf frühzeitig abgebrochen.

Gänsehaut-Einmarsch in Berlin

Mittlerweile ist Hein einer der Stars der Szene und will Deutschland am Samstag beweisen, dass er ein Sieger-Typ ist. Nach einem "Gänsehaut-Einmarsch" verspricht der Aufsteiger für den Käfigkampf ein "Feuerwerk der Techniken und Attacken".

Am Ende soll sein Arm in die Höhe gereckt werden. Und unten am Ring applaudiert dann ein Kumpel, der nicht gerade schuldlos daran war, dass aus Nick Hein ein erfolgreicher Mixed-Martial-Arts-Fighter geworden ist: Ole Bischof.

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