Mülders (l.) ist der Damen-, Weise (r.) der Männer-Bundestrainer © SPORT1

Markus Weise und Jamilon Mülders setzen auf einen Führungsstil der Marke strenger Kumpeltyp. Der Erfolg gibt beiden Recht.

Von Andreas Reiners

Der größte Fan der deutschen Hockey-Damen ist ihr Trainer. Auch wenn es nicht unbedingt Liebe auf den ersten Blick war.

"Ich genieße die Zeit als Damentrainer, obwohl ich zunächst gezögert habe. Die Mannschaft zeichnet Klarheit und Lernfähigkeit aus, ein gutes Miteinander - selbst unter Stresssituationen. Es ist ein sehr angenehmes Arbeiten, das ich unglaublich genieße", sagte Bundestrainer Jamilon Mülders SPORT1 vor dem Auftakt der Hockey-WM in Den Haag (31. Mai bis 15. Juni LIVE im TV auf SPORT1, im LIVE-TICKER und in der SPORT1-App).

Mülders anfangs skeptisch beäugt

Eineinhalb Jahre ist er nun im Amt. Angetreten war er nach der Olympia-Enttäuschung mit dem Ziel, eine starke Truppe mit Zukunft aufzubauen (Service zur WM: SPORT1 erklärt Hockey).

Skepsis schlug ihm entgegen. Doch Mülders ließ sich nicht beirren. Und hat in seiner Amtszeit viel verändert. Behutsam. Sorgfältig. Vorausschauend. Und vor allem nachhaltig.

Das Resultat sieht man auf dem Feld. 2012 in London liefen noch "scheue, verängstigte, desorientierte Kinder, Mädchen und Frauen" - so Mülders - herum. Damals landeten die deutschen Damen unter seinem Vorgänger Michael Behrmann auf einem enttäuschenden siebten Platz. Knapp ein Jahr später marschierte die DHB-Auswahl überzeugend zum EM-Titel.

Neues Selbstwertgefühl

Das Erfolgsgeheimnis? Mülders hat die Mannschaft mit einem neuen Selbstwertgefühl ausgestattet.

"Wir spielen nach vorne und haben auch den Mut, Fehler zu machen", betont er.

Schauten die Hockey-Damen früher vor allem darauf, was der Gegner macht, soll es heute genau umgekehrt sein. Seine Truppe will dem Kontrahenten das eigene Spiel aufzwingen.

Neue Philosophie

Wirkten Erfolge in der Vergangenheit manchmal zufällig, so sind sie heute das Ergebnis harter Arbeit und Veränderungen. Die sich auszahlen: Der Sohn einer deutschen Mutter und eines äthiopischen Vaters impfte dem Team eine neue Philosophie ein.

Risikoreicher, spielerischer, mit noch mehr Zug nach vorne. Personell drehte er an ein paar wenigen Stellschrauben und holte beispielsweise Routinier Tina Bachmann zurück. Oder beorderte Spielführerin Julia Müller von der Abwehr ins Mittelfeld.

Strenger Kumpeltyp

Mülders, 38 Jahre alt, impulsiv, streng und trotzdem ein Kumpeltyp, macht harte Vorgaben und fordert viel Eigenverantwortung. Im Gegenzug lässt er seiner Mannschaft viele Freiräume. Funktioniert alles, gibt es keine Probleme. Falls nicht, wird durchgegriffen.

Parallelen zu Herren-Bundestrainer Markus Weise sind dabei nicht komplett zufällig.

Inspiriert wurde Mülders von dem früheren Nationaltrainer Bernhard Peters, mit dem er als Spieler 2002 Weltmeister wurde. Und Weise assistierte er, als der noch Trainer der Damen war.

Große Erfolgsstory

Weise reifte beim DHB zum Erfolgscoach: 2004 wurde er mit den Damen Olympiasieger, mit den Herren wiederholte er das Kunststück 2008 und 2012. Dazwischen: Vize-Weltmeister 2010, Europameister 2011 und 2013 sowie Sieger bei der Champions Trophy 2007 mit den Herren (SHOP: Jetzt Hockey-Artikel kaufen).

Weise gilt als gewiefter Taktiker und akribischer, detailversessener Stratege. Der 51-Jährige setzt auf Mitbestimmung, Eigenverantwortung und holt die Spieler mit ins Boot.

Doch sein Konzept griff nicht sofort.

Schmerzhafter Prozess

Der Wachstumsprozess sei manchmal schmerzhaft gewesen, die Reibungspunkte zahlreich, sagte er einmal. Auch Weise spürte Skepsis, als die Ergebnisse nicht stimmten. Doch Mannschaft und Trainer fanden zusammen.

Deshalb ist Weise auch entspannt, dass die Vorbereitung auf die WM nicht reibungslos verlief. "Unsere Stärken und Schwächen sind eigentlich immer die gleichen. Die Frage ist: Kriegen wir es bei der WM auf die Wiese? Wir brauchen die Turnierspiele sehr dringend für die Weiterentwicklung. Wir müssen uns noch an das Niveau anpassen", sagte Weise. Die Gruppenphase als erweiterte Vorbereitung also.

Das Ziel? Trotzdem eigentlich wie immer: "Wir wollen ins Halbfinale kommen und wenn wir da sind, wollen wir auch gewinnen. Das ist auch realistisch. Aber es wird superhart. Wir müssen erstmal ins Halbfinale und dann ist es abhängig von der Tagesform und Glück."

Gestiegene Erwartungen

Bei den Damen sind die Erwartungen inzwischen auch gestiegen. Für Mülders Geschmack fast schon zu sehr.

"Wir haben ein erfolgreiches und überraschendes Jahr 2013 gespielt. Zuerst wurde Schwarzmalerei betrieben, jetzt ist es das andere Extrem", so Mülders über die gestiegene Erwartungshaltung.

Doch gleichzeitig stellt er klar: "Entscheidend ist, was wir intern für uns festlegen. Wir sind nicht WM-Favorit."

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