Tobias Hauke wurde 2012 mit Deutschland Olympiasieger © imago

Im Interview mit SPORT1 spricht Tobias Hauke über seine Arbeit beim HSV, seine Maske und die deutsch-niederländische Rivalität.

Von Tobias Wiltschek

München - Tobias Hauke ist endlich auf dem Weg nach Den Haag.

Mit einem Kleinbus haben sich die Hamburger Hockey-Nationalspieler am Mittwoch Richtung Weltmeisterschaft aufgemacht (Service zur WM: SPORT1 erklärt Hockey).

Im Gepäck des Welthockeyspielers auch das derzeit wichtigste Utensil: eine Gesichtsmaske. Anfang Mai brach Tobias Hauke im Training der Schädelknochen.

Rund vier Wochen später kann der Welthockeyspieler des Jahres trotzdem mit Deutschland bei der Hockey-WM (32 Spiele live im Free-TV, dazu alle Partien der Teams des Deutschen Hockey-Bundes im LIVE-TICKER und in der SPORT1-App) auf Medaillenjagd gehen.

Bei SPORT1 spricht Tobias Hauke über seine Arbeit beim Hamburger SV, die Gesichtsmake und die deutsch-niederländische Rivalität.

SPORT1: Was hat Ihnen in den vergangenen Wochen mehr Schmerzen bereitet: ihr Gesicht oder der HSV?

Tobias Hauke: Das sind unterschiedliche Schmerzen gewesen. Das ist schwer zu vergleichen. Kräftezehrender war tatsächlich die Lage des HSV. Nach dem Klassenerhalt kann ich jetzt aber ganz entspannt zur WM fahren und den HSV mal ein paar Wochen hinten anstellen.

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SPORT1: Auf Ihrem Facebook-Profil posteten Sie direkt nach Ihrer Verletzung fürchterlich aussehende Bilder von sich. Wie waren die Reaktionen darauf?

Hauke: Ich habe noch nie zuvor so viel Feedback aus den sozialen Medien bekommen. Die Bilder waren natürlich auch etwas extremer als ein normales Bild, das einen lachend auf dem Hockeyplatz zeigt. Ich habe sehr viele Genesungswünsche bekommen, aus Deutschland und anderen Nationen. Das freut einen natürlich sehr.

SPORT1: Wie hat die Verletzung Ihr Training beeinträchtigt?

Hauke: Natürlich ist es ungewohnt, nach einer Vollnarkose wieder Leistungssport zu betreiben. Aber ich habe nur eine Woche keinen Sport gemacht. Danach war nur leichtes Training möglich, weil der Schweiß nicht in die Wunde kommen durfte. Ich habe vor einer Woche die Fäden gezogen bekommen und bin dann sofort wieder voll ins Training eingestiegen.

SPORT1: Und wie sah es im Alltag aus?

Hauke: Da ich zehn Tage nicht arbeiten gehen durfte, hatte ich mal ein wenig Zeit, mich zu entspannen. Aber ich war natürlich eingeschränkt. Ich durfte nicht duschen, bis die Fäden draußen waren. Beim Schlafen musste ich in der ersten Woche den Kopf immer oben halten. Das heißt, ich musste auf dem Rücken schlafen, mit zwei oder drei Kissen.

SPORT1: Sie haben zuletzt mit einer Maske gespielt. Was halten Sie davon, die nun dauerhaft zu tragen und wie der NBA-Profi Richard Hamilton oder Petr Cech seinen Kopfschutz zum Markenzeichen zu machen?

Hauke: Die Maske, die ich habe, ist schon überragend. Die wiegt fast gar nichts. Die ist mit einem Gipsabdruck genau auf mein Gesicht angepasst worden. Was den Schutz angeht, ist das super. Aber man schwitzt natürlich unter der Maske, auch das Sichtfeld ist ein wenig eingeschränkt. Ich kann mir also nicht vorstellen, das dauerhaft zu tragen (SHOP: Jetzt Hockey-Artikel kaufen).

SPORT1: Werden wir Sie denn bei der WM mit Maske sehen?

Hauke: Ich gehe davon aus. Hundertprozentig sagen kann ich es aber noch nicht, weil die Heilung sehr gut verlaufen ist. Die Ärzte in Hamburg haben gesagt, dass es aus medizinischer Sicht möglich wäre, ohne Maske zu spielen. Aber ich kann mir schon gut vorstellen, dass ich mit Maske spiele, auch aufgrund des Sicherheitsgefühls. Mit Maske kann ich besser in die Zweikämpfe gehen und habe weniger Hemmungen, zurückzuziehen. In den beiden vergangenen Testspielen werde ich ausprobieren, wie es mit und wie es ohne Maske geht. Danach werde ich mich entscheiden.

SPORT1: Deutschlands WM-Vorbereitung war alles andere als optimal: Neben Ihrer Verletzung gehen auch Oliver Korn nach einem Blinddarmdurchbruch und Maximilian Müller nach einer Achillessehnen-Operation angeschlagen ins Turnier. Christopher Zeller hatte monatelang wegen seines Jura-Examens kaum trainiert. Warum holt Deutschland dennoch Gold?

Hauke: Weil es bei Turnierbeginn keinen mehr interessiert, was vorher war. Wir hätten auch lieber eine bessere Vorbereitung gehabt. Wir haben wieder eine sehr starke Mannschaft zusammen. Ich glaube, dass wir es schaffen können, rechtzeitig so fit zu sein, dass wir uns von Spiel zu Spiel steigern können. Meistens wird nicht derjenige Weltmeister, der in den ersten Spielen am besten spielt, sondern der, der es schafft, sich kontinuierlich zu verbessern. Ich glaube auch, dass Oliver Korn und Maximilian Müller genau im richtigen Moment topfit sein werden.

SPORT1: In Den Haag geht es gegen 15.000 frenetische niederländische Fans. Wie würden Sie die Rivalität mit dem Nachbarn im Vergleich zu der im Fußball beschreiben?

Hauke: Wir sind zwei große Hockey-Nationen, die sich auch in der Vergangenheit schon um große Titel gestritten haben. Im Fußball ist es ja ähnlich. Wenn die beiden gegeneinander spielen, ist die Rivalität besonders groß. Genauso ist das bei uns. Wir machen auch häufig Trainingsspiele gegen die Holländer, weil der Weg kurz ist und die Kosten nicht so hoch sind. Man kennt sich dann auch so gut, dass man den einen oder anderen auch mal provozieren kann.

SPORT1: Welche Atmosphäre erwarten Sie bei dem Duell in Den Haag?

Hauke: Sie dürfen in einem riesigen Stadion zu Hause spielen. Bei der Fan-Kultur, die es in Holland in allen Sportarten gibt, werden sie bis in die letzte Haarspitze motiviert sein. Deswegen können Sie davon ausgehen, dass das Stadion stimmungsmäßig explodieren wird. Ich würde mich freuen, wenn wir in den K.o.-Spielen auch noch einmal gegeneinander spielen.

SPORT1: Ihr Job in der Pressestelle des HSV ist in jedem Fall bemerkenswert. Wie bekämpfen Sie den Neid, wenn Jungmillionäre wie Hakan Calhanoglu vorbeilaufen?

Hauke: Für mich ist das überhaupt kein Neid. Fußball ist nun mal unser Gesellschaftssport Nummer 1. Auch ich schalte jeden Abend den Fernseher ein, wenn Fußball läuft. Wer diesen Sport verfolgt, weiß auch, dass die Jungs viele Sachen entbehren müssen und unter großem öffentlichen Druck stehen. Durch meine Arbeit kann ich das hautnah miterleben. Ich glaube, dass man da auch von Schmerzensgeld reden kann.

SPORT1: Im Fall einer WM-Medaille gäbe es doch bestimmt eine Prämie: Wie viel davon würden Sie in die neuen Aktien der ausgegliederten HSV-Fußballabteilung stecken?

Hauke: Für uns ist so eine Prämie natürlich schön. Aber so hoch wird sie nicht ausfallen, dass ich dafür große Aktienanteile kaufen könnte. Als Mitarbeiter weiß ich auch gar nicht, ob ich überhaupt Aktien kaufen darf. Aber sollte ich es mir irgendwann leisten können, wie auch immer den HSV finanziell zu unterstützen, würde ich mir darüber Gedanken machen.

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