Moritz Fürste gewann mit der Hockey-Nationalmannschaft zwei mal Olympisches Gold
Moritz Fürste gewann 2008 in Peking und 2012 in London Olympia-Gold © imago

Moritz Fürste glaubt trotz Kreuzbandriss an die WM. Mit SPORT1 spricht er über eine uncoole Vorbereitung und wilde Partys.

Von Marcus Friedrich

München - Moritz Fürste hat anstrengende Wochen hinter sich.

Im März riss sich der Welthockeyspieler von 2012 das Kreuzband.

Seitdem schuftet er für ein schnelles Comeback.

Denn der zweimalige Olympiasieger will bei der Weltmeisterschaft in Den Haag (ab 31. Mai LIVE im TV auf SPORT1) dabei sein und seinen nächsten Titel holen. (Alles zur Hockey-WM gibt es auch im Teletext auf den Seiten 184 - 199)

Am Sonntag gibt Bundestrainer Markus Weise das WM-Aufgebot bekannt.

Dann entscheidet sich, ob der 29-Jährige den Kampf gegen die Uhr gewonnen hat.

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Vorab spricht der Nationalspieler im exklusiven SPORT1-Interview über die Chancen der deutschen Hockey-Herren, Parallelen zu Olympia 2012, eine uncoole Vorbereitung sowie ausschweifende Partys.

SPORT1: Herr Fürste, Sie haben sich im März das Kreuzband gerissen. Wie geht es ihnen?

Moritz Fürste: Mir geht es sehr gut. Der Prozess, wieder fit zu werden, war in den vergangenen zehn Wochen sehr intensiv und es gab Höhen und Tiefen. Jetzt geht es in die entscheidende Phase. Ich glaube fest daran, es bis zur WM zu schaffen. Ich hab mein Möglichstes getan, meine Werte stimmen. Wäre das nicht der Fall, hätte ich abgesagt. Jetzt muss der Trainer entscheiden.

SPORT1: Denken Sie im Training noch über jede Bewegung nach oder können Sie die Verletzung gut ausblenden?

Fürste: Ich bin ein Typ, den so etwas nicht lange beschäftigt. Mir helfen in diesem Fall aber auch meine Erfahrungswerte. Vor Olympia 2012 hatte ich mir die vorderen Kreuzbänder gerissen. Zwar hatte ich damals etwas mehr Zeit, aber ich weiß, dass es kein Wunschdenken von mir ist, wieder komplett fit zu werden. Wenn ich dabei bin, dann auch zu 100 Prozent fit. Das hab ich dem Team und dem Trainer versprochen.

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SPORT1: Doch nicht nur Sie sind verletzt: Welthockeyspieler Tobias Hauke ist im Gesicht verletzt und muss mit Maske spielen, dazu ist Oliver Korn angeschlagen. Kann das Team das kompensieren?

Fürste: Beide Spieler sind extrem wichtig für unser Team. Tobi hat trotz seiner schweren Gesichtsverletzungen fast keine Athletik verloren. Auch Oliver ist auf den Weg zurück. Letztendlich haben aber alle Spieler die Aufgabe, so fit zu sein, dass sie sieben Spiele in 14 Tagen durchstehen können.

SPORT1: Markus Weise beklagte die nicht optimale WM-Vorbereitung und spricht sogar davon, dass das Team Prügel kassieren könnte. Glauben sie das auch?

Fürste: Das ist mir ehrlich gesagt egal. Selbst wenn es in der Gruppe gegen Holland auf die Mütze geben sollte, können wir das verkraften. Es gab seit 2008 eigentlich nie ein ganz perfektes Turnier. Es war aber immer eine unserer Stärken, sich nicht von einem schlechten Ergebnis unterkriegen zu lassen.

SPORT1: Das Vier-Länder-Turnier könnte ein entscheidender Gradmesser Richtung WM werden: Wie wichtig sind Testspiele gegen starke Gegner wie Belgien, England und Dauerrivale Niederlande?

Fürste: Dieses Vorbereitungsturnier ist für uns wahnsinnig wichtig, vielleicht sogar so wichtig wie nie zuvor. Seit März hatten wir kein Testspiel mehr und natürlich einige verletzte Spieler. Viele brennen richtig auf ihre Einsätze.

SPORT1: Werfen wir mal kurz einen Blick rüber zu den Fußballern. Die Vorbereitung der DFB-Elf auf ein großes Turnier ist bestens bekannt. Wie muss man sich die WM-Vorbereitung des Hockeynationalteams vorstellen?

Fürste: Man kann sich so eine Vorbereitung wie beim Fußball vorstellen, nur ohne die coolen Sachen. Es gibt keine tollen Hotels, spannende Orte oder Quadfahren am Strand. Wir waren jetzt gemeinsam in Köln. Da hatten wir täglich vier Trainingseinheiten. Jetzt geht es zum Vier-Länder-Turnier nach Düsseldorf. Danach haben wir noch neun Tage frei vor dem Turnierstart. In dieser Phase bereitet sich jeder noch individuell vor.

SPORT1: Anders als die Fußballer verdienen die Hockey-Nationalspieler ihr Geld nicht hauptberuflich mit dem Sport. Muss man für so ein langes Turnier seinen Jahresurlaub nehmen?

Fürste: Das gibt es wirklich. Die meisten sind einfach auf großes Verständnis vom Arbeitgeber angewiesen. Es gibt immer mal wieder Probleme, aber die meisten haben glücklicherweise Jobs, wo sie voll unterstützt werden. Wir haben aber auch viele Studenten, die können sich es eh am besten einteilen.

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SPORT1: Hockey fristet in vielen Medien ein Schattendasein. SPORT1 überträgt nun die WM. Hoffen sie durch die TV-Präsenz auf ein größeres Interesse an ihrer Sportart?

Fürste: Ich bin mir zu 100 Prozent sicher, dass dies auch gelingt. Dass unser Sport bei SPORT1 im Free-TV läuft, ist ein ganz wichtiger Schritt. Nur so kann sich die Sportart weiterentwickeln. Ich glaube, dass wir schon 14 Tage vor der Fußball-WM ein Fieber entfachen könnten und die Leute schon einmal etwas früher ihr Trikot überstreifen!

SPORT1: So ein Fieber wird ja meist durch tolle Spiele und große Erfolge ausgelöst. Ist der Olympiasieger Deutschland der Favorit?

Fürste: Mit Holland, Australien, Belgien und uns gibt es vier Teams, die alle den Anspruch und auch die Qualität haben, Weltmeister zu werden. Es ist - glaube ich - relativ sicher, dass der Titel unter den vier Teams ausgemacht wird. Wir werden alles geben, um den Titel zu holen.

SPORT1: Sollte dies gelingen, können Sie uns wieder eine ausschweifende Party wie in London auf der MS Deutschland versprechen?

Fürste: Bis jetzt habe ich davon nur gelesen. Aber ich wäre wirklich mal gerne bei einer dieser Feiern dabei. Vielleicht gibt es ja diesmal so eine Party. Es muss ja nicht unbedingt auf einem Schiff sein. Schließlich ist Den Haag keine Hafenstadt.

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