Marie Mävers debütierte 2010 für die deutsche Nationalmannschaft © imago

Die DHB-Frauen greifen bei der EM in Belgien nach dem Titel. Das Halbfinale gegen den Gastgeber wird zur Zitterpartie.

Boom - Feuertaufe bestanden: Die deutschen Hockey-Frauen haben bei der EM im belgischen Boom Nervenstärke bewiesen und sind ins Finale eingezogen.

Erst nach Penaltyschießen setzte sich das Team von Bundestrainer Jamilon Mülders gegen Gastgeber Belgien mit 4:2 (2:2/1:1) durch (SERVICE: Ergebnisse und Tabellen der Hockey-EM). Im Kampf um Gold am Samstag (16 Uhr) wartet nun England.

Nicht nur Mülders sah vor rund 3500 Zuschauern im Braxgata Hockey Klub ein nervenaufreibendes Spiel. Sogar den Kaffee bei der Pressekonferenz lehnte der Coach ab:

"Ich habe noch genug Adrenalin". Dabei war sein Team zunächst durch ein Eigentor von Anne-Sophie de Scheemaekere (17.) in Führung gegangen, hatte aber noch vor der Pause den Ausgleich durch Jill Boon (29.) kassiert.

"In der zweiten Hälfte hätten wir uns nicht beklagen können, wenn Belgien noch ein, zwei Tore gemacht hätte", sagte Mülders.

Kulisse beflügelt Gastgeber

Das Team um Spielführerin Julia Müller geriet in der 40. Minute durch einen Treffer von Charlotte de Vos in Rückstand und dadurch in Bedrängnis.

"Belgien hat auch durch die Kulisse wie beflügelt gespielt. Wir haben das Spiel aber zwischenzeitlich selbst aus der Hand gegeben", sagte Janne Müller-Wieland.

Mävers rettet DHB-Team

Erst eine Strafecke, bezeichnenderweise die erste im Spiel, brachte den ersehnten Ausgleich. Marie Mävers brachte ihre Mannschaft in der 68. Minute ins Penaltyschießen.

"Das Spiel ist nunmal nicht nach 68, sondern erst nach 70 Minuten um", sagte Mülders, der auf die Leistung seiner Torhüterin Kim Platten sehr stolz sein konnte.

Mülders lobt Matchwinnerin Platten

Die deutsche Nummer eins vereitelte gleich vier Schüsse der Belgierinnen, die im entscheidenden Moment keinen einzigen Treffer landen konnten.

"Entscheidend ist, dass sie da ist, wenn man sie braucht. Sie hat heute hervorragend gehalten. Es ist ein gutes Gefühl, sie zu haben", sagte Mülders über die Schlussfrau von Bundesligist Münchner SC.

Verjüngtes Team überzeugt

Die deutlich verjüngte deutsche Auswahl zeigte bei der EM bislang eine überzeugende Leistung. Auf dem Weg ins Halbfinale hatte das Mülders-Team alle Vorrundenspiele gewonnen.

Unter anderem schlugen Müller und Co. den EM-Dritten England. Dies war den Frauen in einem Turnierspiel zuletzt 2009 gelungen.

Neuauflage von 1991 im Finale

Nach dem enttäuschenden siebten Platz bei den Olympischen Spielen in London hatte der DHB den Umbruch vollzogen und mit Mülders einen jungen Coach mit neuen Ideen zum Chef gemacht. Nur sechs der 18 Akteurinnen waren in London dabei.

Nun kommt es im Endspiel in Boom zur Neuauflage des Finales von 1991. Damals standen sich England und Deutschland in Brüssel gegenüber, die Engländerinnen gewannen mit 2:1 und holten sich ihren bisher einzigen europäischen Titel.

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