Jonas Swiatek (l.) verliert mit Deutschland 1:2 gegen die Gastgeber aus Belgien © getty

Nach der Auftakt-Niederlage droht dem Olympiasieger bereits das Vorrunden-Aus. Der Bundestrainer ist jetzt als Psychologe gefragt.

Boom - Selbst nach der Auftaktpleite seiner Goldjungs war Hockey-Bundestrainer Markus Weise noch die Ruhe selbst.

Dabei steht der Olympiasieger bei der Europameisterschaft im belgischen Boom nach dem Fehltritt schon gewaltig unter Druck.

Nach der überraschenden, aber verdienten 1:2-Niederlage gegen den Gastgeber ist am Montag im zweiten Vorrundenspiel gegen den Olympiasechsten Spanien ein Sieg Pflicht. (SERVICE: Ergebnisse und Tabellen der Hockey-EM)

"Nun sind wir gegen die Spanier in der Situation, gewinnen zu müssen. Aber das ist nicht schlimm. Wir sind ja nicht zu dieser EM gefahren, um Spiele zu verlieren", sagt Weise.

Gelassenheit Weises Stärke

Die Gelassenheit zieht der Trainer, der dreimal in Folge seine Teams zum Olympiasieg führte, aus der jüngeren Vergangenheit.

Zumal Weises Mannen immer dann am stärksten sind, wenn sie mit dem Rücken zur Wand stehen.

2012 in London kassierten sie gegen "Oranje" ihre erste Niederlage bei Olympischen Spielen unter Weise. Danach bezwangen sie im Halbfinale Top-Favorit Australien und revanchierten sich im Finale an den Niederlanden - Olympiasieg.

Wie 2008, als sie erst über die Ausscheidung nach Peking gelangten - und Gold holten.

"Es kommen ja noch zwei"

Deshalb macht sich auch Kapitän Moritz Fürste keine großen Sorgen.

"Wir haben jetzt ein Spiel verloren, aber es kommen ja noch zwei", sagt der 28-Jährige.

Nach der Begegnung mit Spanien folgt am Mittwoch noch das Spiel gegen Außenseiter Tschechien.

Faden nach Führung verloren

Dabei sah es gegen Belgien vor fast ausverkauften Rängen im Braxgata Hockey Klub zunächst so aus, als würde Titelverteidiger Deutschland seiner Favoritenrolle gerecht. In der sechsten Minute erzielte Mats Grambusch per Stecher die Führung, doch dann verlor der Rekordchampion den Faden, Belgien drehte das Spiel noch vor dem Wechsel.

Beide Treffer erzielte Spezialist Tom Boon per Strafecke.

"Wir haben nach gutem Start jegliche Griffigkeit vermissen lassen. Die Belgier haben dann ihren Heimvorteil gut genutzt, waren heiß wie Frittenfett", analysiert Weise.

Genau das könnte das Problem sein.

Anders als den Hausherren, die sogar von König Philippe angefeuert wurden, fehlte es der DHB-Auswahl vielleicht ein wenig an der Motivation, sich bis zum Äußersten zu gehen.

Deutsches Team im Dauerstress

Weises Mannschaft ist durch die Änderungen des Hockey-Weltverbandes FIH seit Wochen im Dauerstress.

Ursprünglich war die EM das Qualifikationsturnier für anstehende Großereignisse wie WM oder Olympia, doch in diesem Jahr mussten die Männer ihr Ticket für die WM 2014 in Den Haag beim Drittrunden-Turnier der World League lösen.

Und weil dem Deutschen Hockey-Bund (DHB) das Geld für die Ausrichtung der Veranstaltung fehlte, flog die Mannschaft kurzerhand nach Malaysia.

Nach dem Turniersieg und der damit verbundenen erfolgreichen WM-Qualifikation stand kurz darauf bereits die EM-Vorbereitung an.

Weise ist als Psychologe gefragt

Das erklärte Saisonziel ist damit bereits erreicht.

Es geht für die deutschen Mannschaften in Boom damit "nur" noch um den EM-Titel. Da ist Weise als "Psychologe" gefragt, um seine Schützlinge noch einmal zu kitzeln.

Dass die Mannschaft das Sieger-Gen besitzt, hat sie schon oft unter Beweis gestellt, nur muss sie es diesmal auch finden.

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