Bundestrainer Markus Weise will nach der Pleite gegen Argentinien eine Reaktion sehen
Markus Weise feierte in London seinen dritten Olympiasieg in Folge © getty

Bundestrainer Weise blickt bei SPORT1.fm angriffslustig auf die EM in Belgien, glaubt aber nicht an einen Popularitätsschub.

Von Jonas Nohe

München - Boom heißt die kleine belgische Stadt in der Nähe von Antwerpen, in der ab Samstag die gemeinsamen Europameisterschaften der Hockey-Damen und -Herren steigen.

Wie eigentlich immer zählen die deutschen Nationalmannschaften zu den Favoriten - vor allem die Herren, die nicht nur als Weltranglisten-Erster, sondern auch als Rekord-Europameister und Titelverteidiger im Braxgata Hockey-Club antreten.

Und auch wenn der Name des Austragungsortes fast wie ein Versprechen klingt - einen nachhaltigen Boom rund um das deutsche Hockey wird wohl auch diese EM nicht auslösen.

"Letztendlich sind wir eine Sportart, die nur die eigenen Leute auf die Anlage bekommt", macht sich Bundestrainer Markus Weise im Interview mit SPORT1.fm keine Illusionen.

Beeindruckende Erfolgsbilanz

Und das trotz einer mehr als beeindruckenden Erfolgsbilanz der Hockey-Herren bei den letzten Großereignissen: Olympiasieger 2008 und 2012, Weltmeister 2006, Vize-Weltmeister 2010, Vize-Europameister 2009, Europameister 2011.

Alles kein Grund für Weise, sich auf den Lorbeeren vergangener Tage auszuruhen.

"Wir verteidigen keine Titel, sondern wir greifen an", gibt er eine offensive Marschroute vor. Vom EM-Titel 2011 könne man sich heute nichts mehr kaufen.

Pleite im letzten Test

Die Generalprobe für die EM bestätigt ihn: Gegen Gastgeber Belgien setzte es eine deutliche 0:5-Schlappe - und das, obwohl man am Vortag gegen denselben Gegner noch mit 5:2 die Oberhand behalten hatte.

Für Weise kam die Pleite gegen den Weltranglisten-Neunten allerdings nicht ganz überraschend.

"Belgien schätze ich superstark ein. Die haben dieses Jahr zwei Mal Australien (Weltranglisten-Zweiter, Anm. d. Red.) und auch Holland (Weltranglisten-Dritter, Anm. d. Red.) geschlagen und sind inzwischen eine absolute Weltklassemannschaft", zählt der Bundestrainer den Gastgeber zu den Turnierfavoriten.

EM ohne Müller und Zeller

Die Chance zur Revanche bietet sich der deutschen Mannschaft direkt am ersten Turnier-Spieltag. Anschließend geht es in der Vorrunde noch gegen den Weltranglisten-Sechsten Spanien und Außenseiter Tschechien.

In der anderen Vorrunden-Gruppe scheinen auf dem Papier die Niederlande und England (Weltranglisten-Vierter, Anm. d. Red.) die härtesten Brocken zu sein.

Beide Mannschaften waren in der Vorbereitung auf die EM auch Sparringspartner des DHB-Teams: Gegen "Oranje" gab es ein 2:2, das Team von der Insel wurde locker mit 6:1 bezwungen.

Müller und Zeller sagen ab

Verzichten muss der Bundestrainer in Belgien auf die Doppel-Olympiasieger Maximilian Müller (Achillessehnenoperation) und Christopher Zeller, der sich vorerst auf sein Studium konzentrieren möchte.

Aber auch der Ausfall dieser Leistungsträger ist für den 50-Jährigen kein Grund zur Sorge, sondern nur der normale Lauf der Dinge: "Jetzt ist eine andere Mannschaft unterwegs, die wieder neu zusammenwachsen muss und auf einem guten Weg ist."

Probleme in der Nachwuchsförderung

Auf keinem guten Weg sieht Weise dagegen die Jugendarbeit in Deutschland. Vordergründig sehe es zwar sehr gut aus, aber das Gesamtsystem sei "ein bisschen bedroht".

"Was uns nicht gut tut, sind die Ganztagesschulen", kritisiert er im Interview mit SPORT1.fm. Wenn die Kinder schon so lange in der Schule seien, müsse man Sport dort viel stärker einbinden.

Daher werde es "perspektivisch, mittel- bis langfristig nicht so einfach, Spieler auf Weltniveau auszubilden". Keine allzu rosigen Zukunftsaussichten für Hockey-Deutschland.

Aber zumindest soll das Örtchen Boom nicht als Ausgangspunkt eines Abwärtstrends in die deutsche Hockey-Geschichte eingehen.

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