Torhüterin Clara Woltering (M.) verdiente sich bei Stefan Kretzschmar den Vergleich mit Olympiasieger Thierry Omeyer © getty

Die Deutschen verzücken ihren Präsidenten. Vor dem Viertelfinale schwärmt Bauer auch vom Trainer Jensen, warnt aber vor Dänemark.

Von Anett Sattler

Novi Sad/Göppingen - Mit Heimvorteil ins Halbfinale: Die deutschen Handballerinnen setzen ihre Medaillenjagd im WM-Viertelfinale gegen Dänemark (ab 20 Uhr im LIVE-TICKER, ab 20.15 Uhr LIVE im TV auf SPORT1) in ihrer Lieblingshalle im serbischen Novi Sad fort.

"Das ist unsere Halle, die sollen erst einmal kommen", sagte die Leipzigerin Natalie Augsburg selbstbewusst vor dem Duell mit dem EM-Fünften. (DATENCENTER: Der WM-Spielplan)

Sechs Spiele, sechs Siege: so stürmte die Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB) in Novi Sad in die Runde der letzten Acht - und verzückt den Präsidenten: "Ich glaube jeder, der die Spiele verfolgt hat, muss begeistert sein von dieser Mannschaft, von ihrem Auftreten, von ihrem Spielverständnis", sagte Bernhard Bauer zu SPORT1.

Erste Medaille seit 1993 in Sicht

Schon jetzt steht für ihn fest: "Das ist auch ein neuer Schritt für den deutschen Handball. Unsere Frauen sind sozusagen die Bannerträger eines wunderschönen Handballs."

Doch der Siegeszug der Mannschaft von Trainer Heine Jensen soll noch nicht beendet sein. "Trotz der sechs Siege haben wir noch Luft nach oben und können noch einiges reißen", sagte Augsburg.

Die erste Medaille bei einem internationalen Großereignis seit WM-Bronze 2007 scheint für den Weltmeister von 1993 realistisch. Bauer bleibt jedoch defensiv: "Über Medaillen rede ich nicht gerne. Weil es nicht dem entspricht, was wir sagen: von Spiel zu Spiel denken."

Bloß nicht in die Gletscherspalte

"Das ist ganz wichtig, dass man nicht die Spitze des Berges sieht, aber die Gletscherspalte nicht, in die man reinfallen kann", warnt er eindringlich vor den Däninnen, die im Achtelfinale etwas überraschend Europameister Montenegro ausschalteten. "Das wird brutal", meint Stefan Kretschmar in seiner SPORT1-Kolumne.

"Dänemark ist eine Mannschaft, die schnellen Handball spielt. Wir müssen unsere Top-Leistung bringen, um eine Chance zu haben", weiß auch Jensen um die Stärke seiner Landsleute.

Präsident Bauer vertraut jedoch auf den Trainerfuchs, dessen Vertrag vor der WM bis 2017 verlängert wurde: "Heine hat einen Plan. Einen Plan, den er umsetzt, mit seinem Trainerteam. Das Zusammenspiel ist vorbildlich, es ist herausragend", schwärmt er bei SPORT1.

Stark auch in kritischen Phasen

Doch auf den Lorbeeren ausruhen will Jensen sich nicht, auch wenn er mit den bisherigen Auftritten seines Teams zufrieden ist. Vergessen ist die WM vor zwei Jahren mit dem bitteren Vorrunden-Aus.

Besonders das Verhalten seiner Spielerinnen in engen Situationen hat dem Coach gefallen. "Sie haben sich bisher aus kritischen Phasen gut herausgearbeitet", sagte Jensen.

Sollte dies auch gegen Dänemark gelingen, würde im Halbfinale am Freitag in Belgrad Polen oder Frankreich warten.

Negative Bilanz gegen Dänemark

Die zwei Ruhetage nach dem lockeren Achtelfinalerfolg gegen Außenseiter Angola am Sonntag haben dem EM-Siebten gutgetan. Sechs Spiele in neun Tagen haben Kraft gekostet.

Doch das Selbstvertrauen ist seit WM-Beginn enorm gewachsen. "Bisher haben wir unsere Aufgaben souverän gelöst. Wir sind im Kopf stärker geworden. Der mentale Teil ist fast wichtiger als der sportliche Teil", meinte die Leipzigerin Susann Müller, die mit 50 Turniertoren maßgeblich am Höhenflug der DHB-Auswahl beteiligt ist. (Personalie: Kretzsches Liebling will alles)

Die "tolle Stimmung in der Mannschaft" trage zudem zum Erfolg bei, sagte Müller. Ein guter Teamgeist wird auch notwendig sein. Die Bilanz gegen Dänemark ist mit 36 Siegen bei 46 Niederlagen negativ. Doch es gibt ja immer noch den Heimvorteil.

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