In seiner Kolumne hofft SPORT1-Experte Stefan Kretzschmar auf einen WM-Coup, auch wenn er sich dabei den Mund verbrennt.

Hallo Handball-Fans,

ich hoffe natürlich, dass unsere Frauen-Nationalmannschaft bei der WM in Serbien (täglich LIVE im TV auf SPORT1) für positive Schlagzeilen sorgen. Obwohl das Wort laut DHB-Präsident Bernhard Bauer nicht in den Mund genommen werden darf, traue ich ihnen durchaus eine Medaille zu. Der Trainer hat ja selbst gesagt, dass sie an guten Tagen jeden schlagen können.

Warum sollte man in der Hauptrunde nicht für Furore sorgen und in einem eventuellen Halbfinale mal über sich hinauswachsen. Das ist alles möglich. Die Hoffnungen in Handball-Deutschland ruhen derzeit nun einmal auf den Frauen. Deshalb wäre ein Erfolg enorm wichtig.

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Im Liga-Kracher der Herren hat der THW Kiel einfach überragend gespielt. Sie waren perfekt eingestellt. Die Berliner waren bestimmt nicht schlecht. Aber bei den Kielern hat jeder Spieler seine Leistung gebracht, speziell in der ersten Halbzeit. Der Rückraum war überragend.

Wenn die Kieler so spielen wie am Sonntag, wird es sehr schwer, sie zu schlagen. Trotz der vielen Abgänge, die sie hatten, verfügt der THW immer noch über die beste erste Sieben der Liga. Allerdings bleibt in dieser Saison ihr Problem, dass sie nun weniger Wechselmöglichkeiten haben.

Die Berliner müssen sich an ihrer zweiten Halbzeit hochziehen und das Spiel auch so verarbeiten. Da konnten sie Kiel Paroli bieten. Sie müssen aber auch anerkennen, wie gut Kiel in der zweiten Halbzeit war. Die Berliner sind dennoch eine Spitzenmannschaft und haben sich nicht abschlachten lassen. Sie können mitnehmen, dass sie stark gefightet haben, und können auch weiterhin in der Spitzengruppe dabei sein. Ich hoffe, dass die ersten fünf Mannschaften bis zum Ende um den Titel kämpfen werden.

Dass Bob Hanning bei Berlin verlängert hat, ist super für die Füchse. Allerdings ist so eine Ämterhäufung schwer erklärbar. Schließlich ist er als Vize-Präsident des DHB ein Chef des deutschen Handballs und als Füchse-Manager auch gleichzeitig Chef eines Berliner Klubs. Da muss er ja unterschiredliche Interessen vertreten.

Dass er ein Macher ist, der vieles bewegt, ist gar keine Frage. Ich hätte mir aber gewünscht, dass er sich auf eine Sache voll und ganz konzentriert. Es könnte zwar sein, dass er nun für einen Interessensausgleich zwischen Nationalmannschaft und Bundesliga sorgt. Es liegt aber auch nahe, dass er seinem Verein eventuell Vorteile verschafft. Ich hoffe dennoch, dass er den Spagat hinbekommt.

Für die Rhein-Neckar Löwen steht in dieser Woche keine ganz angenehme Auswärtsreise an. Am Mittwoch müssen sie im DHB-Pokal in Kiel ran, und drei Tage später in der Liga beim HSV Hamburg. Das sind zwei richtige Kracher.

Ich traue ihnen aber schon zu, Kiel in Bedrängnis zu bringen. Auch die Aufgabe in Hamburg ist für die Löwen durchaus machbar. Es erwartet aber niemand, dass sie beide Spiele gewinnen. Sollten sie dennoch aus Hamburg einen Sieg mitnehmen, wäre das ein absoluter Big Point. Das verändert die Voraussetzungen für die Meisterschaft eminent.

Dass sich Göppingen nach so langer Zeit von Trainer Velimir Petkovic getrennt hat, ist natürlich schade. Der Verein hat ihm so viel zu verdanken. Er ist ohne Frage einer der besten Trainer der Liga. Was er aus dieser Mannschaft in den letzten Jahren herausgeholt hat, inklusive zweier Europacupsiege, ist schon beachtlich. Man muss aber auch sagen, dass Göppingen in diesem Jahr weit hinter den Erwartungen zurückliegen. Deshalb kann ich diese Entscheidung auch verstehen.

Bis zum nächsten Mal,

Euer Kretzsche

Stefan Kretzschmar, 40, ist seit 2009 als Experte und Co-Kommentator das Handball-Gesicht von SPORT1. Der neben Heiner Brand wohl bekannteste deutsche Handballer hat in 218 Länderspielen 817 Tore für den DHB erzielt, gewann unter anderem Olympia-Silber in Athen 2004. In der Bundesliga war der ehemalige Weltklasse-Linksaußen für den SC Dynamo Berlin, Blau-Weiß Spandau, den VfL Gummersbach und zuletzt den SC Magdeburg aktiv, mit dem er 2002 die Champions League gewann. Bei SPORT1.de analysiert "Kretzsche" wöchentlich in seiner Kolumne das Handball-Geschehen.

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