Die SG Flensburg-Handewitt gewann nach 2001 zum zweiten Mal Europapokal der Pokalsieger © imago

Mit dem Triumph über Gummersbach schwingt sich die SG als zweite Kraft im deutschen Handball auf - und fordert nun Kiel heraus.

Flensburg - Goldener Lametta-Regen, zwei turmhohe Feuer-Fontänen und reichlich knallende Sektkorken:

Als die Flensburger Handballer ihren Pokal in die Höhe stemmten und die Campushalle zur Schampushalle wurde, platzte selbst der sonst so zurückhaltende SG-Trainer Ljubomir Vranjes fast vor Stolz.

"Das ist die Krönung einer tollen Saison. Es ist sehr wichtig für die Entwicklung der Mannschaft, am Ende dieser Serie auch etwas Handfestes vorweisen zu können", sagte Vranjes.

Nach dem 32:28-Erfolg im Final-Rückspiel des Europapokals der Pokalsieger gegen den VfL Gummersbach (Hinspiel: 34:33) hat sich seine Mannschaft nicht nur zur zweiten Kraft im deutschen Handball aufgeschwungen (Bericht).

Die Nordlichter könnten bereits in der kommenden Serie zum großen Herausforderer von Klassenprimus THW Kiel werden.

Vranjes peilt Meisterschaft an

Dass nach dem ersten Titelgewinn seit sieben Jahren auch zur nationalen Spitze nicht mehr viel fehlt, hat die SG in dieser Serie eindrucksvoll bewiesen.

Vranjes führte sein Team auf Platz zwei in der Bundesliga und bis ins Finale des DHB-Pokals.

"Mein Ziel ist es aber nicht, immer nur Zweiter zu sein", sagte Vranjes: "Bis 2015 möchte ich mit dieser tollen Mannschaft Deutscher Meister werden."

Große Verstärkung

Die "tolle Mannschaft" ist allerdings nur die halbe Wahrheit auf der Suche nach den Gründen für die jüngste Flensburger Erfolgsstory.

Das Comeback des Deutschen Meisters von 2004 trägt vor allem die Handschrift von Vranjes selbst: Seit der Übernahme des Trainerpostens im November 2010 werkelt der 38-jährige Schwede zusammen mit Geschäftsführer Holger Kaiser akribisch an der Rückkehr auf den deutschen Handball-Thron.

Während Kaiser den Klub in den vergangenen Jahren finanziell konsolidierte und trotz schmalen Budgets Spieler wie Holger Glandorf, Lars Kaufmann und Mattias Andersson an die Förde lotste, formte der frühere Spielmacher innerhalb kürzester Zeit eine funktionierende Einheit.

"Eine verschworene Gemeinschaft"

Zudem verabreichte Vranjes seinem Team ein variables Abwehrsystem und ein variantenreiches Angriffsspiel. Vom Tempospiel ganz zu schweigen - das gehört mittlerweile zum Besten, was die Liga zu bieten hat.

"Wir haben vielleicht nicht die ganz großen Einzelkönner, aber wir sind eine verschworene Gemeinschaft dicker Kumpels und haben einen super Trainer, der uns ständig weiterentwickelt", sagt Andersson.

Mit insgesamt 21 Paraden ermöglichte der Keeper den Erfolg gegen Gummerbach und damit den achten Titel der Vereinsgeschichte erst.

Kampfansage von Andersson

Auch der verletzte Holger Glandorf, der die Finalspiele von der Bank aus verfolgte, unterstrich den Stellenwert des Trainers.

"Was er hier leistet, ist überragend. Er stellt uns immer wieder perfekt ein und hat einen großen Anteil am Erfolg", sagte Glandorf.

Ob die Flensburger wirklich schon bereit sind, dem schier übermächtigen THW das Wasser zu reichen, wird sich in der kommenden Serie zeigen. An Motivation mangelt es jedenfalls nicht.

"Wir haben das große Ziel, noch besser zu spielen", sagte Torwart Andersson und schickte eine Warnung an die Konkurrenz gleich hinterher: "Wir können mit Sicherheit noch eine Schippe drauf legen."

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