Lars Kaufmann (M.) kam im Sommer 2011 aus Göppingen nach Flensburg © imago

Flensburg will im Finalrückspiel das i-Tüpfelchen auf eine starke Saison setzen. Gummersbach gibt sich noch nicht geschlagen.

München/Flensburg - 2001 konnten die Deutschen noch mit der D-Mark bezahlen, Gerhard Schröder war Kanzler, Schalke 04 für vier Minuten deutscher Fußball-Meister - und Handball-Bundesligist SG Flensburg-Handewitt letztmals Europapokalsieger der Pokalsieger.

Dieser Freitag könnte für die Norddeutschen also ein historischer Tag werden.

Um 18.45 Uhr (LIVESCORES) wird das Rückspiel im Finale um den Europacup gegen Titelverteidiger VfL Gummersbach angepfiffen. Nach dem 34:33 im Hinspiel reicht den Flensburgern bereits ein Unentschieden, um den Wettbewerb zum zweiten Mal zu gewinnen. (Bericht: SG will Titel-Durststrecke stoppen).

Die Vorfreude und der Wille, diese Trophäe endlich wieder in die Luft stemmen zu können, ist entsprechend groß. Doch Trainer Ljubomir Vranjes warnt. "Wir sollten mit der Euphorie noch warten", sagte der 38-Jährige, "wir haben noch 60 Minuten vor uns."

Brand glaubt an Flensburg

Aber selbst der ehemalige Bundestrainer, das Gummersbacher Urgestein Heiner Brand glaubt nicht mehr daran, dass der VfL das Wunder noch schafft.

"Flensburg ist der große Favorit, sie sind besser besetzt", sagte Brand, der als Spieler nur für die Oberbergischen auflief und mit dem Klub 17 Titel holte. "Flensburg spielt vielleicht den schönsten Handball im Angriff in der gesamten Liga", sagte Brand.

Nur Kiel stärker

Und das Team lässt sich selbst durch Rückschläge - wie dem Ausfall von Nationalspieler Holger Glandorf - nicht aus dem Konzept bringen.

In der Toyota HBL mussten die Flensburger mit ihrem beeindruckenden Tempo-Handball nur die Übermannschaft des THW Kiel ziehen lassen.

Die Qualifikation für die Champions League hat der Deutsche Meister von 2004 längst in der Tasche. Auch im Pokal war nur Rekordmeister Kiel im Endspiel einen Tick besser. Und so reisen die Gummersbacher mit Respekt, aber ohne Angst in die als "Hölle Nord" bekannte Campushalle.(DATENCENTER: Pokal der Pokalsieger).

VfL will Gas geben

"Vor 6000 Zuschauern in Flensburg erwartet uns jetzt eine sehr, sehr schwere Aufgabe", sagte VfL-Trainer Emir Kurtagic, aber: "Die Niederlage bedeutet noch nichts."

Und Adrian Pfahl kündigte an, dass man in Flensburg Gas geben werde: "Die Leistung im Hinspiel darf nicht umsonst gewesen sein." Für Gummersbach wäre es der vierte Europapokal-Triumph in Serie.

Glandorf gibt Tipps von der Bank

Glandorf kann sein Team dagegen auf dem Weg zum ersten Titel seit sieben Jahren (DHB-Pokal 2005) nur von der Bank aus unterstützen.

Der 29-Jährige lag nach drei Operationen am linken Fuß zuletzt über zwei Wochen im Krankenhaus, nachdem ihm vor zwei Länderspielen Anfang April eine Cortison-Spritze verabreicht worden war, die eine Infektion und hohes Fieber ausgelöst hatte.

"Ich versuche, die Mannschaft in verschiedenen Situationen zu motivieren und gebe vielleicht einige Tipps, wenn ich von der Bank bestimmte Spielsituationen sehe", sagte der Linkshänder, der sich wieder im Aufbautraining befindet: "Meine Karriere ist noch längst nicht beendet!"

Und so ein Europapokaltriumph würde die weitere Heilung sicher beschleunigen.

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