Kentin Mahe wechselte im Sommer 2011 vom DHC Rheinland zum VfL Gummersbach © getty

Der Gummersbacher spricht im SPORT1-Interview über die Partien gegen Flensburg, Emir Kurtagic und seine persönlichen Ziele.

Von Annette Bachert

München - RK Gorenje Velenje, BM Granollers, Tremblay en France und jetzt die SG Flensburg-Handewitt?

Im Finale des Europacups der Pokalsieger hat der VfL Gummersbach die große Chance, zum vierten Mal in Folge einen internationalen Wettbewerb zu gewinnen.

Und das ist ein kleines Wunder. Zumindest wenn man bedenkt, dass der VfL über weite Strecken der Saison in der Toyota HBL große Probleme hatte.

Erst als der langjährige Coach Sead Hasanefendic von Emir Kurtagic ersetzt wurde, gelang die Wende und Gummersbach entledigte sich aller Abstiegssorgen.

Mahe mit starken Leistungen

Auch ein Verdienst von Kentin Mahe. Der 20-jährige Franzose, der im Sommer des vergangenen Jahres vom DHC Rheinland nach Gummersbach gewechselt war, hat maßgeblichen Anteil an der starken Rückrunde seines Teams und zählt zu den Aufsteigern der Saison.

Stattdessen sprühen die Gummersbacher vor dem Final-Hinspiel des Europacups der Pokalsieger gegen die SG Flensburg-Handewitt vor Selbstvertrauen.

Vor dem Hinspiel am Sonntag um 19 Uhr in Gummersbach spricht Mahe bei SPORT1 über den Aufschwung, die Arbeit mit Kurtagic, die Partien gegen Flensburg und seine persönlichen Ziele. (DATENCENTER: Pokal der Pokalsieger)

SPORT1: In Hamburg setzte es zuletzt eine 30:37-Niederlage. Woran lag es?

Kentin Mahe: Wir haben schlecht angefangen und sind dann einem Sechs-Tore-Rückstand hinterhergelaufen. Viele Spieler, ich allen voran, haben nicht die Leistung gezeigt, die sie zeigen können und das hat am Ende den Unterschied ausgemacht.

SPORT1: Waren die Gedanken möglicherweise schon beim Pokalsieger-Finale?

Mahe: Nein, das nicht. Wir hätten in Hamburg ein deutlich besseres Spiel zeigen können, unabhängig davon, ob wir als nächstes ein wichtiges Spiel haben oder nicht. Es wäre auch wichtig gewesen mit einem positiven Gefühl in diese Trainingswoche reinzugehen und noch einige Dinge zu verfeinern. Das ist uns nicht gelungen.

SPORT1: Noch vor wenigen Monaten stand der VfL auf einem Abstiegsplatz, dann stieg Emir Kurtagic zum Cheftrainer auf. Mittlerweile ist Gummersbach Zehnter. Was hat sich verändert?

Mahe: Das ist nicht schwer zu erklären. Sead (Hasanefendic, Anm. d. Red.) war ein sehr sehr guter Trainer. Und das war auch der Grund, warum ich in Gummersbach unterschrieben habe. Aber er war eine lange Zeit hier und irgendwann sind die Trainingsmethoden nicht mehr so von den Spielern akzeptiert worden. Da war ein Wechsel nötig. Emir hat sich die letzten Jahre als Co-Trainer angeschaut, was war gut, was könnte man verbessern.

Und die Sachen, die man verbessern konnte, hat er auch umgesetzt. Und wir haben die Lust und den Spaß am Trainieren wiedergefunden. Das Selbstbewusstsein ist verstärkt worden und natürlich ist es auch gut, wenn man gleich im ersten Spiel der Rückrunde gegen Großwallstadt zwei Punkte holt. Das war der Startschuss. In den letzten Monaten hat es auch wieder richtig viel Spaß gemacht.

SPORT1: Wie würden Sie die Entwicklung des Teams in den letzten Monaten beschreiben?

Mahe: Super! Man findet kaum Worte dafür. Die Mannschaft ist homogener geworden, auch durch die Neuzugänge. Wir haben uns nicht davon abhalten lassen, neue Spieler zu integrieren. Das war ein Bonus.

Die Krönung war das Spiel bei den Rhein-Neckar Löwen, in dem wir bis zum Schluss unsere ganze Klasse gezeigt haben. Es hätte uns auch keiner zugetraut, dass wir zum Ende hin noch diese positive Entwicklung nehmen.

SPORT1: Und Ihre Entwicklung in dieser Saison?

Mahe: Ich habe nicht gedacht, dass ich im ersten Jahr schon so viel Verantwortung übernehmen muss, auch wenn der Kader recht klein war. Anfangs habe ich auch nicht so viel gespielt, aber dann immer mehr auf der Mittelposition agieren dürfen.

Das ist mir recht gut gelungen und ich nehme diese Verantwortung auch sehr gerne an als Mittelmann. Aber ich will mich natürlich noch weiterentwickeln, spielerisch wie körperlich. Und das habe ich in den nächsten Jahren hier in Gummersbach auch noch vor.

SPORT1: Anfang März sagte Kurtagic noch: "Es zählt nur der Klassenerhalt, Pokalsiegercup ist nur Nebenschauplatz". Der Klassenerhalt ist nun gesichert. Welchen Stellenwert hätte dieser Pokalsieg jetzt?

Mahe: Jetzt heißt es: Jetzt erst recht. Viele haben uns Anfang der Saison kritisiert, auch im Verein. Wir haben ohne Selbstbewusstsein agiert. Jetzt ist das für uns eine Genugtuung und kann das i-Tüpfelchen werden. Wir haben das Optimum in diesem Pokalwettbewerb erreicht. Wenn man das Erreichte bisher mit der letzten Saison zu diesem Zeitpunkt vergleicht, stehen wir sogar besser da.

SPORT1: Die Flensburger spielen wie der VfL eine starke Rückrunde, stehen in der Tabelle auf Platz zwei. Wie groß sind dennoch Ihre Siegchancen?

Mahe: Es wäre absurd, wenn wir ein Finale spielen und sagen, es würde nichts gehen. Ein Finale ist nicht dafür da, um nur zu spielen, sondern um zu gewinnen. In diesem Wettbewerb stehen wir auf dem gleichen Platz. Das bedeutet, wir werden alles geben.

So, dass wir uns nach dem Spiel nichts vorwerfen können. Es sind 120 Minuten, in denen wir alles geben. Ohnehin ist das Rückspiel sehr wichtig. Egal, ob wir das Hinspiel mit drei Toren verlieren oder sechs gewinnen, das ist nicht so wichtig. Vor allem, wenn man sieht, wie souverän Flensburg zu Hause spielt - unglaublich.

SPORT1: Wie wichtig ist denn der Heimvorteil in solch einem Finale?

Mahe: Der macht sehr viel aus. Wenn wir hier die Eugen-Haas-Halle zum Kochen bringen und die Gegner unter Druck setzen, kann uns viel gelingen. Das kommt uns nun leider nicht zu Gute und das ist ein großer Nachteil. Aber so ist das und wir müssen damit nun umgehen, auch mit dem Druck in einer vollen Flensburger Halle. Das macht auch Spaß, dafür spielen wir Handball.

SPORT1: Bis jetzt sah der VfL gegen die sogenannten großen Teams oft besser aus als gegen die kleineren. Wie erklären Sie das?

Mahe: Man geht in so ein Spiel anders rein. Gegen die großen Teams haben wir nichts zu verlieren, wir spielen drauf los und es wird wenig überlegt. Das ist eine Sache der Vorbereitung.

SPORT1: Sie sind in Frankreich geboren, leben aber seit sehr vielen Jahren in Deutschland. Stellte sich für Sie irgendwann die Frage, für welches Nationalteam Sie künftig spielen wollen?

Mahe: Das war so: Im Jahr 2007, mit 17, als die Jugend-Nationalmannschaft anfing, habe ich mit Klaus-Dieter Petersen, dem damaligen Coach, gesprochen. Und er sagte, wenn ich mich für Deutschland entscheide und die deutsche Staatsbürgerschaft annehme, würde er mit mir arbeiten. Aber er war dann weiter nicht so euphorisch, wie ich dachte, es zu brauchen. Und gleichzeitig kam eine Anfrage aus Frankreich... Aber auch wenn der deutsche Trainer damals gesagt hätte, er will mit mir arbeiten, hätte ich kurz überlegt - aber mein Herz ist französisch und das wird es auch immer bleiben.

SPORT1: Ihr Vater war ein sehr erfolgreicher Handballer. Verspüren Sie Druck, ebenso erfolgreich werden zu müssen?

Mahe: Nein, kein bisschen. Ich möchte Erfolg haben, weil ich das möchte und nicht, weil man Vater das auch war. Ich ziehe meinen Hut vor ihm und er gibt mir auch viele Tipps, sei es handballerisch oder auch in der Lebensgestaltung als Profi. Aber ich möchte mir den Namen Kentin Mahe machen und nichts anderes.

SPORT1: Sie sind sowohl im Rückraum wie auch auf Außen einsetzbar. Wo fühlen Sie sich wohler und wo sehen Sie Ihr größtes Potential?

Mahe: Ehrlich gesagt, will ich Mittelmann werden. Das ist in den Augen mancher ein bisschen absurd, weil ich nicht der Größte und Kräftigste bin. Aber ich kann das mit anderen Qualitäten wett machen. Ich habe zwar eher das Profil eines Linksaußen, aber ich fühle mich auf der Mitte einfach am wohlsten.

SPORT1: Ihr Vertrag in Gummersbach läuft noch einige Jahre (bis 2014). Wo sehen Sie sich in der Zukunft?

Mahe: Ich möchte bei einem der größten Klubs Europas spielen und Titel gewinnen, das ist mein Ziel und das war es auch schon immer. Aber ich weiß, dass ich mir das erst verdienen muss.

SPORT1: Möchten Sie dann in der Bundesliga bleiben, zieht es Sie zurück in die Heimat oder vielleicht nach Spanien?

Mahe: Eine Rückkehr nach Frankreich visiere ich schon an, aber nicht jetzt, erst viel später. Aber wenn du einmal in der Bundesliga gespielt hast, möchtest du eigentlich nicht mehr weg.

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