Filip Jicha (30) gewann am Sonntag mit dem THW zum vierten Mal den DHB-Pokal © getty

Filip Jicha führt den THW zum Pokalsieg. Im SPORT1-Interview spricht er über die "reizvolle Aufgabe" der perfekten Saison.

Von Julian Meißner

Hamburg/München - Im Halbfinale hatte er nicht seinen besten Tag, doch als es im Endspiel ums Ganze ging, zeigte er seine ganze Klasse: Filip Jicha.

Kiels tschechischer Rückraum-Star hatte mit elf Treffern, davon sieben Strafwürfe bei sieben Versuchen, großen Anteil am Pokalsieg des THW am Sonntag im Finale des Lufthansa Final Four in Hamburg gegen die SG Flensburg (Nachbericht: THW will das Triple).

Im SPORT1-Interview spricht der Welthandballer von 2010 über seine Leistung, Glücksgefühle nach dem Double-Gewinn und die "reizvolle Aufgabe", eine perfekte Saison ohne Minuspunkt zu absolvieren.

SPORT1: Herr Jicha, Glückwunsch zum Pokalsieg und damit zum Double. Wie fühlt sich das an?

Filip Jicha: Es ist natürlich großartig. Jetzt haben wir geschafft, was wir unbedingt wollten. In den ersten Momenten kann ich meine Freude gar nicht in Worte fassen. Es ist schön, einfach super.

SPORT1: Das Spiel war lange offen. War Flensburg der erwartet schwere Gegner?

Jicha: Es war das Pokalfinale, das ist nie einfach. Flensburg hat überragend gespielt. Aber so ist es im Sport: Es kann immer nur einer gewinnen. Und das waren heute wir. Es war ein einmaliges Sportereignis hier in Hamburg. Ich freue mich, dass ich hier mit meiner goldenen Medaille vor Ihnen stehen darf. Es ist ein großartiger Moment.

SPORT1: Flensburg ist noch einmal auf ein Tor herangekommen. Was hat Alfred Gislason dann in der Auszeit gesagt?

Jicha: Es war eigentlich nur an der Zeit, uns zu beruhigen und neu zu ordnen. Wir hatten bis dahin viel richtig gemacht und dann ein paar Mal verschossen. Wir haben lange gebraucht, uns den Fünf-Tore-Vorsprung zu erarbeiten, dann war er schnell weg. Aber das gehört auch dazu. Wir mussten uns einfach wieder im Angriffsspiel konzentrieren und sozusagen unsere THW-Form zurückfinden. Ist uns ja dann auch gelungen.

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SPORT1: Man hat den Eindruck, als würde die Mannschaft nie nervös, wenn es in die entscheidende Phase geht. Ist das wirklich so?

Jicha: Wer nicht an sich glaubt, hat in solchen Spielen schon verloren. Du merkst als Spieler, ob jemand ein bisschen Unsicherheit zeigt. Dann wirst du sofort bestraft. Dafür trainieren wir alle, damit wir diese Ausstrahlung haben. Und wenn man siegt, dann kommt das von selbst. Wir haben einfach einen super Lauf und schwimmen auf einer Welle. Es gibt keinen Grund, unsicher zu sein.

SPORT1: Sie selbst haben elf Tore geworfen und sieben von sieben Siebenmetern getroffen. Da kann man zufrieden sein, oder?

Jicha: Damit bin ich auch zufrieden. Dass ich hundert Prozent bei sieben Siebenmetern werfe, ist mir zuletzt in Lemgo gelungen, glaube ich (lacht). Darüber freue ich mich wahnsinnig. Ich hatte mir viel vorgenommen, weil ich im Halbfinale nicht so gespielt hatte, wie ich mir das vorstelle.

SPORT1: Sie haben nach der Halbzeit die Deckung umgestellt. War das ein entscheidender Faktor?

Jicha: Unsere Abwehrsysteme sind immer entscheidend. Meiner Meinung nach kann man auf Weltklasseniveau nicht mit einer Abwehr 60 Minuten durchmarschieren. Das ist sehr schwer. Daher haben wir mit der 6:0 und der 3:2:1 zwei Systeme, die uns liegen und mit denen wir variieren können. Manchmal wechseln wir sie auch zwei-, dreimal pro Halbzeit. Der Trainer entscheidet das - und es hat im Finale ja sehr gut geklappt.

SPORT1: Jetzt ist noch ein Titel zu vergeben in dieser Saison?

Jicha: Die Champions League ist unser größter Traum. Für mich bleibt das immer etwas Spezielles. Aber es wird extrem schwer.

SPORT1: Welche Bedeutung spielt für den THW die Null, die perfekte Saison?

Jicha: Es ist eine reizvolle Aufgabe. Unsere Einstellung ist, dass wir jedes Spiel gewinnen wollen. Es ist nicht so, dass wir geschont werden, nur weil wir Meister sind. Wir werden immer alles geben. Wer diese Mannschaft kennt, weiß, dass die Spieler - mir inklusive - nur sehr ungern verlieren. Egal, ob das beim Fußball oder bei einem Wurfwettbewerb im Training ist. Wir sind sehr ehrgeizig und motiviert, das wird so bleiben. Nächstes Wochenende wollen wir wieder hier in Hamburg in der Bundesliga gewinnen.

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