Alter und neuer Pokalsieger: Der THW Kiel um Kapitän Marcus Ahlm (v.) © getty

Kiel nimmt nach dem Pokal den nächsten Titel ins Visier. Gislason erklärt das Gefühl, "dass du gar nicht verlieren kannst".

Von Julian Meißner

Hamburg/München - Als Marcus Ahlm, aufgepumpt vom Adrenalin, sich den Weg in die Kabine bahnte und dabei einen Urschrei absetzte, richtete Dominik Klein wenige Meter weiter schon den Blick auf das nächste Ziel.

"Jetzt wollen wir auch die Champions League gewinnen", sagte der Nationalspieler euphorisiert, nachdem er soeben mit dem THW Kiel den achten Pokalsieg und damit das siebte Double der Vereinsgeschichte perfekt gemacht hatte.

Der Gegner aus Flensburg hatte den übermächtigen "Zebras" alles abverlangt im hochklassigen wie spannenden Endspiel des Lufthansa Final Four, am Ende aber hatten die Kieler wieder einmal die Nase vorn (Spielbericht: THW nicht zu stoppen).

"Wir haben schon so viele enge Spiele gewonnen, dass irgendwann das Gefühl entsteht: Du kannst gar nicht verlieren", erklärte THW-Trainer Alfred Gislason die Crunch-Time-Qualitäten seiner Mannschaft.

"Das gibt eine extreme Sicherheit, in den engen Situationen triffst du die richtigen Entscheidungen", so Gislason, der mit seinem Team nun das zweite Triple nach 2007 anpeilt.

Flensburg kämpft bravourös

Dabei war das Finale von Hamburg alles andere als ein Selbstgänger. Nachdem die Kieler schon mit fünf Toren geführt hatten und wie der sichere Sieger aussahen, brachte Flensburg den Meister mit einer furiosen Aufholjagd tatsächlich noch einmal ins Wanken.

"Wir haben immer daran geglaubt, dass wir es packen können", sagte Viktor Szilagyi, und tatsächlich: Nach vier SG-Toren in Folge stand es gut drei Minuten vor Schluss auf einmal nur noch 29:28 für den THW, als Gislason die Grüne Karte zog.

Jicha trifft zweistellig

"Es war eigentlich nur an der Zeit, uns zu beruhigen und neu zu ordnen", sagte Filip Jicha im Gespräch mit SPORT1: "Wir mussten uns einfach wieder im Angriffsspiel konzentrieren und sozusagen unsere THW-Form zurückfinden. Ist uns ja dann auch gelungen."

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Der Welthandballer von 2010 hatte nach einem durchwachsenen Auftritt beim 27:25-Sieg im eisenharten Halbfinale gegen den HSV Hamburg im Endspiel sein ganzes Können aufgeboten. Elf Tore und hundert Prozent Trefferquote bei sieben Strafwürfen sprechen eine deutliche Sprache.

Narcisse mit "glühenden Knien"

Ein weiterer Sieggarant für den THW war neben Kim Andersson vor allem der Franzose Daniel Narcisse, beide kamen auf sieben Treffer.

"Air France" glänzte mit spektakulären Treffern sowie vorzüglicher Abwehrarbeit und wurde zum besten Spieler des Turniers gewählt.

"Absolut zurecht", lobte Klein seinen Mitspieler: "Ich glaube, dem glühen die Knie."

Andersson bester Keeper

Dass Flensburg trotz Kiels unglaublicher individueller Klasse so lange im Spiel blieb, war vor allem dem ehemaligen THW-Keeper Mattias Andersson zu verdanken, der mit 19 Paraden wie schon im Halbfinale eine famose Leistung zeigte und zum besten Keeper des Wochenendes gekürt wurde.

Das änderte jedoch nichts daran, dass die Spieler von Trainer Ljubomir Vranjes niedergeschlagen mit ansehen mussten, wie die Kieler im Konfettiregen den Pokal in die Höhe reckten und mit einer Schampus-Dusche für DHB-Präsident Ulrich Strombach die Party eröffneten.

Noch eine Titelchance für SG

Bei aller Enttäuschung ist die Spielzeit des designierten Vizemeisters dennoch schon jetzt als phänomenal zu bezeichnen.

Flensburgs Manager Holger Kaiser hatte schon nach dem Finaleinzug von der "kleinen Krönung einer tollen Saison" gesprochen, und eine Titelchance bleibt der SG ja noch.

Im Endspiel des Europapokals der Pokalsieger trifft die SG auf den VfL Gummersbach.

Kiel visiert das Triple an

Der THW Kiel reist mit breiter Brust zum Final Four der Champions League nach Köln (26./27. Mai), wo im Halbfinale die Füchse aus Berlin warten.

"Klar wollen wir nun das Triple", sagte dann auch Kapitän Ahlm, nachdem sein Freudenschrei die Hamburger O2-World in ihren Grundfesten hatte erzittern lassen: "Die Chance ist da, und wir werden uns darauf gut vorbereiten."

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