Redebedarf: Hans Lindberg und Toto Jansen mit Schiedsrichter Lars Geipel © imago

Hamburg schießt sich nach dem Pokal-Aus in einer Saison voller Rückschläge auf die Schiedsrichter ein und übt auch Selbstkritik.

Aus Hamburg berichten Julian Meißner und Annette Bachert

Hamburg - Der Frust saß tief beim HSV Hamburg, nachdem der entthronte Meister im Pokal auch die letzte Titelchance in dieser Saison vergeben hatte.

"Ich spiele seit 30 Jahren Handball, aber ich habe selten ein Spiel erlebt, dass so weh getan hat", sagte ein sichtlich angegriffener HSV-Trainer Martin Schwalb nach der dramatischen 25:27 (13:15)-Niederlage gegen Kiel im Halbfinale des Lufthansa Final Four. (Bericht)

"Es tut höllisch weh"?, präzisierte Schwalb.

Sein Team hatte dem THW einen überragenden Kampf geliefert, stand aber am Ende mit leeren Händen da und haderte mit seinem Schicksal.

[kaltura id="0_05wltm3y" class="full_size" title="Hens Tore nicht mehr gemacht"]

Jansen-Tor nicht gegeben

"Es ist eine Mannschaft in der Kabine, die sich nicht gut behandelt fühlt", erklärte Schwalb in knappen Worten auf der Pressekonferenz: "Das kann jeder für sich deuten."

Viel Spielraum für Interpretationen ließ die Aussage jedoch nicht zu. Der HSV fühlte sich von den Schiedsrichtern um den Lohn seiner Arbeit gebracht.

Vor allem ein nicht gegebenes Tor von Torsten Jansen erregte die Gemüter - die Referees hatten dem Linksaußen in der entscheidenden Phase das vermeintliche 26:26 abgepfiffen.

Zudem habe man "permanent in Unterzahl" gespielt, so Schwalb, der dem Gespann Lars Geipel und Marcus Helbig mit triefender Ironie "viel Glück bei Olympia" wünschte - die beiden vertreten als einzige Handballer die deutschen Farben bei den Sommerspielen in London.

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Kraus mit Selbstkritik

Doch trotz einiger strittiger Pfiffe - auf beiden Seiten wohlgemerkt - übten die Spieler auch Selbstkritik, nachdem sie in der entscheidenden Phase immer wieder an Kiels Torhüter-Titan Thierry Omeyer verzweifelt waren.

"Wir hatten das Finale zum Greifen nah und sind am Ende an unserer eigenen Chancenauswertung gescheitert", erklärte Spielmacher Michael Kraus im Gespräch mit SPORT1: "Aber wenn man den Spielverlauf sieht, glaube ich, dass Kiel mit einem blauen Auge davon gekommen ist und heute einfach die glücklichere Mannschaft war."

Unter dem Strich blieb die Erkenntnis, dass man die Chance verpasste, eine verkorkste Saison voller Verletzungen und Misserfolge mit dem Pokalsieg zumindest noch einigermaßen zu retten.

Kampf um Platz vier

"Für eine Mannschaft mit unserer Qualität ist das schon sehr bitter", sagte Kraus zur titellosen Spielzeit des Vorjahresmeisters: "Wir haben in der Saison viele Nackenschläge zurückstecken müssen, und irgendwann war einfach das Maß voll. Die Mannschaft konnte das nicht mehr kompensieren."

Dennoch dürfe man die Saison vier Spieltage vor Schluss keinesfalls abschreiben. "Wir haben das Ziel, noch Platz vier zu holen. Und das wird schwer genug", so Kraus.

Die Mission Champions-League-Qualifikation geht für die Hamburger nächsten Sonntag mit dem 31. Spieltag in der Toyota HBL weiter. Der Gegner heißt THW Kiel.

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